Atomkraftwerk-Pläne

NaturFreunde Deutschlands fordern Bundesregierung zum Protest gegen polnische Baupläne auf

Auf einer Hand ist als Symbol eine Glühbirne gezeichnet und verschiedene Symbole zum Thema Umweltschutz dargestellt.
Bild: © tonefotografia - fotolia.com

In Polen sollen sechs neue Atomreaktoren gebaut werden. Die NaturFreunde Deutschlands positionieren sich gegen diese Pläne und rufen die deutsche Bundesregierung zum Protest gegen das Unterfangen auf.

Polen hat einen Klimaplan (PDF; 1,5 MB) vorgelegt, der auch den Ausbau von Atomenergie vorsieht. Insgesamt sechs Atomreaktoren sollen gebaut werden. Als mögliche Standorte werden Zarnowiec und Kopalino genannt, beide Orte liegen an der Ostsee etwa 50 Kilometer nordwestlich von Danzig. Der erste Reaktorblock soll bereits im Jahr 2033 ans Netz gehen.

Die NaturFreunde Deutschlands lehnen dieses Vorhaben ab. Die AKW-Planungen der polnischen Regierung gefährden die Gesundheit vieler Millionen Menschen sowie die Umwelt und sind nach Ansicht der NaturFreunde Deutschlands völlig inakzeptabel und menschenverachtend.

Die Naturfreunde Deutschlands sehen den Bau von Atomkraftwerken als weder energiepolitisch sinnvoll noch umwelt- oder sicherheitspolitisch verantwortbar. Atomkraft und erneuerbare Energien sind nach Ansicht der NaturFreunde Deutschlands nicht kompatibel. Mit dem Neubau von Atomkraftwerken verhindere die polnische Regierung einen ökologischen und klimagerechten Umbau der polnischen Energieerzeugungsstruktur. Gleichzeitig würde so eine zentralistische Energieerzeugungsstruktur zementiert und damit eine ökologische, dezentrale Energieerzeugung verhindert.

Atomkraftwerksbau gefährdet 4,5 Millionen Menschen

Ein von der Bundestagsfraktion von Bündnis 90 / Die Grünen in Auftrag gegebenes Gutachten (PDF: 3,7 MB) zeigt, dass bis zu 1,8 Millionen Menschen in Deutschland evakuiert werden müssten, wenn es an den geplanten Standorten zu einem schweren Atomunfall kommen sollte. In europäischen Staaten wären dann bis zu 4,5 Millionen Menschen von erhöhter radioaktiver Strahlung betroffen. In 75 Prozent aller möglichen Wetterbedingungen wären Menschen und Umwelt in den Nachbarstaaten Polens stärker von radioaktiver Strahlung betroffen als Polen selbst.

Die NaturFreunde Deutschlands unterstützen deshalb die Forderung, dass alle von einem möglichen Atomunfall betroffenen Regionen und Staaten ein Mitbestimmungsrecht über den Bau von neuen Atomkraftwerken bekommen müssen.

Forderungen der NaturFreunde Deutschland

  • Kein Neubau von Atomkraftwerken in Polen
  • Die Bundesregierung muss gegen die Neubaupläne protestieren und auch mögliche Klagen gegen den Neubau unterstützen.
  • EURATOM auflösen: Für einen europaweiten Ausstieg aus der Atomenergie

Die Stellungnahme der NaturFreunde Deutschlands (PDF) zum „Programm für die Polnische Kernenergie“ und zur „Umweltverträglichkeitsstudie des Polnischen Kernenergieprogramms“ sind online abrufbar.

Über die Zukunft der polnischen Stromproduktion

Noch immer werden in Polen über 70 Prozent des gesamten Stroms durch Steinkohle oder Braunkohle produziert. Nur ein schneller Umstieg auf erneuerbare Energien durch den Ausbau von Wind- und Solarenergie wird dazu beitragen, dass Polen die Klimaziele von Paris erreichen kann.

Bereits in den letzten Jahren ist es in Polen gelungen, die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien deutlich zu steigern. Ende 2019 waren bereits 9,5 Gigawatt Leistung im Bereich der Erneuerbaren installiert und 15,4 Prozent des Stromes wurden erneuerbar produziert. Hiervon fielen 9,2 Prozent der Stromproduktion auf Onshore-Windenergieanlagen, 1,2 Prozent auf Wasserkraftwerke, aber erst 0,4 Prozent auf Fotovoltaik-Anlagen. Das Institute for Renewable Energy (IEO) geht davon aus, dass sich der Anteil an Fotovoltaik bis 2025 auf 8.000 Megawatt verfünffachen wird.

Quelle: NaturFreunde Deutschlands vom 04.02.2021