Qualifizierung / Sozialpolitik

„Ohne uns geht nichts! Fachkräfte in der Kinder- und Jugendhilfe“

Vier junge Erwachsene unterschiedlicher Herkunft strecken den Daumen hoch und lachen.
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Die Themen wachsender Fachkräftebedarf und Fachkräftemangel, Fachkräftegewinnung und Personalentwicklung sind seit Jahren ein Dauerthema (nicht nur) im Zusammenhang der Kinder- und Jugendhilfe. Die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ hat mit dem Ziel, eine nachhaltige Orientierung in der Debatte um den wachsenden Fachkräftebedarf, um eine perspektivische Fachkräftegewinnung und eine angemessene Personalentwicklung zu geben, die Broschüre „Ohne uns geht nichts! Fachkräfte in der Kinder- und Jugendhilfe“ herausgegeben.

Die zahlreichen Diskussionen in unterschiedlichen Kontexten zeigen, dass es neben einer Diskussion quantitativer Gesichtspunkte – wie viele Fachkräfte fehlen bzw. werden wo gebraucht – auch ein besonderes Interesse im Sinne einer qualitativen Befassung mit den bestehenden Herausforderungen bezüglich der Qualifizierung von Fachkräften, der Fachkräftegewinnung und der Bindung von Fachkräften geben muss.

Die vorliegende Publikation „Ohne uns geht nichts! Fachkräfte in der Kinder- und Jugendhilfe“ stellt grundlegende Aspekte des Fachkräftebedarfs dar und führt Handlungsmöglichkeiten und Verantwortungsbereiche aus.

Aktuelle Herausforderungen in der Kinder- und Jugendhilfe

Der Band nimmt im ersten Abschnitt „Allgemeines, Grundlegungen, Gesamtperspektive“ mit den Beiträgen von Dr. Christiane Meiner-Teubner/Dr. Thomas Mühlmann/Sandra Fendrich, von Prof. Dr. Gertrud Oelerich/Jacqueline Kunhenn, von Prof. Dr. Thomas Rauschenbach/Prof. Dr. Kirsten Fuchs-Rechlin sowie von Prof. Dr. Nadia Kutscher/Klara-Marie Peters einführend, die quantitativen Entwicklungen des Personals in der Kinder- und Jugendhilfe sowie das Fachkräftegebot auf und führt aktuelle Herausforderungen in der Kinder- und Jugendhilfe, die sich an die Fachkräfte stellen, aus.

Gemeinsame Theorie- und Praxisperspektive einzelner Handlungsfelder

Im zweiten Abschnitt „Ein Blick in ausgewählte Handlungsfelder: Aktuelle Situation, Herausforderungen und Anforderungen – eine gemeinsame Theorie- und Praxisperspektive“ werden einzelne Handlungsfelder mit dem Beitrag von Prof. Dr. Anke König und Sabine Urban zu den Kindertageseinrichtungen, dem Beitrag von Dr. Liane Pluto/Dr. Eric van Santen und Dr. Susanne Heynen zu den Hilfen zur Erziehung, dem Beitrag von Dr. Jens Pothmann und Karl Materla zum Allgemeinen Sozialen Dienst, dem Beitrag von Prof. Dr. Wolfgang Schröer und Birgit Beierling zur Jugendsozialarbeit, dem Beitrag von Prof. Dr. Ulrich Deinet und Björn Bertram zur Kinder- und Jugendarbeit und schließlich dem Beitrag von Björn Köhler zum Ganztag als Kooperation von Kinder- und Jugendhilfe und Schule in den Blick genommen.

Dabei werden die einzelnen Handlungsfelder jeweils aus einer fachtheoretischen Perspektive verbunden mit einer entsprechend handlungspraktischen Perspektive diskutiert, um zum einen handlungsfeldspezifische Fragen, Anforderungen und Themen herauszuarbeiten sowie zum anderen über die Handlungsfelder hinweg auch Gemeinsamkeiten sichtbar zu machen. Die sich daraus ergebenden Konsequenzen und möglichen Strategien, die darauf zielen, Fachkräfte für die Kinder- und Jugendhilfe zu gewinnen.

Qualifizierungswege und Qualifizierungsmodelle

Fachlichkeit weiterzuentwickeln und Personal langfristig zu binden, werden im dritten Abschnitt entlang von Qualifizierungswegen und Qualifizierungsmodellen, deren Ausrichtung, den Anforderungen an eine qualifizierte Berufseinmündung sowie Personalentwicklung aufgezeigt. Dabei werden unter anderem auch Fragen der Vergütung in Ausbildung oder Studium, Debatten um Generalisierung und Spezialisierung sowie die Altersstruktur des Personals in der Kinder- und Jugendhilfe diskutiert.

Durch das Interview zur Berufsorientierung mit Pia Kamratzki, einer Studentin, kommt eine zukünftige Fachkraft zu Wort. Dr. Kristin Teuber und Margit Auer stellen drei Programme des SOS-Kinderdorf vor, die durch Ausbildung und Qualifizierung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern helfen sollen, den Bedarf an Fachkräften in verschiedenen Praxisfeldern zu decken.

Prof. Dr. Bernhard Kalicki und Katharina Stadler diskutieren Konsequenzen für die Qualifizierung von Erzieherinnen und Erziehern an den Fachschulen und Prof. Dr. Ulrike Voigtsberger solche für die Qualifizierung an den Hochschulen in Hinblick auf das Studium Soziale Arbeit/Kindheitspädagogik.

Die Phase der Berufseinmündung steht im Fokus des Beitrages von Prof. Dr. Verena Klomann. Zum Pro und Contra der Wiedereinführung des Berufsanerkennungsjahres positionieren sich Dr. Ulla Schmidt-Nitsche und Thomas Auth-Wittke. Ebenfalls um ein Pro und Contra, allerdings in Bezug auf die Frage der Absolventinnen und Absolventen der Sozialen Arbeit als Generalisten oder passgerechte Spezialisten, geht es bei Michael Leinenbach.

Vergütete Ausbildungsmodelle für Erzieherinnen und Erzieher werden durch Dr. Dieter Dohmen sozioökonomisch und systemisch verortet. Die Personalentwicklung in der Kinder- und Jugendhilfe analysiert Benjamin Landes, wohingegen sich Prof. Dr. Joachim Merchel dem Älterwerden in der Kinder- und Jugendhilfe widmet.

Entwicklung einer Gesamtstrategie zur Personalentwicklung

Die aktuellen Entwicklungen um einen gewachsenen Fachkräftebedarf sowie die sich
hieraus ergebenden Notwendigkeiten Lösungswege zu finden, sind nicht nur aus dem Blickwinkel einzelner Akteure und Akteurinnen zu thematisieren. Sie stellen sich vielmehr, wie im vierten Abschnitt Prof. Dr. Karin Böllert auf der Grundlage des Positionspapiers der AGJ „Dem wachsenden Fachkräftebedarf richtig begegnen! Entwicklung einer Gesamtstrategie zur Personalentwicklung mit verantwortungsvollem Weitblick“ (Dezember 2018) aufzeigt, als eine gesamtpolitische Aufgabe dar.

Leitungskräfte, Verantwortliche bei Trägern der öffentlichen und der freien Kinder- und Jugendhilfe und in den Verbänden sind in gleicher Weise wie (fach-)politische Akteure und Akteurinnen gefordert, Rahmenbedingungen zu schaffen, Möglichkeiten zur Weiterentwicklung zu eröffnen, aber auch gesellschaftliche Anerkennung einzufordern, damit die Fachkräfte die alltäglich sich stellenden kleinen und großen Herausforderungen meistern können und ihr Engagement aufrechterhalten, denn: „Ohne sie geht nichts!“

Inhalt und Bestellung

Das Inhaltsverzeichnis der Broschüre (PDF, 145 KB) steht auf den Seiten der AGJ zum Download zur Verfügung. Über den Online-Shop der AGJ kann die Broschüre kostenpflichtig bestellt werden.

Quelle: Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ

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