Bildungsforschung / Europa

Ländervergleich Bildung in Europa: Ungleiche Bildungschancen bleiben Herausforderung

Zwei Schülerinnen und ein Schüler unterschiedlicher Herkunft sitzen an einem Tisch und lernen.
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Der von der EU-Kommission veröffentlichte Monitor für die allgemeine und berufliche Bildung 2017 zeigt, dass die Bildungssysteme der Mitgliedstaaten inklusiver und wirkungsvoller werden. Sie bestätigt jedoch, dass der Bildungsgrad in hohem Maße vom sozioökonomischen Hintergrund abhängt und der Anteil von Schüler(inn)en mit mangelnden Grundkompetenzen gestiegen ist – auch in Deutschland.

Die Europäische Kommission unterstützt die Mitgliedstaaten dabei, ihre Bildungssysteme leistungsfähig zu gestalten – die im jährlich erscheinenden Monitor für die allgemeine und berufliche Bildung zusammengestellten Daten leisten hier einen wichtigen Beitrag. Wie die neueste Ausgabe des Monitors zeigt, machen die Mitgliedstaaten zwar Fortschritte bei den meisten Schlüsselzielen der EU für die Reformierung und Modernisierung der Bildung, doch für mehr Gleichheit in der Bildung muss noch viel getan werden.

Gleiche Chancen für alle

Tibor Navracsics, EU-Kommissar für Bildung, Kultur, Jugend und Sport, sagte: „Ungleichheit nimmt immer noch zu vielen Menschen in Europa die Chance, das Beste aus ihrem Leben zu machen. Sie ist eine Bedrohung für den sozialen Zusammenhalt, langfristiges Wirtschaftswachstum und den Wohlstand. Und allzu oft wird die Ungleichheit durch unsere Bildungssysteme weitergeführt – wenn die Bedürfnisse von Menschen aus ärmeren Verhältnissen nicht berücksichtigt werden; wenn die Bildungsergebnisse vom sozialen Status der Eltern abhängen und Armut und Chancenlosigkeit auf dem Arbeitsmarkt von einer Generation zur nächsten weitergereicht werden. Gegen diese Ungleichheiten müssen wir mehr tun. Den Bildungssystemen kommt beim Aufbau einer gerechteren Gesellschaft eine besondere Rolle zu, indem sie gleiche Chancen für alle bieten.“

Zusammenhang zwischen sozioökonomischem Status und dem Abschneiden in der Schule

In der EU-Wachstumsstrategie „Europa 2020“ haben sich die Mitgliedstaaten auch Ziele für die Verbesserung von Bildung und Ausbildung gesteckt. Ziel der EU ist es, den Anteil 15-Jähriger, die Kompetenztest beim Lesen, in Mathematik und Naturwissenschaften nicht bestehen, bis 2020 auf unter 15 Prozent zu senken. Doch ist der Anteil der Leistungsschwachen zwischen 2013 und 2016 sogar gestiegen, bei Naturwissenschaften von 16,6 auf 20,6 Prozent. Deutschland macht bei diesem Trend im Großen und Ganzen keine Ausnahme, schneidet aber besser als der Durchschnitt ab. Der Anteil der Leistungsschwachen in Naturwissenschaften lag 2016 bei 17 Prozent, in Mathematik bei 17,2 Prozent (EU: 22,2) und beim Lesen bei 16,2 Prozent (EU: 19,7). Insgesamt besteht laut Kommissionsbericht ein enger Zusammenhang zwischen sozioökonomischem Status und dem Abschneiden in der Schule. Während von Kindern aus besonders benachteiligten Verhältnissen 33,8 Prozent schlechte Leistungen zeigten, seien es bei Gleichaltrigen aus privilegierten Verhältnissen nur 7,6 Prozent. Für Deutschland liegt die Spannbreite zwischen 27,9 und 4,8 Prozent.

Zukunftschancen hängen von Bildung ab

Schlechtere Bildung mindert dem Bericht zufolge wiederum die sozialen und wirtschaftlichen Zukunftschancen deutlich. So seien 16,6 Prozent der Menschen, die nur über Grundbildung verfügten und die Schulen vor der Sekundarstufe II nach neun oder zehn Schuljahren verlassen hätten, arbeitslos. Bei Personen mit Hochschulabschluss liegt diese Quote nur bei 5,1 Prozent. Laut Bericht ist es fast dreimal so wahrscheinlich, dass Menschen mit Grundbildung in Armut oder sozialer Ausgrenzung leben werden wie Menschen mit Hochschulabschluss.

Schulabbrecherquote gesunken

Fortschritte haben die EU-Staaten bei anderen Bildungs-Schlüsselzielen aus der Wachstumsstrategie gemacht. So ist die Quote der Schulabbrecher von 2010 bis 2016 von 13,9 auf 10,7 Prozent gesunken. Die EU-Kommission hält das für 2020 gesteckte Ziel für erreichbar, die Schulabbrecherquote auf unter 10 Prozent zu drücken. In Deutschland lag sie zuletzt bei 10,2 Prozent.

Ähnlich sieht es bei dem Ziel aus, dass 2020 mindestens 40 Prozent der 30 bis 34-jährigen in der EU einen Hochschul- oder gleichwertigen Abschluss haben soll. 2016 war ein Durchschnittswert von 39,1 Prozent erreicht, was gegenüber 2010 eine Steigerung um über fünf Prozentpunkte bedeutet. 17 EU-Staaten haben laut Kommission die 40-Prozent-Marke bereits übertroffen. Deutschland liegt erst bei 33,2 Prozent.

Investitionen in Bildung steigen wieder

Wie es in dem Kommissionsbericht weiter heißt investieren die Mitgliedstaaten nach der internationalen Wirtschafts- und Finanzkrise wieder mehr in Bildung. 2015 habe die Steigerung zum Vorjahr inflationsbereinigt ein Prozent betragen. Rund zwei Drittel der Mitgliedstaaten gäben mehr für Bildung aus, darunter auch Deutschland, wo die Investitionen mit 4,2 Prozent des BIP aber immer noch unter dem EU-Durchschnitt von 4,9 Prozent lagen. Lobend erwähnt wird in dem Bericht, dass Deutschland sein erfolgreiches System der dualen Ausbildung in Unternehmen und Berufsschulen anpasse, um Flüchtlinge in Bildungssystem und Arbeitsmarkt zu integrieren. Damit gehöre Deutschland zu den Ländern, die daran arbeiteten, die Bildungschancen sozial schwächerer Menschen zu verbessern.

Um die Bedeutung hochwertiger Bildungssysteme soll es beim ersten EU-Bildungsgipfel gehen. Zu diesem lädt die EU-Kommission am 25. Januar hochrangige Vertreterinnen und Vertreter aller Mitgliedstaaten ein. Gesprochen werden soll darüber, wie nationale Bildungssysteme inklusiver und wirkungsvoller gestaltet werden können.

Über den Bildungsmonitor der EU-Kommission

Der Monitor für die allgemeine und berufliche Bildung 2017 ist die sechste Auflage dieses jährlich von der Kommission herausgegebenen Berichts, der die Fortschritte der EU im Hinblick auf sechs Ziele für die allgemeine und berufliche Bildung 2020 misst. Der Bericht enthält einen Ländervergleich und 28 ausführliche Länderberichte, außerdem werden auf einer eigenen Website zusätzliche Daten und Informationen angeboten.

Der Bildungsmonitor 2017 (PDF 5,6 MB) kann von der Webseite der Europäischen Kommission heruntergeladen werden.

Quelle: Europäische Kommission vom 9.11.2017

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