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Kinderschutz / Kinder- und Jugendschutz

M-V etabliert dauerhaft „Trau dich!“ zur Prävention sexuellen Kindesmissbrauchs

Mädchen streckt Hand nach vorne
Bild: © nastia1983 - Fotolia.com

Bereits 2016 startete die Initiative „Trau dich!“ als Kooperation mit dem Land Mecklenburg-Vorpommern mit dem Ziel, Mädchen und Jungen über ihre Rechte aufzuklären, ihr Selbstbewusstsein zu stärken und sie zu informieren, wo sie im Bedarfsfall Hilfe finden. Als zweites Bundesland erhielt Mecklenburg-Vorpommern nun die Lizenz zur langfristigen Weiterführung der Initiative.

Kinderrechte, körperliche Selbstbestimmung und sexueller Kindesmissbrauch sind die Themen des Theaterstücks „Trau dich!“, das am 7. Mai in Schwerin vor rund 560 Kindern und ihren Lehrkräften aufgeführt wurde. Das Stück ist zentrales Element der bundesweiten Initiative „Trau dich!“ zur Prävention des sexuellen Kindesmissbrauchs des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

32 Aufführungen in den nächsten zwei Jahren geplant

Das Junge Staatstheater Parchim, die Kinder- und Jugendtheatersparte des Mecklenburgischen Staatstheaters, übernimmt nun mit einem neuen Ensemble die Inszenierung des Theaterstücks. In den nächsten zwei Jahren erreicht die Initiative mit 32 Aufführungen landesweit ca. 9.600 Kinder der Klassen 4-6. Zwischen 2020 und 2022 sind weitere Aufführungen geplant. „Trau dich!“ soll in allen vier Schulamtsbereichen Mecklenburg-Vorpommerns aufgeführt werden. Die langfristige Finanzierung trägt das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern.

Hinschauen und handeln

Bundesministerin Dr. Franziska Giffey betonte : „Die bundesweite Initiative ‚Trau dich!‘ ist gute Präventionsarbeit. Deshalb ist es der richtige Weg, dass Mecklenburg-Vorpommern als zweites Bundesland das Stück mit einem Theater vor Ort weiterführt. Wir wollen, dass jedes Kind erkennen kann, wann Grenzen überschritten oder Regeln missachtet werden. Damit es weiß: Wenn mich jemand so anspricht oder so anfasst oder wenn ich ein komisches Gefühl habe – dann ist das nicht in Ordnung. Dann kann und darf und sollte ich Stopp sagen und mir Hilfe holen. Es muss auch für alle Erwachsenen im Alltag selbstverständlich werden, hinzuschauen und zu handeln, damit jedes Kind frei von sexualisierter Gewalt aufwachsen kann.“

Wichtige Botschaften ohne erhobenen Zeigefinger transportieren

Birgit Hesse, Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern, erklärt: „Dieses Theaterstück ist ein eindrückliches Medium, um ein sensibles Thema an die Kinder heranzutragen und ohne erhobenen Zeigefinger wichtige Botschaften zu transportieren. Die Schülerinnen und Schüler sollen gestärkt und selbstbestimmt durchs Leben gehen, und das Junge Staatstheater Parchim schafft es, ihnen das auf Augenhöhe zu vermitteln.“

Dr. Heidrun Thaiss, Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, merkt anlässlich der Lizenzübergabe an: „Wir freuen uns sehr, dass Mecklenburg-Vorpommern als zweites Bundesland ‚Trau dich!‘ als Präventionsmaßnahme dauerhaft etabliert. Durch die Erteilung der Lizenz zur eigenen Inszenierung und Aufführung des Theaterstücks ‚Trau dich!‘ an das Junge Staatstheater Parchim ist es uns gelungen, die bewährte bundesweite Initiative zur Prävention des sexuellen Kindesmissbrauchs flächendeckend und nachhaltig in einem zweiten Bundesland zu verankern.“

Theater ist ein geeignetes Medium, um sensible Themen zu vermitteln

„Das Mecklenburgische Staatstheater freut sich, mit ‚Trau dich!‘ einen bedeutenden Teil dieser gesellschaftlich wichtigen Initiative zu tragen. Theater ist ein besonders geeignetes Medium, um sensible und tabuisierte Themen zu vermitteln und zum Nachdenken und Handeln anzuregen. Unser Junges Staatstheater Parchim hat aufgrund seiner Spezialisierung viel Erfahrung damit, Theaterstücke für junges Publikum zu inszenieren und freut sich deshalb besonders, die Initiative ‚Trau dich!‘ kreativ zu unterstützen,“ sind sich Lars Tietje, Generalintendant des Mecklenburgischen Staatstheater, und Thomas Ott-Albrecht, Intendant des Jungen Staatstheaters Parchim und Stückführender Regisseur, einig.

Hintergrund

Bis heute kooperieren zehn Bundesländer mit der Bundesinitiative „Trau dich!“: Mecklenburg-Vorpommern, Bremen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein, Sachsen, Baden-Württemberg, Hessen, Hamburg, Bayern und Berlin. Nach Hessen ist Mecklenburg-Vorpommern das zweite Bundesland, das die Umsetzung der Initiative verstetigt hat.

Bundesweit wird die Initiative bis Ende 2022 fortgeführt und neue Bundesländer als Kooperationspartner hinzugewonnen. Bei der Planung und Umsetzung arbeitet die BZgA eng mit den zuständigen Ministerien der Bundesländer und weiteren Partnerinnen und Partnern zusammen.

Weiterführende Informationen

Mit der Verstetigung der Initiative in Mecklenburg-Vorpommern wird die Strategie von „Trau dich!“ weiterverfolgt, Eltern und pädagogische Fachkräfte für das Thema sexueller Missbrauch zu sensibilisieren und sprach- und handlungsfähig zu machen. Im direkten Zusammenhang mit den Aufführungen werden dafür dauerhaft regelmäßig stattfindende Fortbildungsveranstaltungen und Elternabende angeboten sowie das Hilfesystem vor Ort eingebunden.

Alle Eltern erhalten vor den Aufführungen Informationen über das Theaterstück und Hinweise für das Gespräch mit ihren Kindern. Für sie bietet die Initiative „Trau dich!“ einen Eltern-Ratgeber an. Die Lehrkräfte und Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe bilden sich durch Fachberatungsstellen vor Ort weiter. Ein Methodenheft bietet Anregungen zur Vor- und Nachbereitung des Theaterstücks. Eltern und pädagogische Fachkräfte finden alle Informationen auf der Webseite der Initiative.

Das Online-Portal www.trau-dich.de spricht Kinder mit altersgerechten Informationen direkt an.

Für die niedrigschwellige Beratung und Hilfe kooperiert die BZgA mit der kostenfreien, bundesweiten „Nummer gegen Kummer“ (116111), einem Beratungstelefon für Kinder und Jugendliche.

Quelle: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung vom 07.05.2019

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