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Kinderschutz / Kinder- und Jugendschutz

Kampf gegen Sexuelle Gewalt und für einen zeitgemäßen Jugendmedienschutz

Jungs auf Sofa mit Tablets und Smartphones
Bild: © corepics - fotolia.com

Die Kinder- und Jugendpornografie ist um bis zu 24 Prozent angestiegen. Bei sexuellem Kindesmissbrauch bleiben die Fallzahlen unverändert hoch. Das zeigt die Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) 2017, die heute (08.05.2018) in Berlin vorgestellt wird. Missbrauchsbeauftragter Rörig fordert die Politik zum Handeln auf. Notwendig sei insbesondere ein zeitgemäßer Jugendmedienschutz, um den Kinder- und Jugendschutz im Netz realisieren zu können.

Anlässlich der Bekanntgabe der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) 2017 am 08.05.2018 durch Bundesinnenminister Horst Seehofer fordert der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM), Johannes-Wilhelm Rörig, die Bundesregierung auf, sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche konsequent zu bekämpfen und für einen zeitgemäßen Kinder- und Jugendschutz im Netz einzutreten.

Ausmaß der Gewalt ist erschreckend

„Der Freiburger Fall des 9-jährigen Jungen, der jahrelang von seiner Mutter und ihrem Partner missbraucht und auch anderen Tätern im Internet angeboten wurde, ist leider kein Einzelfall. Immer öfter werden Missbrauchstaten gefilmt und im Darknet verbreitet und getauscht. Besonders erschreckend sind der Anstieg härtester, auch sadistischer Gewaltszenen, sowie die zunehmende Zahl von Missbrauchsabbildungen von Kleinkindern und Babys. Der enorme Anstieg in Deutschland bei sog. Kinderpornografie um 14,5 % und bei sog. Jugendpornografie um 24 % zeigt das erschütternde Ausmaß.

Bei sexuellem Kindesmissbrauch sind die Fallzahlen mit 11.500 Straftaten für das Jahr 2017 im Vergleich zu den Vorjahren (rund 12.000 Fälle in 2016, rund 11.000 Fälle in 2015) weitgehend unverändert geblieben. Das Dunkelfeld ist um ein Vielfaches größer. Wir müssen deshalb davon ausgehen, dass sich der Missbrauch tausender Kinder unerkannt fortsetzt.“

Gefahren sexueller Gewalt mittels digitaler Medien

Auch die Gefahren sexueller Gewalt mittels digitaler Medien steigen. Darauf weist Rörig explizit hin. Rund 95 % aller Mädchen und Jungen ab 12 Jahre hätten ein internetfähiges Smartphone. In Spielen und Chats würden sie im Netz unkontrolliert agieren und kommunizieren. Dabei würden sie zunehmend mit Sexting-Bildern bloßgestellt und erpresst, sind Cybergrooming ausgesetzt oder werden ungewollt mit Pornografie konfrontiert.

„Aktuelle Studien bestätigen diese Entwicklung. Es wäre skandalös, wenn die Bundesregierung jetzt nicht endlich alle gesetzlichen, personellen und finanziellen Möglichkeiten ergreift, um sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche besser zu bekämpfen und die großen Lücken beim Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt zu schließen,“ sagte Rörig. 

Jugendmedienschutz modernisieren und IT-Wirtschaft verpflichten

Der Jugendmedienschutz müsse dringend modernisiert und die IT-Wirtschaft auch gesetzlich verpflichtet werden, den Kinder- und Jugendschutz im Netz zu realisieren. Zusätzlich fordert der Unabhängige Beauftragte eine umfassende Qualifizierung und Aufstockung des Personals bei Justiz und Strafverfolgung und die rechtliche und technische Verbesserung der Ermittlungsmöglichkeiten, zum Beispiel durch die Einführung einer Versuchsstrafbarkeit bei Cybergrooming. Sexualstraftäter dürften sich nicht mehr sicher fühlen. 

Zahlen und Fakten 

Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) weist für die Verbreitung, den Erwerb, den Besitz und die Herstellung von sog. kinderpornografischen Schriften für das Jahr 2017 6.500 Fälle aus (das sind 14,5 % mehr als in 2016) und  hinsichtlich der Verbreitung von sog. jugendpornografischen Schriften 1.300 Fälle (das sind 24 % mehr als in 2016).
Im Jahresbericht 2017 der Internet Watch Foundation (IWF) wird darauf hingewiesen, dass die Anzahl der aufgefundenen Websites mit sog. kinderpornografischen Inhalten im Vergleich zum Vorjahr um 35 % gestiegen ist, im Vergleich zu 2014 hat sie sich mehr als verdoppelt (von rund 31.000 Websites im Jahr 2014 auf rund 68.000 Websites im Jahr 2016 und auf über 80.000 Websites im Jahr 2017). Nach Angaben der IWF zeigen 35 % der kinderpornografischen Websites Vergewaltigungen oder sexualisierte Folter von Kindern, 55 % der abgebildeten Kinder sind unter 10 Jahre alt und 2 % der Kinder jünger als 2 Jahre. 86 % der Kinder sind Mädchen. Weitere Informationen zur Internet Watch Foundation und dem Annual Report 2017 stehen online zur Verfügung.   

Der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) verweist anlässlich der PKS 2017 auch auf sein Programm „JETZT HANDELN“ zur konsequenten Bekämpfung von Kindesmissbrauch und seinen Folgen.

Ausführliche Informationen zur Polizeilichen Kriminalstatistik 2017 finden sich auf der Webseite des Bundesinnenministeriums. 

Quelle: Unabhänger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs vom 08.05.2018

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