Kindertagesbetreuung

Feldexperiment belegt Wirkung von Hilfen bei Kita-Bewerbungen

Ein Kind sitzt an einem Tisch und hat Stifte in der Hand, gegenüber sitzt ein Erwachsener
Bild: rawpixel.com   Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter

Deutlich mehr Kinder aus bildungsferneren Familien besuchen eine Kindertageseinrichtung, wenn die Eltern bei der Bewerbung unterstützt werden. Das ist das Ergebnis eines groß angelegten Feldexperiments in Rheinland-Pfalz.

Laut den Forschenden ist dieses Ergebnis vor allem deshalb wichtig, weil Kinder aus bildungsferneren Familien besonders stark vom Besuch einer Kita profitieren, diese aber deutlich seltener besuchen. Die Studie (PDF - Englisch) wurde von Prof. Dr. Simon Wiederhold, Lehrstuhl für Makroökonomik an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, im Team mit Prof. Dr. Philipp Lergetporer vom ifo Institut und der Technischen Universität München, Dr. Henning Hermes vom NHH Bergen und Dr. Frauke Peter vom DZHW Hannover durchgeführt.

Erhöhte Wahrscheinlichkeit für Bewerbung und Inanspruchnahme eines Kita-Platzes

In der Studie, an der über 600 Familien mit Kindern unter drei Jahren teilnahmen, erhielten zufällig ausgewählte Familien Informationen und ein personalisiertes Unterstützungsangebot für ihre Kita-Bewerbung. Durch die Unterstützungsmaßnahmen stieg die Wahrscheinlichkeit für bildungsfernere Familien, sich um einen Kitaplatz zu bewerben, um 21 Prozentpunkte. Die Wahrscheinlichkeit, tatsächlich einen Kitaplatz in Anspruch zu nehmen, erhöhte sich für diese Familien um 16 Prozentpunkte.

Dieser deutliche Anstieg sei neben einer höheren Bewerbungswahrscheinlichkeit auch darauf zurückzuführen, dass bildungsfernere Eltern, die die Unterstützungsmaßnahmen erhielten, während des Bewerbungsverfahrens häufiger eine Kita vor Ort besuchten. Auf bildungsnähere Familien hatten die Maßnahme hingegen keine Auswirkungen. „Der sozioökonomische Unterschied beim Kita-Besuch wurde durch die Bewerbungsunterstützung somit stark reduziert“, so Prof. Wiederhold.

Bewerbungsprozess als Barriere für Kita-Besuch

Zwar hat in Deutschland jedes Kind ab dem Alter von einem Jahr einen Rechtsanspruch auf frühkindliche Betreuung, der Kita-Bewerbungsprozess ist jedoch sehr komplex. Um einen Kitaplatz zu erhalten, müssen sich Eltern frühzeitig informieren, Formulare fristgerecht einreichen und Termine (z.B. zum persönlichen Kennenlernen der Kita-Leitungen) wahrnehmen. Vor allem bildungsfernere Eltern stelle dies oft vor besondere Herausforderungen. Ihnen fehlten häufiger wichtige Informationen über das Bewerbungsverfahren, um den Prozess erfolgreich zu meistern. Es sei daher absolut zentral, dass solche Barrieren, beispielsweise durch die Bereitstellung leicht verständlicher Informationen, abgebaut werden, um so allen Familien gleichermaßen Zugang zu frühkindlicher Betreuung in Kitas zu ermöglichen.

Weitere Informationen

Die Kurzfassung der Studie auf Deutsch wurde in der Zeitschrift „ifo-Schnelldienst 09/2021“ veröffentlicht.

Quelle: Katholische Universität Eichstatt-Ingolstadt vom 14.09.2021

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