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Kinderschutz / Kinderrechte

Kindernothilfe: Wir brauchen verpflichtende Kinderschutzkonzepte

Eine Junge sitzt einsam auf einem Schulflur und legt traurig seinen Kopf auf die Knie.
Bild: © Roman Bodnarchuk - fotolia.com

Die Kindernothilfe begrüßt das vom Bundesjustizministerium vorgelegte Reformpaket zur Bekämpfung von sexualisierter Gewalt gegen Kinder. Es seien jedoch noch weitergehende Schritte nötig. So fordert die Kinderrechtsorganisation verpflichtende Schutzkonzepte für Kitas, Schulen, Behörden, Sportvereine, Kirchen und anderen Institutionen.

„Das Reformpaket zur Bekämpfung sexualisierter Gewalt gegen Kinder ist mehr als überfällig, aber es reicht nicht“, kommentiert Jörg Lichtenberg, Kinderschutzexperte der Kindernothilfe, die Pläne von Justizministerin Christine Lambrecht. „Wir brauchen verpflichtende Kinderschutzkonzepte für Kitas, Schulen, Behörden, Sportvereine, Kirchen und andere Institutionen, damit sie sich zu sicheren Orten für Mädchen und Jungen entwickeln.“

Nach offiziellen Angaben haben nur 13 Prozent der Schulen und 22 Prozent der Kitas in Deutschland ein Schutzkonzept. Gerade einmal ein Drittel aller Sportvereine bewertet das Thema Kinderschutz als wichtig. Die unfassbar hohen Zahlen an Verdächtigen im Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach, Münster und Lügde würden deutlich zeigen, welches Ausmaß sexualisierte Gewalt gegen Kinder habe: Der Betroffenenrat geht davon aus, dass in diesem Zusammenhang mehr als eine Million Kinder und Jugendliche Opfer sexualisierter Gewalt geworden sind. „Dieses schreckliche Verbrechen an Kindern kommt nicht vereinzelt vor, sondern es ist ein riesengroßes Problem der gesamten Gesellschaft“, so Lichtenberg weiter. „Wenn wir Kinder wirklich schützen wollen, brauchen wir funktionierende Systeme, in denen Kinder und ihre Bedürfnisse auch wirklich im Mittelpunkt stehen.“

Kinderschutzkonzepte wirken sowohl in der Prävention als auch in der Intervention. Es geht also darum, Mitarbeitende zu qualifizieren, mögliche Gefahren frühzeitig zu erkennen und Maßnahmen zu ergreifen. Es geht aber auch um ein schnelles und vernetztes Handeln der Behörden und Institutionen, wenn sich Mädchen und Jungen akut in Gefahr befinden.

Als eine der größten christlichen Kinderrechtsorganisationen in Europa unterstützt die Kindernothilfe seit mehr als 60 Jahren benachteiligte Mädchen und Jungen auf ihrem Weg in ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben. Sie fördert 595 Projekte und leistet humanitäre Hilfe. Zurzeit schützt, stärkt und fördert die Kindernothilfe mehr als 2 Millionen Kinder und ihre Familien und Gemeinschaften in insgesamt 32 Ländern der Erde, um ihre Lebensbedingungen nachhaltig zu verbessern.

Quelle: Kindernothilfe e.V. vom 02.07.2020

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