Sie sind hier: Startseite  Im Fokus  Kinderschutz

Kinderschutz / Kinderrechte

Härtere Strafen bei sexualisierter Gewalt – Kindernothilfe fordert verpflichtende Kinderschutzkonzepte

Eine Schwester umarmt ihren kleineren Bruder, der traurig schaut
Bild: Annie Spratt - unsplash.com   Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter

Derzeit haben lediglich 13 Prozent der Schulen und 22 Prozent der Kitas in Deutschland ein Schutzkonzept. Darauf weißt die Kindernothilfe hin und fordert sichere Orte für Mädchen und Jungen in allen Gesellschaftsbereichen. Aus Sicht der Kinderrechtsorganisation braucht es funktionierende Systeme, die Kinder und ihre Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellen.

„Das Reformpaket zur Bekämpfung sexualisierter Gewalt gegen Kinder ist mehr als überfällig, aber es reicht nicht“, kommentiert Jörg Lichtenberg, Kinderschutzexperte der Kindernothilfe, die Pläne von Justizministerin Christine Lambrecht. „Wir brauchen verpflichtende Kinderschutzkonzepte für Kitas, Schulen, Behörden, Sportvereine, Kirchen und andere Institutionen, damit sie sich zu sicheren Orten für Mädchen und Jungen entwickeln.“

Sexualisierte Gewalt ist ein gesamtgesellschaftliches Problem

Nach offiziellen Angaben haben nur 13 Prozent der Schulen und 22 Prozent der Kitas in Deutschland ein Schutzkonzept. Gerade einmal ein Drittel aller Sportvereine bewertet das Thema Kinderschutz als wichtig. Die unfassbar hohen Zahlen an Verdächtigen im Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach, Münster und Lügde würden deutlich zeigen, welches Ausmaß sexualisierte Gewalt gegen Kinder habe: Der Betroffenenrat geht davon aus, dass in diesem Zusammenhang mehr als eine Million Kinder und Jugendliche Opfer sexualisierter Gewalt geworden sind. „Dieses schreckliche Verbrechen an Kindern kommt nicht vereinzelt vor, sondern es ist ein riesengroßes Problem der gesamten Gesellschaft“, so Lichtenberg weiter. „Wenn wir Kinder wirklich schützen wollen, brauchen wir funktionierende Systeme, in denen Kinder und ihre Bedürfnisse auch wirklich im Mittelpunkt stehen.“

Gefahren frühzeitig erkennen und Maßnahmen ergreifen

Kinderschutzkonzepte wirken sowohl in der Prävention als auch in der Intervention. Es geht also darum, Mitarbeitende zu qualifizieren, mögliche Gefahren frühzeitig zu erkennen und Maßnahmen zu ergreifen. Es geht aber auch um ein schnelles und vernetztes Handeln der Behörden und Institutionen, wenn sich Mädchen und Jungen akut in Gefahr befinden.

Als eine der größten Kinderrechtsorganisationen in Europa unterstützt die Kindernothilfe seit mehr als 60 Jahren benachteiligte Mädchen und Jungen auf ihrem Weg in ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben. In Deutschland schult und berät die Kindernothilfe unter anderem Organisationen und Sportvereine bei der Entwicklung und Umsetzung von Kinderschutzkonzepten.

Weitere Informationen zu den aktuellen Vorschlägen des Bundesjustizministeriums zur Bekämpfung von sexualisierter Gewalt finden sich auf dem Fachkräfteportal der Kinder- und Jugendhilfe.

Quelle: Kindernothilfe e.V. vom 02.07.2020

Info-Pool