Sie sind hier: Startseite  Im Fokus  Migration

Migration / Bildungspolitik

Studie: Migranten an Schulen als „Mängelwesen mit Förderbedarf“

Kinder sitzen mit Lehrerin am Laptop in der Schule
Bild: © Robert Kneschke - Fotolia.com

Sind Schulen in der Migrationsgesellschaft angekommen? Dieser Frage gingen die Universität Bremen und die Carl von Ossietzky Universität Oldenburg in einer Studie nach. Sie ergab, dass Schulen Gefahr laufen, migrationsgesellschaftliche Ungleichheit fortzuschreiben oder gar zu fördern. Die aktuell unzureichende Verankerung dieses Themas in der Lehrerbildung müsse durch die Wissensvermittlung über Migration überwunden werden.

Eine Studie der Universität Bremen und der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg hat sich der Frage gewidmet, ob auch die Schule in der Migrationsgesellschaft angekommen ist und die Grundlagen der Lehrerbildung geprüft. Das Ergebnis: Die heute ausgebildete Generation von Lehrern wird nur unzureichend für Differenzsensibilität und Kritik an Diskriminierung qualifiziert.

Systematische Verankerung in der Lehrerbildung notwendig

Die Studienpläne und Curricula in den meisten Bundesländern berücksichtigen Themen wie Heterogenität, interkulturelle Bildung und Migration. Und dennoch: eine der migrationsgesellschaftlichen Realität Deutschlands angemessene Bildung ist noch nicht systematisch in der Lehrerbildung verankert – damit ist die bundesdeutsche Lehrerbildung inhaltlich nicht in der Migrationsgesellschaft angekommen. Je höher die Schulform wie beispielsweise Gymnasien desto mehr nimmt die Relevanz des Themas in der Lehrerbildung ab.

Lehrer werden in ihrer Aus- und Fortbildung durchgängig als Personen ohne Migrationshintergrund adressiert, die den Umgang mit den migrationsgesellschaftlich „Anderen“ zu lernen haben. Das „Andere“ – die Schüler mit Migrationshintergrund – selbst werden wiederrum zum Problem gemacht und implizit, zuweilen auch explizit als Mängelwesen adressiert. Das Thema wird reduziert auf die Notwendigkeit der Förderung dieser Gruppe.

Einstellungen und Haltungen von Lehrkräften hinterfragen

„Die Studie macht deutlich, dass eine neue Haltung gefragt ist. Im Umgang mit sprachlicher und kultureller Vielfalt stehen nicht nur Unterrichtskonzepte und Materialien auf dem Prüfstand. Hinterfragen muss man auch die Einstellungen und Haltungen von Lehrkräften zur Migration in Geschichte und Gegenwart“, erklärt Winfried Kneip, Geschäftsführer der Stiftung Mercator, die die Studie fördert. Er führt weiter aus: „Deshalb ist es von zentraler Bedeutung, dass Lehrkräfte in ihrer Ausbildung und in der Fortbildung lernen: Wie können wir Benachteiligung und Diskriminierung in der Schule nicht nur vermeiden, sondern alle Kinder und Jugendliche bestmöglich fördern?“.

Wissen über Migrationsphänomene und -verhältnisse vermitteln

„Migration betrifft alle. Pädagogisches Können in der Migrationsgesellschaft stellt daher kein Spezialkönnen für den Umgang mit einer speziellen Gruppe dar. Eine solche Perspektive, in der 'Spezialwissen' über und die spezielle 'Behandlung' von Schüler/-innen 'mit Migrationshintergrund' vermittelt wird, gilt es zu überwinden,“ fordern die Autoren der Studie, Yasemin Karakasoglu und Paul Mecheril als Konsequenz aus den Ergebnissen der Studie. „Stattdessen“, so die beiden Wissenschaftler weiter, “muss in der Lehrkräftebildung Wissen darüber, wie Migrationsphänomene und globale Migrationsverhältnisse entstehen, inwiefern und wie sie alle betreffen, vermittelt werden. Genau dies ist als Querschnittaufgabe in der Aus- und Fortbildung institutionell zu verankern.“

Alle Ergebnisse der Studie können in der Kurzfassung auf der Webseite der Stiftung Mercator abgerufen werden.

Quelle: Stiftung Mercator vom 06.09.2017

Info-Pool