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Partizipative Forschung – ein Forschungskonzept für die Kinder- und Jugendhilfe?

Blick durchs Schlüsselloch
Bild: © Orlando Florin Rosu - Fotolia.com

Die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ setzt sich im vorliegenden Positionspapier mit dem Ansatz der partizipativen Forschung auseinander und diskutiert, warum partizipative Forschungsprojekte in der Kinder- und Jugendhilfe an Popularität und Relevanz gewinnen sollten. Die AGJ möchte hiermit Akteurinnen und Akteuren in Praxis, Wissenschaft und Forschungsförderung ermutigen, sich vermehrt auf partizipative Forschungsprozesse einzulassen sowie hinreichende Bedingungen für deren Umsetzung zu schaffen. Die Praxis sollte entsprechende Beteiligungsmechanismen aktiv einfordern.

Trotz des Beteiligungsparadigmas und vielfältiger Partizipationsansätze in der Kinder- und Jugendhilfe sind Forschungsprojekte mit einem dezidiert partizipativen Ansatz bislang nur vereinzelt erkennbar. Partizipative Forschung benötigt nach Ansicht der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ u.a. flexiblere Förderkonditionen, um die erforderliche Offenheit partizipativer Projekte zu unterstützen, sichere soziale Räume, in denen Forscher/-innen und Co-Forscher/-innen einen Austauschprozess auf Augenhöhe gestalten können, sowie ein verändertes wissenschaftliches Rollenverständnis im Sinne eines gleichwertigen Zusammenwirkens verschiedener Perspektiven.

Die AGJ betont hierbei, dass partizipative Forschungsansätze eine anzustrebende Erweiterung des Forschungsspektrums darstellen, jedoch klassische Forschungsverfahren nicht ablösen sollen. So weist die AGJ ebenfalls auf Grenzen partizipativer Forschung hin und benennt Herausforderungen für den Forschungsprozess, wie etwa ein erhöhter Zeitaufwand sowie wissenschaftliche und ethische Implikationen. Im Ergebnis möchte die AGJ mit diesem Positionspapier Akteur(inn)en in Praxis, Wissenschaft und Forschungsförderung ermutigen, sich vermehrt auf partizipative Forschungsprozesse einzulassen sowie hinreichende Bedingungen für deren Umsetzung zu schaffen. Die Praxis sollte entsprechende Beteiligungsmechanismen aktiv einfordern.

Partizipative Forschung

Die Soziale Arbeit versteht sich als forschende Disziplin mit eigener empirischer Tradition. Auch in der Kinder- und Jugendhilfe fand eine Entwicklung hin zu einer Forschungsorientierung statt. Der Ansatz der partizipativen Forschung findet sich zunehmend in verschiedenen Forschungsfeldern wieder, etwa in der Gesundheitsforschung oder der Forschung zur Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigung. Unter partizipativer Forschung wird der Versuch verstanden, „einen Erkenntnisprozess zu initiieren und zu gestalten, an dem im Prinzip alle Personen und Gruppen als aktiv Entscheidende beteiligt werden, die von dem jeweiligen Thema und der Fragestellung betroffen sind“.1

Die Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland zeigt sich bislang relativ zurückhaltend in der Hinwendung zu partizipativen Forschungsprojekten. Ausnahmen hiervon bilden unter anderem die bereits abgeschlossenen Projekte „Demokratiebildung in Kindertageseinrichtungen (DeiKi)“  sowie eine Teilstudie des Projektes „Unbegleitete minderjährige Geflüchtete in Brandenburg“ , die zeigen, wie der Forschungsprozess an sich sowie die Forschungsergebnisse durch die Mitwirkung der Beforschten an Perspektiven und Authentizität hinzugewinnen. Ebenso sind hier die Ergebnisse des partizipativen Forschungsprojektes „Kinder- und Jugendhilfe in muslimischer Trägerschaft“ zu nennen, die von der AGJ veröffentlicht wurden. 

Das aktuell durchgeführte Projekt „SchutzNorm“ nimmt mit dem Fokus auf die Kinder- und Jugendarbeit ein weiteres Handlungsfeld der Kinder- und Jugendhilfe in den Fokus. Die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ möchte mit diesem Beitrag den partizipativen Forschungsansatz beleuchten und dessen Anwendung in der Kinder- und Jugendhilfeforschung diskutieren. Zugleich ist sich die AGJ bewusst, dass Partizipation an der Forschung auch in der Kinder- und Jugendhilfe kein Novum darstellt. Auch frühere Forschungsprojekte bezogen die Perspektiven von Kindern oder Jugendlichen mit ein, wie z.B. eine Erhebung von Fauser/Fischer/Münchmeier zur evangelischen Kinder- und Jugendarbeit zeigt.2 Vergleichsweise neu ist allerdings der Ansatz, mithilfe partizipativer Forschung im Forschungssystem selbst Veränderungen herbeiführen zu wollen, auf dem Weg hin zu einer Demokratisierung der Wissenschaft.

In der Kinder- und Jugendhilfe sind vielfältige partizipative Forschungsprojekte denkbar, an denen die verschiedenen in der Kinder- und Jugendhilfe involvierten Akteurinnen und Akteure und Personengruppen beteiligt werden können.

Aus Sicht der AGJ kann die aktive Mitwirkung folgender Personengruppen die Kinder- und Jugendhilfeforschung sinnvoll erweitern:

  • die Adressat(inn)en der Kinder- und Jugendhilfe – Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und ihre Familien in ihren verschiedenen Kontexten und Lebenswelten,
  • die Fachkräfte sowie die ehrenamtlich in der Kinder- und Jugendhilfe Tätigen,
  • die Vertreter/-innen von öffentlichen und freien Trägern,
  • die Kooperationspartner/-innen gesellschaftlich angrenzender Bereiche sowie
  • die Aufsichtsbehörden.

Im Kontext partizipativer Forschung dürfen ebenso veränderte Rahmenbedingungen in der Zusammenarbeit mit Geldgeber/-innen und Förderstrukturen nicht vernachlässigt werden. Die AGJ arbeitet im Folgenden die Spezifität partizipativer Forschung heraus und widmet sich den Fragen, ob die partizipative Forschung in der Kinder- und Jugendhilfe Anwendung finden kann und sollte sowie welche Bedingungen dafür erforderlich sind.

Inhalte des Positionspapiers

  1. Einleitung
  2. Was ist partizipative Forschung?
  3. Warum müsste partizipative Forschung für die Kinder- und Jugendhilfe attraktiv sein?
  4. Auf welche Herausforderungen und Grenzen trifft partizipative Forschung?
  5. Was benötigt gute partizipative Forschung in der Kinder- und Jugendhilfe?
  6. Wo kann partizipative Forschung in der Kinder- und Jugendhilfe angewendet werden?
  7. Partizipative Forschung in der Kinder- und Jugendhilfe? Ja, unter den richtigen Bedingungen!

Als Fazit des Papiers fasst die AGJ unter Punkt 7 Anforderungen zusammen, die zentral für eine gute partizipative Forschung in der Kinder- und Jugendhilfe sind.

Download

Das vollständige 20-seitige Papier „Partizipative Forschung – ein Forschungskonzept für die Kinder- und Jugendhilfe?“ (PDF, 122 KB) steht auf den Seiten der AGJ zum Download zur Verfügung.

Ansprechperson für dieses Positionspapier in der AGJ ist die zuständige Referentin des Arbeitsfeldes III „Qualifizierung, Forschung, Fachkräfte“: Annika Dahrendorf.

Fußnoten
(1) Bergold (2013): Partizipative Forschung und Forschungsstrategien. In: Stiftung Mitarbeit (Hrsg.): eNewsletter Wegweiser Bürgergesellschaft 08, S. 2.
(2) Fauser/Fischer/Münchmeier (2006): Jugendliche als Akteure im Verband. Ergebnisse einer empirischen Untersuchung der Evangelischen Jugend. Opladen, Berlin, Toronto: Verlag Barbara Budrich.

Quelle: Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ

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