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Migration / Sozialpolitik

Neue Deutsche Organisationen: Kein Wahlkampf ohne die Mitsprache von Minderheiten

Viele Erwachsene verschiedener Herkunft haben ihre Hände aufeinander gelegt
Bild: © lassedesignen - Fotolia.com

Der Wahlkampf läuft, aber ohne die Stimmen von Migrant(inn)en – so die Neuen Deutschen Organisationen (NDO). Um eine demokratische Teilhabe für alle zu sichern, hat der Zusammenschluss von Vereinen und Initiativen einen Policy Brief mit Vorschlägen für eine zeitgemäße Förderpolitik im Einwanderungsland veröffentlicht. Unter anderem fordert das Netzwerk Möglichkeiten für Migrant(inn)enorganisationen sich selbst unabhängige Finanzierungsmöglichkeiten zu schaffen.

Im Bundestagswahlkampf 2017 sind Debatten über Migration, Integration, Geflüchtete und Muslime so präsent wie nie. „Doch eine Stimme fehlt derzeit unüberhörbar – die der Migrant(inn)en und Postmigrant(inn)en“, sagt Ferda Ataman, Sprecherin der Neuen Deutschen Organisationen (NDO). „Es kann nicht sein, dass wichtige Debatten über die Zukunft des Landes allein von weißen Deutschen geführt werden, und doch ist es beim Kanzlerduell und in der Debatte danach genau so geschehen.“

Neue Förderpolitik gefordert

Kaum eine NGO hat die Möglichkeit, gute Medienarbeit zu machen oder gar eine Kampagne zu starten. Grund dafür sind die weitgehend ehrenamtlichen und mittellosen Strukturen, in denen die Vereine und Initiativen arbeiten, die sich für Chancengerechtigkeit und gegen Rassismus engagieren. Die Neuen Deutschen Organisationen setzen sich für mehr Mitsprache und Teilhabe ein und fordern eine neue Förderpolitik. „Würden Vertreter/-innen von postmigrantischen Organisationen mehr zu Wort kommen, wäre zum Beispiel weniger die Rede von Integrationsmaßnahmen und mehr von Chancengerechtigkeit, Rassismus und Teilhabe“, sagt Gün Tank, Leiterin der NDO-Geschäftsstelle.

Demokratische Teilhabe von Vertretungen von Minderheiten

Die NDO fordern in ihrem ersten Policy Brief, dass künftig Mindeststandards für eine Infrastruktur gesichert werden: Ein demokratischer Staat muss Migrant(inn)enselbstorganisationen und Neuen Deutschen Organisationen ermöglichen, sich selbst unabhängige Finanzierungsmöglichkeiten zu schaffen. „Vertreter/-innen von migrantischen Organisationen arbeiten bis heute in überwiegend prekären Umständen", sagt Tank. Sie finanzieren sich vorwiegend durch zeitlich befristete Projektgelder, ihre politische Arbeit findet fast immer ehrenamtlich statt. „Doch man erkennt die Qualität einer Demokratie, am Umgang mit all ihren Menschen: Auch Vertretungen von Minderheiten müssen so ausgestattet sein, dass ihre demokratische Teilhabe sichergestellt ist“, sagt Geschäftsleiterin Tank.

Der Policy Brief (PDF, 139 KB) steht auf der Webseite der NDO zum Download bereit.

Über die Neuen Deutschen Organisationen

Die Neuen Deutschen Organisationen sind ein bundesweites Netzwerk von Vereinen und Initiativen, die sich für die Akzeptanz von Vielfalt und gleichberechtigte Teilhabe einsetzen. Die Geschäftsstelle NDO wird gefördert durch die Stiftung Mercator und ist angesiedelt beim Neue Deutsche Medienmacher e.V.

Quelle: Neue Deutsche Organisationen vom 13.09.2017

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