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Forschungsprojekt: Gewalt und Suizid im Jugendstrafvollzug

Das Kölner Institut für Kriminologie will in einem neuen Forschungsprojekt die Hintergründe von Gewalt und Suizid im Jugendstrafvollzug beleuchten und hat hierfür eine Förderung von 500.000 Euro von der Deutschen Forschungsgemeinschaft erhalten.

Der grausame Mord an einem 20-jährigen Gefangenen, den drei Mithäftlinge im November 2006 in der Justizvollzugsanstalt Siegburg verübten, hat die Aufmerksamkeit auf ein drängendes Problem des Strafvollzugs gelenkt: Mit Gewalt in allen ihren Facetten ist im Gefängnis zu rechnen. Ob Gefangene einen anderen körperlich oder sexuell misshandeln, bedrohen oder demütigen, wird den Strafvollzugsbeamten häufig nicht bekannt, da die Gefangenen oft über solche Übergriffe nicht sprechen. 

„Gewalt wird versteckt ausgeübt und vor den Bediensteten eines Gefängnisses verschleiert“, sagt Professor Frank Neubacher, Direktor des Instituts für Kriminologie der Universität zu Köln und Leiter des neuen Projekts. „Selbst ein Gefangener, der der Gewalt abgeneigt ist, muss damit rechnen, von anderen Mitgefangenen darauf getestet zu werden, wie weit man bei ihm gehen kann.“

Allein in Nordrhein-Westfalen befinden sich derzeit rund 1500 junge Straffällige hinter den Gittern des Jugendstrafvollzugs. Ziel des auf drei Jahre angelegten Projekts ist die Erforschung des Entstehungsprozesses von Gewalt und Suizid.

Die Forscher gehen an das Projekt mit der Annahme heran, dass Gewalt und Suizid zwei mögliche Strategien der Inhaftierten sind, mit dem Anpassungsdruck im Gefängnis umzugehen. Wann und wie es während der Inhaftierung zu Gewalt und Suizid kommen kann und welche Unterschiede die Gefangenen aufweisen, steht im Zentrum der Untersuchung.

Die Inhaftierten werden von der Forschergruppe um den Kölner Professor Neubacher mit einem Fragebogen viermal, nämlich in Abständen von drei Monaten, befragt. Die Befragungen finden in Anstalten des nordrhein-westfälischen und des thüringischen Jugendstrafvollzugs statt und werden durch Interviews ergänzt. 

Das Projekt führt Professor Frank Neubacher zusammen mit der Diplom-Psychologin Jenny Oelsner (Institut für Kriminologie der Universität zu Köln) in Kooperation mit Professor Andreas Beelmann, Institut für Psychologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena, und Wolfgang Wirth, Leiter des Kriminologischen Dienstes des Landes Nordrhein Westfalen, durch. 

Quelle: Universität zu Köln

ik