Qualifizierung / Im Fokus

Aufwertung der Sozialen Berufe in der Kinder- und Jugendhilfe: Fachkräfte gewinnen, Qualität erhalten und verbessern

Junge Frau sitzt lächelnd mit anderen jungen Erwachsenen unterschiedlicher Herkunft zusammen.
Bild: © jackfrog - fotolia.com

Die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ fordert ein ganzheitliches Konzept zur Anerkennung und Aufwertung der Sozialen Berufe in der Kinder- und Jugendhilfe. Die Gewährleistung einer hochwertigen Qualifizierung der Fachkräfte ist hierfür unabdingbare Voraussetzung. In ihrem Positionspapier werden Bedeutung und Attraktivität des Arbeitsfeldes beleuchtet sowie die Strategien der Bundesregierung zur Aufwertung der Sozialen Berufe diskutiert. Die AGJ hierbei aus kinder- und jugendhilfepolitischer Sicht Stellung und formuliert hinsichtlich des Handlungsbedarfs zentralen Forderungen.

MIt dem vorliegenden Positionspapier positioniert sich die AGJ in der Debatte um die Aufwertung und gesellschaftliche Anerkennung der Sozialen Berufe in der Kinder- und Jugendhilfe. Diese stellt ein attraktives und gesellschaftlich bedeutsames Arbeitsfeld dar, was sich auch in dem starken Zuwachs an Beschäftigten in den letzten Jahren zeigt.

Die Sozialen Berufe in der Kinder- und Jugendhilfe sind gekennzeichnet durch eine große Bandbreite an Arbeitsfeldern und Aufgaben sowie unterschiedlichen Adressatinnen und Adressaten. Für die dort Beschäftigten ergibt sich hieraus ein diverses Berufsfeld, das abwechslungsreiche Tätigkeiten ermöglicht, sei es in Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit, im Ganztag, in Kindertageseinrichtungen, im heilpädagogischen Bereich, in Einrichtungen der stationären Kinder- und Jugendhilfe, im Bereich der ambulanten Maßnahmen der Hilfen zur Erziehung oder in der Jugendsozialarbeit.

Der hohen Bedeutung der Kinder- und Jugendhilfe steht eine unzureichende Wertschätzung und gesellschaftliche Anerkennung der Sozialen Berufe in der Kinder- und Jugendhilfe gegenüber.

Wachsender Fachkräftebedarf

In Anbetracht der hohen Verantwortung der in diesem Bereich Beschäftigten für das Aufwachsen von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen sowie vor dem Hintergrund des wachsenden Fachkräftebedarfs besteht dringender Handlungsbedarf. Dies hat auch die Bundesregierung erkannt und im Rahmen einer Strategie zur Aufwertung der Sozialen Berufe mehrere Einzelmaßnahmen gestartet. Die AGJ nimmt in diesem Positionspapier hierzu Stellung.

Zusammengefasste Forderungen der AGJ sind:

  • die finanzielle Ausstattung der Kinder- und Jugendhilfe sowie die Entlohnung der in diesem Bereich beschäftigten Fachkräfte angemessen zu erhöhen,
  • die Arbeitsbedingungen in den Einrichtungen spürbar zu verbessern
  • sowie bestehende Forschungsdefizite abzubauen.

Statt einem Bündel isolierter Einzelmaßnahmen in Teilbereichen ist ein ganzheitliches Konzept zur Aufwertung der Sozialen Berufe in der Kinder- und Jugendhilfe zu entwickeln sowie deren gesellschaftliche Anerkennung voranzubringen.

Handlungsbedarf für größere gesellschaftliche Anerkennung der Sozialen Berufe

Nach Meinung der AGJ könne eine ganzheitliche Aufwertung und ein Mehr an gesellschaftlicher Anerkennung für die Sozialen Berufe in der Kinder- und Jugendhilfe gelingen, wenn folgende Maßnahmen umgesetzt werden:

  • Eine tariflich abgesicherte Entlohnung für Fachkräfte, Auszubildende sowie Praktikantinnen und Praktikanten der Fach- und Hochschulen einzuführen, welche die Ausbildungs- und Arbeitsanforderungen adäquat einbezieht und ein sicheres Auskommen ermöglicht.
  • Eine angemessene finanzielle Ausstattung der Kinder- und Jugendhilfe in Relation zu den mit ihr verbundenen gesellschaftlichen Zielen zu schaffen, sodass die Rahmenbedingungen der Arbeit nachhaltig verbessert werden und den Trägern ermöglicht wird, eine ausreichende personelle und finanzielle Ausstattung zu gewährleisten.
  • Eine Arbeitszeitgestaltung zu ermöglichen, die zu einer besseren Ausbalancierung von arbeitsplatzbedingten Anforderungen und persönlichen Bedürfnissen bei der Gestaltung von Arbeitszeiten führt. Hierzu gehören wöchentliche Arbeitszeitvolumen, Arbeitszeitkonten, die Möglichkeit von Sabbaticals sowie der Einflussnahme auf die Gestaltung von Schichtdienstplänen und anderes mehr. Unbefristete Arbeitsverträge sollten hierbei die Regel sein, auch für Berufsanfängerinnen und -anfänger.
  • Eine ausreichende Anzahl an Ausbildungs- und Studienplätzen für die Sozialen Berufe in der Kinder- und Jugendhilfe sicherzustellen, die generalistisch ausgerichtet sowie grundsätzlich für Auszubildende und Studierende kostenfrei sind. Mit der erforderlichen Aufstockung des Lehrpersonals verbunden ist die Notwendigkeit des Ausbaus der Studiengänge für das Lehramt an berufsbildenden Schulen in der Fachrichtung Sozialpädagogik sowie die gezielte Nachwuchsförderung durch Promotions- und Habilitationsprogramme.
  • Die Praxisphasen während Ausbildung und Studium in den Arbeitsfeldern der Kinder- und Jugendhilfe systematisch und verlässlich abzusichern, indem Zeitressourcen für die Anleitung einkalkuliert sowie Anleiterinnen und Anleiter entsprechend qualifiziert werden.
  • Das Qualifikationsniveau der Fachkräfte an die konkreten Arbeitsanforderungen anzupassen sowie in die tariflichen Regelwerke entsprechend einzubetten. Dies umfasst die Einhaltung des Fachkräftegebots nach § 72 SGB VIII in allen Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe sowie die Einstufung von Koordinations-, Lehr- und Leitungsaufgaben auf Grundlage eines Hochschulabschlusses.
  • Berufliche Karriere- und persönliche Entwicklungsmöglichkeiten in Trägerverantwortung zu eröffnen sowie diese finanziell angemessen zu entlohnen.
  • Die Durchlässigkeit zwischen den verschiedenen Qualifikationsniveaus zu gewährleisten und keinen „Sackgassenberufen“ Vorschub zu leisten.
  • Bestehende Forschungsdefizite in der Kinder- und Jugendhilfe durch die Bereitstellung entsprechender Fördermittel gezielt abzubauen sowie in einen Ausbau der Forschungsinfrastruktur an den Hochschulen zu investieren. Hierzu gehört ebenso die Schaffung von fördernden Rahmenbedingungen zur Qualifizierung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Die genannten Bereiche sind dauerhaft und systematisch abzusichern.
  • Ein Gesamtkonzept zur Aufwertung und größeren gesellschaftlichen Anerkennung zu entwickeln, das alle Arbeitsfelder der Kinder- und Jugendhilfe durchgängig einbezieht und den Fachkräftebedarf in einzelnen Handlungsfeldern nicht durch neu entstehende interne Konkurrenzen noch zusätzlich verstärkt.
  • Eine übergreifende Zusammenarbeit von Bund, Ländern und Kommunen zu initiieren, um gemeinsam und einvernehmlich neue Lösungen und Verbesserungen im Bereich der Sozialen Berufe der Kinder- und Jugendhilfe zu entwickeln sowie diese zu realisieren. Die steuernde Funktion der Länder muss von diesen wahrgenommen werden. Die Kommunen müssen in ihren oft bemerkenswerten Anstrengungen entsprechende fachliche und finanzielle Unterstützung erfahren. Die Qualität der Kinder- und Jugendhilfe darf nicht von der Kassenlage der jeweiligen Kommune abhängig sein.
  • Eine Öffentlichkeitsarbeit voranzubringen, die die gesellschaftlich überaus bedeutsamen Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe mit Nachdruck herausstellt sowie die hohen Anforderungen an das Personal in diesem Bereich würdigt und auch fachfremden Personen verständlich macht.

Download

Das vollständige 15-seitige Positionspapier mit dem Titel „Gesellschaftliche Anerkennung und Aufwertung der Sozialen Berufe in der Kinder- und Jugendhilfe – Fachkräfte gewinnen, Qualität erhalten und verbessern!“ (PDF, 103 KB) enthält weitere Ausführungen zur gesellschaftlichen Bedeutung des Berufsfelds Kinder- und Jugendhilfe, zur Attraktivität dieser Sozialen Berufe sowie der aktuellen Situation. Es steht zum Download auf den Seiten der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ zur Verfügung.

Quelle: Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ

Info-Pool