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Kinderschutz / Kinder- und Jugendschutz

Welttag gegen Menschenhandel: Schutz von Roma-Jungen als Opfer von Kinderhandel in Deutschland

Ein Junge, der sich verirrt hat, sitzt im Wald und hat verzweifelt den Kopf auf seinen Knien liegen
Bild: rawpixel.com

Zum ersten Mal konnten in Deutschland Mitglieder eines Roma-Familienverbandes des Menschenhandels zur Zwangsprostitution rumänischer Jungen überführt werden. Dank der erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen Polizei und Jugendamt wurden die Väter als Täter in Berlin zu Haftstrafen verurteilt und die Jungen sicher untergebracht. Darauf weisen ECPAT Deutschland e.V. und IN VIA Berlin anlässlich des Welttags gegen Menschenhandel am 30. Juni hin.

Jedes Kind, das sich in Deutschland aufhält, hat unabhängig von seiner Staatsbürgerschaft den Rechtsanspruch auf Schutz vor sexualisierter Gewalt. Kinder und Jugendliche aus Roma-Familien fallen in der Praxis allerdings oft durchs Netz. Einen rumänischen Vater, der seine beiden zu dem Zeitpunkt 12- und 13-jährigen Söhne zur Prostitution im Berliner Tiergarten gezwungen hat, verurteilte das Landgericht letzten Monat zu fünf Jahren und neun Monaten Haft. Weitere Verfahren laufen.

Kinder und Jugendliche aus Roma-Familien fallen oft durchs Netz

Menschenhandel und Zwangsprostitution von Roma-Jungen ist in Berlin seit einigen Jahren ein Phänomen, das Fachkräfte des Kinderschutzes als auch die Polizei und Justiz vor neue Herausforderungen stellt. „Die Jungen sind fremd in Berlin; sie sprechen nicht die deutsche Sprache und stehen in völliger Abhängigkeit von ihren Familien. Ihnen fehlt es daher meist am Opferbewusstsein, ihre Aussagebereitschaft zum Nachteil der sie ausbeutenden Familienangehörigen ist gering. Nur mit einem abgestimmten, schlüssigen und vertrauensvollen Zusammenwirken aller beteiligten Institutionen, allen voran Polizei, Staatsanwaltschaft, Senatsverwaltungen, Jugendämter und Fachberatungsstellen, kann die Herauslösung der Opfer aus ihrem familiären Umfeld und damit aus der Zwangsprostitution gelingen. Einige Erfolge waren bereits zu verzeichnen. Hier gilt es anzusetzen,“ erklärt Martina Millert, Kriminalhauptkommissarin beim LKA Berlin.

Jungen als Betroffene von sexueller Ausbeutung werden bisher übersehen

Das Bundeslagebild Menschenhandel des Bundeskriminalamtes zeigt, dass in Deutschland mit 45 Prozent die meisten ermittelten Opfer von Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung aus Bulgarien und Rumänien stammen. Fast die Hälfte davon ist jünger als 21 Jahre alt. „Dass Roma-Kinder zum Betteln und anderen strafbaren Handlungen von Menschenhändlern genötigt werden, die durchaus Familienmitglieder sein können, ist inzwischen in der Fachwelt angekommen. Doch Jungen als Betroffene von sexueller Ausbeutung werden bisher übersehen. Kinderschutz ist auch am Rande der Gesellschaft notwendig“, so Barbara Eritt, Leiterin der Fachberatungsstelle für Betroffene des Menschenhandels IN VIA Berlin.

Nachhaltige und starke Kinderschutz-Strukturen gegen Kinderhandel in ganz Deutschland

Anlässlich des morgigen Welttag gegen Menschenhandel fordern ECPAT Deutschland und IN VIA daher eine bessere Zusammenarbeit der Behörden. Dr. Dorothea Czarnecki, Referentin zum Schutz vor Menschenhandel bei ECPAT, betont: „Wir freuen uns über die Wirkung des erst im Herbst 2018 verabschiedeten Bundeskooperationskonzeptes 'Schutz und Hilfen bei Handel mit und Ausbeutung von Kindern'. Das Berliner Beispiel zeigt: Die fachlich übergreifende Zusammenarbeit kommt direkt den betroffenen Kindern zugute. Es müssen jedoch noch viel mehr Städte und Landkreise die Initiative ergreifen, damit nachhaltige und starke Kinderschutz-Strukturen gegen Kinderhandel in ganz Deutschland entstehen. Das Verbrechen macht nicht an Bundeslandgrenzen halt. ECPAT unterstützt gerne alle interessierten Landesregierungen und Akteure mit Fortbildungen.“

Weitere Informationen zum Bundeskooperationskonzept 'Schutz und Hilfen bei Handel und Ausbeutung von Kindern' finden sich in der Berichterstattung auf dem Fachkräfteportal der Kinder- und Jugendhilfe.

Welttag gegen Menschenhandel

Seit 2014 rufen die Vereinten Nationen jährlich am 30. Juli den „Welttag gegen Menschenhandel“ aus. Der Aktionstag setzt ein Zeichen gegen Ausbeutung und nimmt auch die Menschen in den Blick, die im Zuge globaler Migrationsbewegungen Opfer von Menschenhandel werden. Die institutionellen Mechanismen zur Erfassung der komplexen Straftaten verdichten sich zunehmend.

Die UN-Generalversammlung beschloss den Welttag gegen Menschenhandel im Jahr 2013. Ein UN-Bericht dokumentierte damals weltweit 40.177 Beispiele aus 152 Ländern. Danach ist ein Drittel der Opfer von Menschenhandel minderjährig. 

Weitere Informationen zum Welttag gegen Menschenhandel stehen bei der Bundeszentrale für politische Bildung zur Verfügung.

Quelle: ECPAT Deutschland e.V. – Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der Kinder vor sexueller Ausbeutung und IN VIA Berlin – Katholischer Verband für Mädchen-  und Frauensozialarbeit für das Erzbistum Berlin e.V. vom 30.07.2019

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