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SGB VIII / Hilfen zur Erziehung

PFAD: Pflegekinder müssen weiter bangen

Ein erwachsener Mann nimmt einen etwa achtjährigen Jungen an die Hand.
Bild: © Soloviova Liudmyla - Fotolia

Mit einem Kommentar reagiert der PFAD Bundesverband auf die öffentliche Anhörung zum Kinder- und Jugendstärkungsgesetz (KJSG) im Familienausschuss des Deutschen Bundestages. Die Interessenvertretung von Adoptiv- und Pflegefamilien betont den vorgesehen Rechtsanspruch auf Beratung für die leiblichen Eltern und stellt das Ziel einer Erhöhung der Rückführungsquote in Frage. Die vorgetragene Kritik an der geplanten Reform des Pflegekinderwesens weist der Verband zurück.

Mit einer Diskussion um den Verlust von Elternrechten wird aktuell die lang ersehnte Reform im Bereich der Pflegekinderhilfe blockiert. Argumente wie: "Der Gesetzentwurf schwäche die Stellung der leiblichen Eltern in einem hohen Maß …“ verkennen, dass erstmalig für die leiblichen Eltern ein Recht auf Beratung gesetzlich fixiert werden soll. Bisher gab es nur eine Empfehlung an die öffentlichen Träger der Jugendhilfe. Die Elternarbeit, die im Kinder- und Jugendstärkungsgesetz (KJSG) mit einen Rechtsanspruch versehen werden soll, lehnen die "Fürsprecher" der Eltern ab. Mit der Behauptung, die Pflegefamilien wollten die leiblichen Eltern aus dem System schmeißen, wird Stimmung gemacht. Dabei waren es die Pflegefamilienverbände, die sich massiv für ein Recht der Eltern auf Beratung eingesetzt haben.

Manche Stellungnahmen der öffentlichen Anhörung lesen sich wie "Rückführung um jeden Preis". Wohin das führt, haben die Ereignisse in Hamburg gezeigt – man denke nur an Yagmur. Wie kann man dann noch eine Erhöhung der Rückführungsquote fordern? Machen es sich die Behörden wirklich einfacher, wenn Sie das Recht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit achten!?

Elternrecht heißt in allererster Linie Elternverantwortung! Es sind nur 0,54% der unter 21-Jährigen (vgl. Monitor Hilfen zur Erziehung 2016: S. 74), die 2014 in einer Pflegefamilie gelebt haben. Von diesen 0,54% junger Menschen brauchen weniger als ein Zehntel die rechtliche Absicherung im BGB, weil die leiblichen Eltern nicht garantieren können, dass ihrem Kind in ihrem Umfeld kein Leid geschieht.

Weitere Informationen zur Anhörung im Bundestagsausschuss stehen auf dem Fachkräfteportal für Kinder- und Jugendhilfe zur Verfügung.

Quelle: Pressemitteilung des PFAD Bundesverbandes vom 20.06.2017

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