Nachhaltigkeit / Sozialforschung

#FridaysForFuture: Teilnehmende mehrheitlich weiblich, gut ausgebildet, aber älter und weniger hoffnungsvoll

Junge Protestierende mit Schildern zum Klima- und Umweltschutz
Bild: Mika Baumeister - unsplash.com   Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter

Ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung der TU Chemnitz legt eine Nachfolge-Studie zu den weltweiten #FridaysForFuture-Protesten vor. Befragt wurden Demonstrant(inn)en in 19 Städten in 15 Ländern während des dritten globalen Klimastreiks im September 2019. Einzelne Länder, so auch Deutschland, weichen im Einzelnen vom Trend ab.

Im März 2019 befragte ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung von Dr. Piotr Kocyba, Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur Kultur- und Länderstudien Ostmitteleuropas der Technischen Universität Chemnitz, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der #FridaysForFuture (FFF)-Proteste. Die Ergebnisse wurden im Mai 2019 in einer vielbeachteten Studie veröffentlicht. Eine zweite Befragungswelle startete das internationale Team im September 2019.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verteilten während des dritten globalen Klimastreiks weit mehr als 10.000 Fragebögen – über 3.000 Personen in insgesamt 19 Städten von Melbourne bis New York folgten der Einladung der Sozialforscherinnen und -forscher und füllten den Fragebogen online aus. Die Ergebnisse der Studie ermöglichen es nun, einen direkten Vergleich zwischen den beiden globalen Streiks im März und September 2019 zu ziehen.

Frauen im internationalen Vergleich weiterhin in der Mehrheit – Mehr Männer in Deutschland

In der neuen Studie zeigen die Forscherinnen und Forscher, dass Frauen im internationalen Vergleich weiterhin die Mehrheit bei den Teilnehmenden stellen. In beiden Erhebungswellen lag der Frauenanteil bei knapp 60 Prozent – bei den bis 19-jährigen Teilnehmerinnen und Teilnehmern hat dieser sogar von 63 auf 71 Prozent zugenommen.

Allerdings sind die Tendenzen in den einzelnen Ländern teilweise gegenläufig. So waren die FFF-Proteste in Deutschland, entgegen dem internationalen Trend, im September 2019 nicht mehr von Frauen dominiert gewesen. Hier konnte ein Anstieg des Männeranteils von 40 Prozent im März auf 51 Prozent im September beobachtet werden.

Demgegenüber lag Deutschland im internationalen Trend beim Bildungsstand der Protestierenden: Über 70 Prozent der erwachsenen Befragten hatten demnach laut den Ergebnissen einen Hochschulabschluss, sowohl international als auch bezogen auf die Bundesrepublik.

Zunehmend ältere Teilnehmerinnen und Teilnehmer – Trend in Deutschland besonders ausgeprägt

Beim Alter der Protestierenden zeigte sich ebenso eine Veränderung: War die Hälfte der Protestierenden im März jünger als 21 Jahre, so lag der Wert im September bereits bei 28 Jahren. Das Durchschnittsalter stieg gegenüber der Vorgängeruntersuchung von 30 auf knapp 33 Jahre.

In Deutschland konnte das Team eine noch deutlichere Verschiebung im Altersdurchschnitt beobachten – dieser stieg von knapp 26 Jahren im März auf über 34 Jahren im September. Der Aufruf der FFF-Bewegung an die Erwachsenen, sich dem Klimastreik anzuschließen, scheint in Deutschland besonders wirksam gewesen zu sein, folgern die Forscherinnen und Forscher.

Geringerer Einfluss des „Greta-Effekts“

Dafür, dass die Bewegung inzwischen fest etabliert ist, spricht der Umstand, dass Greta Thunberg zwar auch im September 2019 weiterhin das Interesse an den Klimastreiks sowie die Teilnahmebereitschaft wesentlich prägte, dieser Einfluss jedoch geringer ausfällt als noch in der ersten Befragungswelle vom März 2019. Damals hatten knapp über 40 Prozent der teilnehmenden Personen angegeben, dass Greta Thunberg ihre Teilnahme am Klimastreik beeinflusst. Im September lag dieser Wert nur noch bei einem Drittel. Diese Tendenz fiel in Deutschland sogar noch deutlicher aus. Gaben im März noch 39 Prozent der Befragten an, Greta Thunberg habe ihre Teilnahme an dem Protest beeinflusst, traf das im September nur noch auf 25 Prozent zu.

Frust und Wut überwiegen – Schwindende Hoffnung

Für die Mobilisierungskraft einer Bewegung spielt vor allem die emotionale Ebene eine wesentliche Rolle. Die neue Untersuchung zeigt ein Übergewicht von emotionalen Einstellungen wie Frust, Wut und Machtlosigkeit – Emotionen also, die eine Teilnahme an den Protesten befördern. Diese Emotionen überwogen bereits in der Vorgängerstudie und sind daher nach wie vor wesentliche Triebfedern für den Erfolg der FFF-Bewegung – das gilt auch für Deutschland.

Das Gefühl der Hoffnungslosigkeit, das zur Demobilisierung führen kann, spielte zwar weiterhin eine untergeordnete Rolle, allerdings war ein Anstieg zu beobachten. So gaben im März 2019 über 26 Prozent der Befragten an, ziemlich beziehungsweise sehr hoffnungslos zu sein, im folgenden September waren es schon knapp 35 Prozent (auch hier lag Deutschland im internationalem Trend mit einem Anstieg von 25 auf 34 Prozent).

Hintergrund: Internationale FFF-Forschung

Die Professur Kultur- und Länderstudien Ostmitteleuropas hat in der Septemberstudie in zwei Städten befragt. In Warschau gemeinsam mit dem Institut für Philosophie und Soziologie der Polnischen Akademie der Wissenschaften sowie in Chemnitz gemeinsam mit dem Institut für Protest- und Bewegungsforschung. Gefördert wurde die Untersuchung in Warschau durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sowie in Chemnitz durch Weiterdenken, die Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen.

Weitere Details zu den Ergebnissen finden sich im ausführlichen Bericht: Protest for a future II. Composition, mobilization and motives of the participants in Fridays For Future climate protests on 20-27 September, 2019, in 19 cities around the world.

Quelle: Technische Universität Chemnitz vom 24.02.2020