Nachhaltigkeit / Sozialforschung

Das Spiel KEEP COOL vermittelt internationale Klimapolitik

Satelittenaufnahme Nordafrikas und des Nahen Ostens
Bild: shutterstock | harvepino

Erstmals zeigt eine empirische Studie, dass ein Brettspiel zum Klimawandel internationale Klimapolitik erfolgreich vermitteln kann. Sie gibt zudem Hinweise auf die wirksame Gestaltung solcher Spiele. So können mit neuen Kommunikationswegen globale Herausforderungen angegangen werden. Für die Studie nahmen über 200 Jugendliche im Alter von 13 bis 16 Jahren aus Deutschland an Spielrunden mit dem Klimaspiel KEEP COOL teil. Sie wurden zuvor und danach zu ihrer Einstellung über internationale Klimapolitik befragt, und ihr Spielverhalten wurde beobachtet.

Die Jugendlichen ändern durch das Spielen ihre Einstellungen statistisch signifikant. Sie halten sich beispielsweise persönlich für stärker verantwortlich, dem Klimawandel zu begegnen. Außerdem werden sie optimistischer bezüglich wirksamer internationaler Klimapolitik in der Zukunft.

Umweltsünder lernen mehr

Prof. Dr. Klaus Eisenack, Leiter der Studie, konstatiert: „Spiele können möglicherweise ungeahnte Potenziale für gesellschaftliche Veränderungen in Gang setzen.“ Überraschender Weise sind die gefundenen Effekte stärker bei Jugendlichen, die im Spiel eine klimaschädliche Rolle einnehmen. Daraus leiten die Autoren ab, dass wirksame Klimaspiele den Teilnehmenden die Entscheidung überlassen sollten, ob sie versuchen, das Spiel mit klimafreundlichen oder klimaschädlichen Strategien zu gewinnen. Dies schult eine kritische Perspektive auf das reale Geschehen.

Die Studie basiert auf dem von Klaus Eisenack entwickelten zweisprachigen deutsch-englischen Brettspiel KEEP COOL. Bei jedem Spielzug müssen die Spielerinnen und Spieler zwischen gemeinschaftlichem Klimaschutz und Eigeninteressen abwägen, um zu gewinnen. Dabei nehmen sie die Rolle eines Landes oder einer Ländergruppe ein, wie beispielsweise die der USA, der Schwellenländer oder der Entwicklungsländer.

Klimatologische, ökonomische und politische Kernaspekte des Klimawandels

Das Spiel behandelt klimatologische, ökonomische und politische Kernaspekte des Klimawandels und macht internationale Klimaverhandlungen am Spieltisch erfahrbar. Projekte mit KEEP COOL wurden ausgezeichnet vom Rat für Nachhaltige Entwicklung, erhielten den Sparda-Umweltpreis und den Deutschen Planspielpreis.

Für Smartphones gibt es eine kostenfreie Version als Browserapp, die durch Mittel der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gefördert wird.

Prof. Dr. Klaus Eisenack ist Leiter der Arbeitsgruppe Ressourcenökonomik an der Humboldt-Universität zu Berlin, in der Jasper Meya, Mitautor der Studie, als Wissenschaftler arbeitet. Die Arbeitsgruppe betreibt ökonomische Forschung zu Klimawandel, Energie und Wassernutzung. Sie erforscht, wie seit Jahrzehnten bekannte, aber nicht erfolgreiche Politikinstrumente und Institutionen besser ausgestaltet werden können. Mit Archetypenanalyse und Spielen werden Ansätze aus Mikroökonomik, Institutionenökonomik und interdisziplinärer Nachhaltigkeitsforschung integriert.

Die Studie erschien in Climatic Change, der führenden internationalen und multidisziplinären Fachzeitschrift zum Klimawandel.

Studie

Studie: Meya, J.N. & Eisenack, K. (2018): Effectiveness of gaming for communicating and teaching climate change. Climatic Change. doi.org/10.1007/s10584-018-2254-7; Vorab-Version des Artikels (PDF, 673 KB, engl.)

Quelle: Humboldt-Universität zu Berlin vom 03.08.2018