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Migration / Bildungsforschung

KatHO NRW untersucht Bildungsteilhabechancen in der Migrationsgesellschaft

Fünf Jugendliche aus verschiedenen Kulturen verstehen sich gut.
Bild: © Franz Pfluegl - Fotolia.com

Welche Bildungsbestrebungen haben zugewanderte Jugendliche? Welche Rolle spielen Herkunft und Schule bei der Berufswahlorientierung? Das sind Fragen, denen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Katholischen Hochschule NRW in den vergangenen zwei Jahren nachgegangen sind.

Die Ergebnisse ihrer Forschungsarbeit wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Katholischen Hochschule NRW im Forschungsschwerpunkt "Bildung und Diversity" auf einer Fachtagung am 2. Februar 2016 mit pädagogischen Fach- und Leitungskräften diskutieren.

"Soziale Teilhabe an Bildung und die Anerkennung von Unterschieden gewinnen vor dem Hintergrund aktueller demografischer Entwicklungen, im Umgang mit Flucht und Migration, wirtschaftlicher Krisen und zunehmender sozialer Ungleichheit wieder an Bedeutung", sagt die Sprecherin des Forschungsschwerpunktes Prof. Dr. Angelika Schmidt-Koddenberg. Im Bereich Bildung bedürfe es neuer Diskussionen darüber, wie ein Bildungssystem von morgen aussehen kann, das sich an Menschenrechten, Chancengleichheit und sozialer Gerechtigkeit orientiert. Ein Beitrag zu einer nachhaltig gestalteten, demokratischen Migrationsgesellschaft in Deutschland sei die Erforschung von Bildungschancen und die Entwicklung innovativer Handlungsansätze, die soziale Inklusion berücksichtigen. Unter drei Gesichtspunkten haben die Forscherinnen und Forscher der KatHO NRW das Thema betrachtet: "Übergänge im Lebenslauf", "Jugend-Bildungsteilhabe – Lebensräume" und "Bildungsaspirationen von jugendlichen Neuzuwander/-innen aus Südosteuropa".

Jugendliche aus Südosteuropa

In dem Teilprojekt über Bildungsaspirationen von neuzugewanderten Jugendlichen aus Südosteuropa haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zum einen Bildungswege und Bildungserfahrungen in den Herkunfts- und Aufnahmeländern untersucht, zum anderen haben sie die Bildungsbestrebungen der Jugendlichen aus ihrer Sicht wie auch aus Sicht der professionellen Schul- und Migrationssozialarbeit betrachtet. "Bildungsbiografien von Jugendlichen aus südosteuropäischen Ländern verlaufen häufig strukturell in engen Bahnen", erläutert Prof. Dr. Brigitte Hasenjürgen die bisherigen Ergebnisse. "Ein Grund dafür liegt im leistungsorientierten deutschen Schulsystem, das stark nach sozialer und ethnischer Herkunft unterscheidet", so die Vermutung des Forschungsteams, wobei Stigmatisierung und Diskriminierung in Teilen auch von Lehrkräften und Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern mit reproduziert würden.

Übergänge im Lebenslauf

In einem weiteren Teilprojekt haben die Wissenschaftlerinnen eine zentrale Statuspassage im Leben junger Menschen untersucht: den Übergang zwischen Schule und Beruf. Welche Faktoren beeinflussen diesen Prozess? Welche Rolle spielt die Herkunftsfamilie, welche die Schule? In Interviews mit Erstsemestern der Wirtschaftswissenschaften in Köln haben sie erforscht, wie es Studienpionier-/innen – junge Erwachsene, die als erste in ihrer Familie eine Hochschule besuchen – gelingt, ihre Studienziele zu erreichen und ihre Potenziale zu entfalten. "Erste Ergebnisse zeigen, dass familiäre Botschaften sowie die generelle Haltung der Eltern zur Bildung die jungen Menschen in ihren Entscheidungen bedeutsam leiten", sagt Prof. Dr. Petra Ganß. "Es zeigt sich, dass persönliche Ermunterungen relevant sind und dass die Studienwahl eher rational als intrinsisch motiviert ist. Markant ist dabei ein Streben nach sozialem Status und nach Sicherheit." Schule nehme in der Berufswahlorientierung eine eher untergeordnete Rolle ein. Auf der Fachtagung soll nun diskutiert werden, welche Herausforderungen sich im Hinblick auf zukünftige Unterstützungsbedarfe ergeben.

Außerschulische Bildungsorte

Im Teilprojekt "Jugend-Bildungsteilhabe – Lebensräume" geht es vor allem um außerschulische Bildungsorte, zum Beispiel Angebote der Kinder- und Jugendhilfe oder kommerzieller Freizeitangebote. Auch hier sind Teilhabechancen häufig ungleich. "Interviews mit Schülerinnern und Schülern an vier Gesamtschulen sowie Interviews mit pädagogischen Fachkräften haben gezeigt, dass beide Gruppen die außerschulischen Bildungsorte als besondere Räume beschreiben, die Erfahrungen unterschiedlicher Art ermöglichen", erläutert Prof. Dr. Marianne Genenger-Stricker die ersten Ergebnisse. "Räume, die Kinder freiwillig und selbstbestimmt aufsuchen, in denen sie sich ausprobieren können und sich in eigener Regie treffen und austauschen können, ohne von außen bewertet zu werden, haben einen hohen Stellewert." Bemängelt wird unter anderem, dass Kinder aus sozial benachteiligten Familien tendenziell seltener an außerschulischen Bildungsangeboten teilnehmen oder dass Inklusionsanforderungen für Kinder mit Behinderung nicht ermöglicht werden oder es in Bezug auf religiöse Vielfalt noch zu wenige Diversität gebe.

Quelle: Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen vom 26.01.2016

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