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Reform des SGB VIII

Offener Brief fordert Stärkung der Familienbildung

Ein Großvater mit Sohn und Enkel auf dem Rücken sind glücklich im Garten zu sehen.
Bild: © wavebreak3 - fotolia.com

Anlässlich der aktuellen parlamentarischen Debatten um eine Reform des Kinder- und Jugendhilferechts (SGB VIII) fordern 23 Organisationen, die Familienbildung als niedrigschwellige und wirksame Unterstützung für Familien zu stärken.

Die unterzeichnenden Organisationen begrüßen, dass der Gesetzentwurf zur Reform des SGB VIII das inhaltliche Leistungsspektrum der Familienbildung aufzeigt, Grundlagen für Kooperation und Vernetzung im Sozialraum schafft und mit der neu vorgeschlagenen Formulierung endlich Abstand nimmt von einem defizitären Blick auf Eltern und Familie. Um ihrem wichtigen Auftrag aber gerecht werden zu können, brauche Familienbildung strukturelle Voraussetzungen, um dauerhaft, verlässlich und wirkungsvoll den Familien in ihrem Sozialraum zur Verfügung zu stehen.

Offener Brief fordert mehr Verbindlichkeit

  • In § 16 SGB VIII soll klar formuliert werden, dass es sich nicht um eine freiwillige Leistung der Kommune, sondern um eine Pflicht zur Bereitstellung der entsprechenden Infrastruktur handelt.
  • Eine Verpflichtung der Länder zur Formulierung konkreter Ausführungsbestimmungen und Förderrichtlinien im Hinblick auf die Leistungen in § 16 SGB VIII soll aufgenommen werden.
  • Die §§ 74 Absatz 6 und 79 Absatz 2 Satz 2 SGB VIII sollen explizit um die Leistungen der Familienförderung und ihre Einrichtungen erweitert und somit der Förderung der Jugendarbeit gleichgestellt werden.

Die soziale Krise als Folge der Corona-Pandemie zeige deutlich, so heißt es im Offenen Brief, wie dringend Kinder, Jugendliche und ihre Familien vor Ort auf niedrigschwellige Unterstützung und Beratung angewiesen sind.

Download

Der Offene Brief steht als PDF zur Verfügung und kann heruntergeladen werden.

Er wurde versandt an:

  • die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend,
  • die zuständigen Minister*innen der Bundesländer,
  • die Fraktionsspitzen im Deutschen Bundestag sowie
  • die Mitglieder des Ausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Deutschen Bundestag.

Statement der AWO

Der AWO Bundesverband zeichnet diesen Brief mit. Jens M. Schubert, Vorstandsvorsitzender des AWO Bundesverbandes, erklärt dazu: „Wenn die Pandemie eines schmerzhaft deutlich gemacht hat, dann das: Beratung, Bildung und Unterstützung für Familien sind keine nette Dreingabe. Sie sind im Gegenteil zentral für die Entlastung von Familien und damit für unser funktionierendes Gemeinwesen. Familien sind systemrelevant, wie spätestens die Corona-Krise in aller Deutlichkeit zeigt. So sind sie auch zu behandeln.“

Statement des Zukunftsforum Familie

Britta Altenkamp, Vorsitzende des Zukunftsforum Familie, erklärt: „Die Auswirkungen der Corona-Krise haben Familien in den vergangenen Monaten eine enorme Kraftanstrengung abverlangt. Gerade in dieser Situation brauchen sie eine verlässliche und niedrigschwellige Begleitung durch die Familienbildung vor Ort. Eine zentrale Aufgabe dieser Angebote ist es, Eltern in ihren Beziehungs- und Erziehungskompetenzen zu stärken, um Kindern ein Aufwachsen in Wohlergehen zu ermöglichen. Gute Familienbildung braucht dabei passende Rahmenbedingungen. Die Aussichten angesichts knapper werdender kommunaler Kassen sehen allerdings schlecht aus und Leistungen nach § 16 SGB VIII, zu denen die Angebote gehören, stehen oft an der Spitze der Kürzungslisten. Wir fordern daher dringend den Bund und die Länder auf, die aktuelle Reform des Kinder- und Jugendhilferechts zu nutzen und die Familienbildung zukunftsfest zu machen!“

Quelle: AWO Bundesverband; Zukunftsforum Familie

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