Expertenanhörung

Kinder­engagement muss ernst genommen werden

Mehrere Jugendliche bei einem Fridays for Future Protest
Bild: Mika Baumeister - unsplash.com   Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter

Das Engagement junger Menschen für Klima und Umwelt war am 21. April 2021 Thema eines öffentlichen Fachgesprächs der Kinderkommission des Deutschen Bundestages (KiKo). Im Mittelpunkt der Sitzung standen die Fragen: Wie engagieren sich junge Menschen für Klima und Umwelt? Welche Motivation steckt dahinter? Und was brauchen Kinder und Jugendliche, um sich engagieren zu können?

Das öffentliche Fachgespräch der Kinderkommission fand am 21. April 2021 statt und damit einen Tag vor dem alljährlichen Aktionstag Earth Day, wie die KiKo-Vorsitzende Charlotte Schneidewind-Hartnagel (Bündnis 90/Die Grünen) zu Beginn des öffentlichen Fachgesprächs hervorhob. Dieser mache auf den Umgang mit unserer Umwelt aufmerksam, sagte die Abgeordnete, unter deren Vorsitz sich die KiKo seit Mitte Februar 2021 dem Thema Kinder und Umwelt widmet.

Im Mittelpunkt der Sitzung standen die Fragen: Wie engagieren sich junge Menschen für Klima und Umwelt? Welche Motivation steckt dahinter? Und was brauchen Kinder und Jugendliche, um sich engagieren zu können? Zu Gast waren sechs Expertinnen und Experten von BUNDjugend, Unicef und Pfadfinderinnenschaft St. Georg, die mit der KiKo ihre Erfahrungen und Perspektiven teilten.  

Engagement muss anerkannt werden

„Wir engagieren uns für unser aller Zukunft“, sagte Martha Gärtner vom Kinderhilfswerk Unicef. Dieses Engagement dürfe nicht belächelt werden. Es müsse ernst genommen werden, denn es gehe um ein ernstes Thema. Die Fridays-for-Future-Bewegung sei dabei nur ein Beispiel von vielen, sagte Gärtner, die sich selbst seit 2018 im Unicef Juniorteam für Kinderrechte stark macht.

Ziel des Engagements sei es, zu informieren und aufzuklären – und zwar kreativ. „Kinder- und Jugendengagement steckt voll kreativer Ideen, die umgesetzt werden wollen“, sagte Gärtner. „Das muss anerkannt werden.“ Es brauche Räume und Orte, an denen Engagement stattfinden könne, forderte sie. Und, es müsse Partizipationsmöglichkeiten geben. Junge Menschen müssten an Entscheidungen beteiligt werden, die sie betreffen. An die KiKo-Mitglieder gerichtet sagte Gärtner: „Sie können uns eine Bühne geben. Machen Sie auf unsere Anliegen aufmerksam.“

Engagement aktiv fördern

Susanne Hassel, die bei Unicef im Bereich Entwicklungspolitik und humanitäre Hilfe tätig ist, ergänzte: „Es ist Zeit zu handeln und viele Kinder und Jugendliche tun das bereits.“ Dabei seien junge Menschen in Deutschland mit ihrem Engagement gegen den Klimawandel und für eine saubere Umwelt nicht allein. Ein gutes Beispiel dafür sei die „Declaration on Children, Youth and Climate Action“, sagte Hassel. Die Erklärung von 2019 zeige, dass die Forderungen nach einem konkreten Handlungsrahmen von jungen Menschen weltweit geteilt und aktiv vorangetrieben werde. Zu den sieben Kernforderungen der Jugendlichen gehörten zum Beispiel die Forderung nach der globalen Anerkennung und Umsetzung des Rechts von Kindern auf eine gesunde Umwelt. 

Zwar ersetze die Erklärung keine konkreten Maßnahmen und einen nationalen politischen Rahmen für Engagement, sagte Hassel. „Aber sie ist definitiv eine wichtige Absichtserklärung und somit ein zentraler erster Schritt, den junge Menschen selbst einfordern und den wir deshalb als Unicef auch gemeinsam mit Jugendlichen weltweit, zahlreichen Partnerorganisationen und auch Regierungen, die die Erklärung schon unterzeichnet haben, aktiv fördern.“ Sie hoffe, dass auch Deutschland spätestens bis zur diesjährigen Klimakonferenz zu den Unterstützern gehöre, um die Stimme der jungen Menschen zu hören und Engagement aktiv zu fördern. 

Zukunft in den Händen der Kinder

Zu Gast waren außerdem Celina Menk und Janett Schneider von der Pfadfinderinnenschaft St. Georg (PSG) Diözesanverband Münster. Die PSG ist ein katholischer Mädchenverband, der seine Wurzeln in der internationalen Pfadfinderinnenbewegung hat. Natur und Naturschutz seien grundlegende Themen im Verband, sagte Schneider. In der PSG gehört die ehemalige Diözesanvorsitzende dem 2020 gegründeten Referat Nachhaltigkeit an.

Im Jahr 2018 startete der Mädchenverband ein ökofaires Projekt, erzählte Schneider. Die Mitgliederinnen entwickelten ein Positionspapier und ein Selbstverpflichtungserklärung mit ökofairen Kriterien für Veranstaltungen, nahmen an Fortbildungen teil und planten verschiedene Aktionen wie etwa ein „bis ins kleinste Detail“ ökofaires und nachhaltiges Zeltlager. Seit 2019 darf sich die PSG „ökofairer Jugendverband“ nennen. Die Pfadfinderinnen setzen sich unter anderem für eine erlebbare Naturpädagogik ein. „Denn nur, wer die Natur kennt, weiß sie zu lieben und zu schützen“, sagte Diözesanvorsitzende Menk. „Die Zukunft“, so Menk, „liegt in den Händen der Kinder.“

Freiwilligendienste, Wahlalter und Klimaflucht

Es brauche bessere Bedingungen und Vergütungen für die zivilen Freiwilligendienste, forderte Kawa Eibesh. „Gerade in der Krisenzeit sollten die Solidarität, der Respekt und das Umweltbewusstsein in der Zivilgesellschaft gestärkt werden.“ Der 23-Jährige ist Mitglied im Bundesvorstand von BUNDjugend, dem Jugendverband des Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) für junge Menschen bis 27 Jahren. Kritisch sieht Eibesh hingegen den neuen Freiwilligendienst der Bundeswehr, da dieser eine Konkurrenz darstelle für bestehende zivile Freiwilligendienste wie zum Beispiel das Freiwillige Ökologische Jahr.

Darüber hinaus solle das Wahlalter gesenkt werden, ergänzte Anna Herberholz vom BUNDjugend-Landesverband Nordrhein-Westfalen. Die Rechte und Bedürfnisse ihrer Generation müssten gesehen und berücksichtigt werden. Noch vor der Bundestagswahl im September 2021 solle deshalb das Wahlalter auf 16, perspektivisch sogar auf 14 Jahre gesenkt werden. Die 16-Jährige forderte zudem: „Der Klimaschutz muss auch die soziale Gerechtigkeit umfassen.“ Unternehmen müssten mit einem starken Lieferkettengesetz stärker in die Verantwortung genommen werden, fügte Eibesh hinzu. Außerdem müsse in Deutschland und der Europäischen Union Klimaflucht als Asylgrund anerkannt werden. (irs/22.04.2021)

Liste der geladenen Sachverständigen

  • Anna Herberholz, BUNDjugend Nordrhein-Westfalen
  • Kawa Eibesh, BUNDjugend – Bundesvorstand
  • Martha Gärtner, UNICEF
  • Susanne Hassel, UNICEF
  • Celina Menk, Pfadfinderinnenschaft St. Georg, Diözesanverband Münster, Diözesanvorsitzende
  • Janett Schneider, Pfadfinderinnenschaft St. Georg, Diözesanverband Münster, Referat Nachhaltigkeit

Über die Kinderkommission

Die Kommission zur Wahrnehmung der Belange der Kinder (Kinderkommission, KiKo) gibt es seit 1988. Sie ist ein Unterausschuss des Ausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Das bedeutet, sie ist kleiner als der Ausschuss selbst und hat eine ganz spezielle Aufgabe: die Interessenvertretung für Kinder und Jugendliche. Mehr Informationen unter: www.bundestag.de/kiko 

Quelle: Irina Steinhauer für den Online-Dienst des Deutschen Bundestages vom 22.04.2021

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