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Qualifizierung

Mädchen und Frauen vor Genitalverstümmelung schützen

Ein Mädchen im weißrosa Kleid steht auf einer Schienentrasse, im Hintergrund Stacheldraht. Vom Mädchen sieht man Kopf und Hals nicht.
Bild: Allef Vinicius – pixabay.com

Der Deutsche Caritasverband, der katholische Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit IN VIA und der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) machen auf Frauen und Mädchen aufmerksam, die weibliche Genitalverstümmelung bzw. -beschneidung über sich ergehen lassen mussten. Die Organisationen haben einen Erklärfilm für Beratungsfachkräfte produziert und veranstalten im Dezember einen Fachtag zum Thema.

Die Frauen leiden ein Leben lang unter den körperlichen und psychischen Folgen dieses Eingriffs. „Bei Genitalverstümmelung handelt es sich um eine schwere Menschenrechtsverletzung“, erklärt Eva Maria Welskop-Deffaa, Vorstand Fach- und Sozialpolitik des Deutschen Caritasverbandes. „Das ist nicht nur in den Herkunftsländern ein Tabu, sondern auch in Deutschland. Zunehmend sind hierzulande medizinische und sozialpädagogische Fachkräfte mit den Nöten betroffener Frauen konfrontiert. Um den Frauen fachgerecht und sensibel helfen zu können, brauchen sie Qualifizierung und Unterstützung.“

Prävention und Aufklärung notwendig

Um gefährdete Mädchen zu schützen, sollte in Schulen und Angeboten der Jugend- und Familienhilfe eine Auseinandersetzung mit dem Thema gefördert und Beratungsangebote ausgebaut werden. „Eltern müssen früh angesprochen werden, zum Beispiel in den Frühen Hilfen. Über Hebammen, Gynäkolog(inn)en und Kinderärzt(inn)en werden nahezu alle Schwangeren und jungen Familien – auch Familien mit Migrations- oder Fluchtgeschichte – erreicht. Alle in diesem Feld Tätigen müssen über weibliche Genitalverstümmelung Bescheid wissen und mit potenziell betroffenen Eltern sensibel dazu ins Gespräch kommen“, fordert Hildegard Eckert, Bundesvorsitzende des SkF.

Genitalbeschneidung ist ein geschlechtsspezifischer Asylgrund

Genitalverstümmelung muss konsequent als geschlechtsspezifischer Asylgrund anerkannt werden. Das gilt sowohl bei bereits durchgeführten als auch bei drohenden Eingriffen nach Rückkehr ins Herkunftsland. Damit betroffene Frauen Schutz erhalten, müssen die Mitarbeitenden im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge für das Thema ausreichend sensibilisiert bzw. geschult sein. Denn Genitalverstümmelung ist komplex: Beschneidungsalter, konkrete Durchführung und damit verknüpfte Erklärungsmuster unterscheiden sich nicht nur zwischen Ländern, sondern zum Teil von Ort zu Ort. „Wenn Frauen in der Anhörung von Genitalverstümmelung berichten, bewerten viele Anhörer/-innen ihren Bericht vorschnell als unglaubhaft“, erklärt Beate Gilles, Vorsitzende von IN VIA Deutschland. „Das darf nicht passieren. Nötig bei diesem stark tabuisierten Thema ist die Befragung durch weibliches Personal und sensibles Nachfragen zum möglichen Vorliegen geschlechtsbezogener Gewalt. Auch, weil die meisten Frauen selbst gar nicht wissen, dass Genitalverstümmelung im Asylverfahren relevant ist.“

Fachtag und Erklärfilm

Im Dezember veranstalten der Deutsche Caritasverband und seine Fachverbände IN VIA und SkF einen digitalen Fachtag zu Female Genital Mutilation_Cutting (FGM_C) und haben einen Erklärfilm für Beratungsfachkräfte produziert.

Quelle: Deutscher Caritasverband vom 25.11.2020

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