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Gewalt gegen Frauen

„Schutz von Kindheit an“ fordern europäische Jugendvertretungen

Ein Mädchen sitzt allein im Laub auf einem Waldweg in einem Winterwald.
Bild: Andrew Neel Unsplash

Quer durch Europa unterstreichen anlässlich des Internationalen Tages zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen Interessenvertretungen von Mädchen und Frauen die Bedeutung, die einer frühzeitigen Aufklärung und Prävention zukommen muss, um Fällen von Gewalt gegen Frauen und Mädchen entgegenzusteuern.

1999 erklärten die Vereinten Nationen den 25. November zum Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen. Zuvor bereits wurde seit den 1980er Jahren an diesem Tag den 1960 vom dominikanischen Regime ermordeten Schwestern Mirabal gedacht. Wenngleich der Anlass für diesen Tag bereits über ein halbes Jahrhundert zurückliegt, ist die Dringlichkeit, auf Gewalt gegen Frauen und Mädchen hinzuweisen, nach wie vor hoch. So sind in Deutschland über 80% der Opfer häuslicher Gewalt weiblichen Geschlechts und die Zahl der erfassten Delikte überschreitet 140.000. Gleichzeitig diversifizieren sich die Gewaltformen und dringen in den digitalen Raum vor. Die öffentliche Hand reagiert darauf seit Jahren mit unterschiedlichen Maßnahmen, z.B. seit 2013 mit einem Hilfetelefon. Zum diesjährigen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen ruft das Hilfetelefon zur Mitmachaktion #schweigenbrechen auf.

Junge Menschen im Blick

Auch im europäischen Ausland wird dem Problem große Bedeutung beigemessen. Vertreter/-innen der Interessen von Mädchen und Frauen weisen insbesondere auch daraufhin, wie wichtig Aufklärung und Schutz bereits im Kindheits- und Jugendalter ist. So fordert die österreichische Bundesjugendvertretung BJV die Politik auf, präventive Maßnahmen zu setzen, die unterschiedliche Gesellschaftsgruppen erreichen. Dabei müsse ein wesentlicher Fokus auf junge Menschen gelegt und die Unabhängigkeit von Frauen und Mädchen gestärkt werden, sodass sie ein selbstbestimmtes Leben führen können.

Romana Greiner, Sprecherin des BJV-Frauenkomitees: „Jedes Mal, wenn Gewalt gegen Frauen passiert, haben wir als Gesellschaft auf voller Linie versagt. Letztlich speist sich Gewalt an Frauen aus struktureller Benachteiligung und festgefahrenen Rollenbildern. Umso wichtiger ist es, Kindern und Jugendlichen so früh wie möglich Wege zur Konfliktlösung und den Umgang mit Aggressionen abseits von Gewalt aufzuzeigen. Außerdem braucht es Maßnahmen, damit Frauen nicht in die Abhängigkeit von Männern gedrängt werden.“

Italien nutzt europäische Ideen

In Italien setzt die Jugendbehörde Agenzia nationale per i giovani auf die Wirkmacht europäisch konzertierten Handelns. Die Generaldirektorin Lucia Abbinante erklärt: „Wir halten es für notwendig, die europäischen Programme immer weiter zu verbreiten und noch entschlossener auf deren Umsetzung in den Regionen und Kommunen einzuwirken. Wir werden dies tun, indem wir die auf internationaler Ebene entwickelten Instrumente zur Sensibilisierung und Aktivierung der neuen Generationen und aller Akteure auch zu den Themen Gewalt gegen Frauen, Geschlechtergleichstellung und Empowerment von Frauen einbringen und dabei auch verstärkt auf Partner wie Eurodesk und Anci setzen werden. Ab 2021 wird die Agentur in Jugendzentren und Schulen aktiv sein und die Rolle der von der ANG unterstützten Jugendnetzwerke aufwerten, z.B. das digitale Radio und die Juniorbotschafter für europäische Mobilität.“

Theaterstücke zur Prävention in der Schweiz

In der Schweiz engagiert sich seit einem am Amtsgericht Konstanz verhandelten Fall von sexuellem Kindesmissbrauch der Verein Hands Off - Stop Child Abuse für Aufklärung und Prävention vor sexueller Gewalt gegen Kinder. Der Verein hat sich ferner zum Ziel gesetzt, missbrauchte Kinder und Jugendliche zu unterstützen und ihnen zu helfen, zu ihrem Recht zu kommen. Auch sollen weitere Fälle von Kindesmissbrauch ans Tageslicht gebracht werden, so dass die Bevölkerung besser über Kindesmissbrauch sowie dessen Prävention besser aufgeklärt werden kann.

Hands Off setzt sich dafür ein, dass Präventions-Theaterstücke in jedem Kindergarten und jeder Schulklasse obligatorisch aufgeführt werden. So soll erreicht werden, dass nicht nur Kinder, sondern auch Eltern aufgeklärt werden. In über 5.000 Schweizer Primarschulen und 1.800 Kindergärten sollen Theaterstücke aufgeführt werden. Im Kanton Aargau konnten Aufführungen des Theaterstücks „Mein Körper gehört mir“ bereits erfolgreich umgesetzt werden.

Aktuell arbeitet der Verein an entsprechenden Interpellationen, so dass die Prävention und Aufklärung auch in allen weiteren Kantonen, wie am Beispiel des Kantons Basel Stadt, obligatorisch für jede Schulklasse stattfinden kann. Zur weiteren Arbeit gehört auch die Schulung von Lehrern und Pädagogen, um eine adäquate Begleitung in Fällen von Kindesmissbrauchs gewährleisten zu können. Finanziert wird die Arbeit des Vereins durch Spenden.

Quellen: Bundesjugendvertretung und Agenzia nationale per i giovani vom 24.11. und Hands Off - Stop Child Abuse e.V. vom 23.11.

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