Digitalisierung und Medien / EU-Jugendstrategie

CeDEM13 – Von Milton Keynes, Schweizer Taschenmessern und Erfolgsfaktoren

Bild: Nadine Karbach

Vielversprechend wurde die CeDEM angekündigt: networking, great keynotes, good food. Vom 22. bis 24. Mai war es dann soweit: Die 13. CeDEM-Fachkonferenz zu eDemocracy und Open Government fand mit 80 Teilnehmenden aus 23 Ländern in der Donau Universität Krems in Österreich statt.

Für das Projekt youthpart waren insbesondere drei aufschlussreiche Beiträge mit dabei: eine Fallstudie von Milton Keynes zu lokaler, digitaler Jugendbeteiligung, ein Schweizer Taschenmesser-Vergleich, und ein Workshop zu Evaluation und Erfolgsfaktoren von ePartizipation.

Wer ist Milton Keynes?

Milton Keynes, das englische Städtchen nördlich von London, ist Teil einer Fallstudie, die Julie Freeman (University of Canberra) und Sharna Quirke (Sage Data Limited) untersuchten. Dabei geht es um digitale Jugendbeteiligung vor Ort, und die Vorgehensweise in Milton Keynes sticht heraus: um die Jugendbeteiligung und das politische Engagement vor Ort zu erhöhen, entschloss man sich internet-basierte Dienste einsetzen zu wollen. In einem ersten Schritt entschieden Stadtrat und Jugendarbeit vor Ort, soziale Medien zu verwenden, jedoch nur zur Information, und nicht zum Dialog. Das Ziel war es mit traditionell schwer erreichbaren Zielgruppen in Kontakt zu treten. Stimmen mehrten sich, ob dieser Ansatz nicht unangemessen sei. Diese Reaktion wird von den Autoren als typische Reaktion von Regierungen gewertet, die soziale Medien widerwillig in ihre Kommunikation integrieren wollen. Das Projekt vollzog einen Wechsel hin zu einem vermehrt dialogischen und responsiven Ansatz, mit dem Ziel, Feedback junger Leute in Form von offenen Fragen einzuholen – jedoch nach wie vor begrenzt auf liken, teilen oder folgen. Die Jugendlichen selber wollten mehr Transparenz und Mitwirkung bei lokalen Entscheidungen, die sie direkt betreffen, vor allem, im Bereich öffentlicher Nahverkehr und Ausbildungsmöglichkeiten. Dazu äußerten sie den Wunsch nach einer Anlaufstelle im Web, mit Anbindung an den Stadtrat, kombiniert mit kontinuierlichem Dialog via soziale Netzwerke. In einem ungewöhnlichen Schritt gab der Stadtrat teilweise die Kontrolle über seine Webseite ab und ermöglichte die Integration eines Content Management Systems, welches nun von jungen Leuten für junge Leute administriert wird („My Say MK“).

ePartizipation und ein Schweizer Taschenmesser – wie passt das zusammen?

Katharina Große, (Zeppelin Universität) vergleicht dazu zunächst einen Hammer mit einem Taschenmesser: der Unterschied liegt klar auf der Hand, ein Hammer wurde nur für einen Sinn und Zweck konzipiert, ein Schweizer Taschenmesser mit seinen vielfältigen Instrumenten eignet sich für vielfältige Aufgaben. Anknüpfend an die Vorstellung ePartizipation sei das Allheilmittel für alle Beteiligungsprozesse, untersucht Katharina Große anhand von vier Dimensionen (Kommunikation, Mobilisation, Akzeptanzgrad, Klugheit der Masse) die Leistungsfähigkeit von ePartizipation im Sinne eines Multi-Funktionstools, mit der richtigen Antwort auf jede Aufgabe. In den Dimensionen Kommunikation (im Sinne einer öffentlichen Meinung, nicht Interaktion) und Klugheit der Masse (im Sinne von Impulsen für die zu treffenden Entscheidungen) schneidet ePartizipation sehr gut ab. In puncto Mobilisation (im Sinne von Beteiligung für alle) sowie Akzeptanzgrad (spätere Akzeptanz der Entscheidung durch Bürger, die zum Zeitpunkt der Entscheidung nicht Betroffen waren, nun aber Betroffene sind) bleiben die Möglichkeiten der ePartizipation laut Große unzureichend.
Generell zeigt dieser Beitrag auf, was ePartizipation zu leisten im Stande ist, und welche Funktionen genau erfüllt werden können.

ePartizipation evaluieren – Anhand welcher Faktoren?

Im Workshop „Erfolg und Misserfolg von ePartizipation“ gingen 31 Teilnehmende zusammen mit den Moderatoren der Frage nach, welche Faktoren zu einem erfolgreichen ePartizipationsprozess beitragen oder diesen zu Fall bringen können. Gehalten und moderiert wurde der Workshop von Michael Sachs und Judith Schossböck (beide Universität Krems und involviert in das Europäische ePartizipationsprojekt „Ourspace“). In einer ersten interaktiven Sammelrunde waren die Teilnehmenden gefragt je einen Erfolgsfaktor und einen Misserfolgsfaktor zu benennen. Dabei kam eine Vielzahl von Faktoren zusammen, die durch die Moderatoren auf zwei Stellwänden festgehalten wurden. Darunter unter anderem als Erfolgsfaktoren: Zugang zum Internet, ein relevantes Thema, klare Fragen stellen, dahin gehen wo die Zielgruppe ist, Transparenz des Prozesses, Möglichkeit zum Feedback, Nachvollziehbarkeit, und noch viele mehr. Natürlich gibt es zu jedem dieser Erfolgsfaktoren das passende Gegenstück als Misserfolgsfaktor. Doch so einfach wollten die Moderatoren es den Teilnehmenden nicht machen. Sie notierten nur die darüber hinaus gehenden Nennungen auf den Stellwänden. Darunter unter anderem diese Misserfolgsfaktoren: fehlende Infrastruktur, Top-down-Ansatz, kulturelle Missverständnisse, unklarer Nutzen der verwendeten Online-Plattform, keine Einbindung der Nutzer in die Konzeption des Prozesses, falsche Versprechungen, und noch einige mehr (siehe auch Link zum Blogpost von Judith Schossböck). Relevant sind solche Erfolgs- und Misserfolgsfaktoren, wenn es um die Evaluation von ePartizipationsprojekten oder ePartizipationsprozessen geht. Hier bestand auch unter den Teilnehmenden keine eindeutige Richtung, ob generell eher qualitative oder eher quantitative Faktoren herangezogen werden sollten.

Unter anderem hielt das Konferenzprogramm noch viele weitere Beiträge bereit: hochkarätige Keynotes, weitere Forschungspräsentationen und anregende Fragen. Dazu noch der traditionelle Ausklang bei Wein und Käse am letzten Konferenztag. Es hat sich gelohnt und die Organisatoren haben nicht zuviel versprochen als sie ankündigten: networking, great keynotes, good food.

>> Link zu Blogpost von Judith Schossböck zum Workshop
>> Webseite der Konferenz
>> Material

Quelle: IJAB - Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland, Nadine Karbach

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