Qualifizierung / Bildungspolitik

Non-formal erworbene Kompetenzen – Zuordnung der Fort- und Weiterbildungsangebote der Kinder- und Jugendhilfe in den DQR

Fünf Menschen halten einen weißen Rahmen hoch und schauen durch
Bild: rawpixel.com

Der non-formale Lernbereich ist für die Fachkräfte in der Kinder- und Jugendhilfe von hoher Bedeutung. Daher fordert die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ in ihrem Positionspapier den Arbeitskreis des Deutschen Qualifikationsrahmens (AK DQR) auf, ein Pilotverfahren zu realisieren, welches sich mit den Qualifizierungs­ange­boten aus der Kinder- und Jugendhilfe befasst und prüft, inwieweit Qualifizierungsangebote des non-formalen Bereichs in der Kinder- und Jugendhilfe den Ebenen des DQRs zugeordnet werden können.

Herausforderungen bei der Zuordnung non-formal erworbener Kompetenzen

Die Einführung des Deutschen Qualifikationsrahmens für lebenslanges Lernen (DQR) ist ein Prozess, der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und der Kultusministerkonferenz (KMK) unter Einbeziehung aller in der deutschen Bildungslandschaft relevanten Akteure in Kooperation vorangetrieben wird. Für die Kinder- und Jugendhilfe stehen dabei sowohl Fragen der Qualifizierung und der tariflichen Eingruppierung auf Seiten der Fachkräfte als auch Fragen der Anerkennung von Kompetenzen sowie beruflicher Chancen ihrer Adressatinnen und Adressaten im Mittelpunkt. Entsprechend begleitet die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ die Entwicklungen zum Europäischen Qualifikationsrahmen (EQR) bzw. seine Umsetzung in den DQR.

Mit der Einführung des Deutschen Qualifikationsrahmens (DQR) im Mai 2013 hat der Prozess der Zuordnung von Qualifikationen in den DQR begonnen. Die Gleichwertigkeit der drei Lernfelder formales Lernen, non-formales Lernen und informelles Lernen spielt für die Fachkräfte in der Kinder- und Jugendhilfe eine gewichtige Rolle.

Gerade mit Blick auf Fachkräftegewinnung und Fachkräftebindung ist neben einer attraktiven Ausbildung der Bereich der Fort- und Weiterbildung für die Kinder- und Jugendhilfe wichtig.

Weiterentwicklung der Fachlichkeit in der Kinder- und Jugendhilfe befördern

Der wachsende Fachkräftebedarf im Handlungsfeld droht jedoch, den Anspruch an Fachlichkeit zu relativieren (vgl. Diskussion um sogenannte „duale“ Ausbildungs- und Studiengänge sowie Quereinstiege). Daher besteht auch die Befürchtung, dass die Kombination von Fachkräftemangel und Kompetenzorientierung ohne eine Verständigung auf Standards in der Kompetenzfeststellung zu einer Entfachlichung in der Kinder- und Jugendhilfe beitragen könnte.

Um dem entgegenzuwirken, sieht es die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ als wichtig an, sich in die Debatte um die Kompetenzorientierung sowie in den Prozess der Zuordnung non-formal erworbener Kompetenzen bzw. der Zuordnung der Fort- und Weiterbildungsangebote in den DQR beständig einzubringen, soll dieser Prozess doch die Weiterentwicklung der Fachlichkeit in der Kinder- und Jugendhilfe befördern.

Zuordnungsvorschlag „Xpert Business“ ungeeignet

Nachdem die Qualifikationen aus dem formalen Bereich den einzelnen Ebenen des DQR zugeordnet wurden, richtet der Arbeitskreis Deutscher Qualifikationsrahmen (AK DQR) sein Augenmerk nun auf die Zuordnung von Qualifizierungsangeboten aus dem non-formalen Bereich. Der dafür herangezogene Zuordnungsvorschlag „Xpert Business“ ist aus Sicht der AGJ dafür jedoch kein geeignetes Instrument, da es den non-formalen Lernprozessen in der Kinder- und Jugendhilfe nicht entspricht.

Experten aus der Kinder- und Jugendhilfe hinzuziehen

Mit dem vorliegenden Positionspapier wird der AK DQR daher aufgefordert, in einer den non-formal ausgerichteten Lernprozessen in der Kinder- und Jugendhilfe angemessenen Pilotphase, gleich dem Pilotverfahren des „Xpert Business“, zu prüfen, inwieweit Qualifizierungsangebote des non-formalen Bereichs in der Kinder- und Jugendhilfe den Ebenen des DQRs zugeordnet werden können. In der Bewertung des an dem non-formalen Bereich der Kinder- und Jugendhilfe ausgerichteten Pilotverfahrens sollten auch einschlägige Expertinnen und Experten aus dem Bereich der Kinder- und Jugendhilfe hinzugezogen werden.

Download und weiterführende Informationen

Das vollständige Positionspapier „Non-formal erworbene Kompetenzen – Herausforderungen und Impulse für die Zuordnung der Fort- und Weiterbildungsangebote der Kinder- und Jugendhilfe in den DQR“ der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ ist auf den Internetseiten der AGJ zu finden. Ebenso steht es im Info-Pool des Fachkräfteportals als PDF-Datei zum Download (145 KB) zur Verfügung.

Neben dem aktuellen Positionspapier hat die AGJ bereits im September 2012 eine Stellung­nahme mit dem Titel  „Herausforderungen des Deutschen Qualifikationsrahmens (DQR) für die Kinder- und Jugendhilfe“ (PDF, 113 KB) veröffentlicht.

Bezüglich der Einordnung der Qualifikationen der Kinder- und Jugendhilfe in den DQR besteht aus Sicht der AGJ die größte Herausforderung im Hinblick auf die Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe darin, die Vielschichtigkeit der unterschiedlichen Ausbildungswege den jeweiligen Niveaustufen des DQR angemessen zuzuordnen, ohne das damit tarifliche Schlechterstellungen einhergehen, die Erreichbarkeit höherer Qualifikationsniveaus erschwert und die Anforderung an die Fachkompetenzen reduziert werden.

Quelle: Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ

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