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Kinderschutz / Sozialforschung

Projektbericht „Gemeinsam lernen aus Kinderschutzverläufen“

Der am Nationalen Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) angesiedelte Projektbereich „Lernen aus problematischen Kinderschutzverläufen“ verfolgt das Ziel, zur Qualitätsentwicklung im Kinderschutz beizutragen. Die Aktivitäten des Projektbereichs sind darauf ausgerichtet, Wissen über die in der Kinderschutzarbeit bestehenden Herausforderungen und Risiken zu generieren und praxistauglich aufzubereiten. Vor diesem Hintergrund beschäftigten sich die Wissenschaftlerinnen in den vergangenen Jahren unter anderem mit der Entwicklung einer Methode zur Analyse problematischer Kinderschutzverläufe.

Systematische Fallanalysen können wesentlich zur Qualitätsentwicklung im Kinderschutz beitragen, da riskante Denk- und Handlungsmuster oder kritische institutionelle Rahmenbedingungen mit ihrer Hilfe erkannt werden und somit in den Diskurs über Maßnahmen zur Qualitätsentwicklung einfließen können. Die aus den Analysen problematischer Fallverläufe gewonnenen Erkenntnisse können darüber hinaus Fachkräfte für latente Risiken im Kinderschutzhandeln sensibilisieren und somit eine risiko- und fehlersensible Gestaltung der Kinderschutzpraxis unterstützen.

Methode zur Analyse von Kinderschutzfällen

Wesentliche Elemente der Methode Gemeinsam lernen aus Kinderschutzverläufen sind eine System- sowie Beteiligungsorientierung, die auch im Entwicklungsprozess der Methode konzeptionell leitend war. So wird davon ausgegangen, dass sowohl der Analyse- als auch der Lernprozess am produktivsten ist, wenn alle am Fall beteiligten Fachkräfte und Institutionen an der Analyse mitarbeiten. Zudem basiert das methodische Vorgehen auf einem systemorientierten Fehlerverständnis.

Grundlegend ist hierbei, dass die Entstehung von Fehlern sowie Entscheidungen und Handlungen einzelner Personen im Kontext komplexer Zusammenhänge gesehen und verstanden wird. Nicht nur die einzelne Person, auch das organisatorische Design beeinflusst Arbeitsweisen, Entscheidungen und damit Arbeitsergebnisse. Fachkräfte sind Teil institutioneller Systeme, ihr Handeln wird maßgeblich durch äußere Rahmenbedingungen und Vorgaben beeinflusst. Demnach geht es im Analyseprozess nicht um die Zuschreibung von Verantwortung oder „Schuld“ an Einzelne, sondern es wird das gesamte, am Kinderschutzhandeln beteiligte System von Personen und Organisationen in den Blick genommen und anhand rückblickend identifizierbarer kritischer Entscheidungen oder Handlungen nachvollzogen, wie diese entstanden sind. Dementsprechend endet die Analyse nicht mit dem Erkennen einer kritischen oder falschen Entscheidung. Vielmehr wird der rückblickend identifizierte Fehler als Ausgangpunkt genommen, um zu rekonstruieren, wie es dazu gekommen ist und welche individuellen, konzeptionellen oder organisatorischen Faktoren begünstigend waren.

Download des Berichts

Der vorliegende Bericht „Gemeinsam lernen aus Kinderschutzverläufen. Eine systemorientierte Methode zur Analyse von Kinderschutzfällen und Ergebnissen aus fünf Fallanalysen“ stellt sowohl die Erfahrungen und Erkenntnisse vor, die im Zusammenhang mit der Entwicklung dieser Methode gewonnen wurden als auch die Ergebnisse aus fünf Fallanalysen, welche die Wissenschaftlerinnen im Rahmen der Methodenentwicklung mit verschiedenen Jugendämtern durchführen konnten.

Der Projektbericht „Gemeinsam lernen aus Kinderschutzverläufen. Eine systemorientierte Methode zur Analyse von Kinderschutzfällen und Ergebnissen aus fünf Fallanalysen.“ kann auf der Homepage des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen (NZFH) kostenlos bestellt werden und steht dort ebenfalls zum Download bereit.

Quelle: Nationales Zentrum Frühe Hilfen (NZFH)

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