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Prävention

Gute Noten für Tandem-Fortbildung zu sexueller Gewalt

Drei Personen unterhalten sich in einem Büro
Bild: rawpixel.com

Der Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs soll in Beratungsstellen und Ämtern verbessert werden. Mit dem neuartigen Modell der „Tandem-Fortbildung zu sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche“ gelingt dies.

Die neue Fortbildung richtet sich speziell an Fachkräfte in Erziehungsberatungsstellen und im Allgemeinen Sozialen Dienst der Jugendämter. Das Forschungsinstitut zu Geschlechterfragen, kurz SoFFI F., hat das Modell evaluiert und schätzt die Fortbildung als sehr wirksam ein.

Entwickelt hat die Tandem-Fortbildung die Deutsche Gesellschaft für Prävention und Intervention bei Kindesmisshandlung, -vernachlässigung und sexualisierter Gewalt (DGfPI e.V.) mit Sitz in Bayern, dort wurde sie auch erprobt. Das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales hat sie gefördert.

Zusammenarbeit Beratungsstellen und Ämter stärken

Der Umgang mit (Verdachts-)Fällen sexuellen Missbrauchs in Beratungsstellen und Ämtern wird dann deutlich besser, wenn sowohl eine professionelle Fachlichkeit als auch eine gute und vertrauensvolle interinstitutionelle Kooperation gegeben ist. Diese Erkenntnis war Anlass dafür, eine Fortbildung auf den Weg zu bringen, die auf diese Art der Zusammenarbeit setzt.

Im Februar 2021 legte SoFFI F. die Ergebnisse der Evaluation vor. Sie bescheinigen der Fortbildung eine hohe Wirksamkeit und Stimmigkeit.

Regionale Tandems fortgebildet

Eine Besonderheit der Fortbildung ist der Zuschnitt auf erfahrene Fachkräfte in Erziehungsberatungsstellen und im Allgemeinen Sozialen Dienst der Jugendämter, die mit Fällen sexuellen Missbrauchs befasst sind und die dabei regional kooperieren. Sie wurden als (regionale) „Tandems“ fortgebildet.

Bei dieser speziellen Zielgruppe liegt ein primärer methodischer Schwerpunkt der Fortbildung auf der Arbeit mit den Erfahrungen, auf Übungen, Austausch und Reflexion im Sinn einer Arbeit an der Haltung als Daueraufgabe sowie bei der Perspektivenübernahme bezogen auf betroffene Kinder, Jugendliche und Erwachsene - und nicht auf der Vermittlung von elementaren Wissensgrundlagen.

Ein weiterer methodischer Schwerpunkt liegt auf dem Austausch institutioneller Perspektiven unter Anerkennung institutioneller Grenzen. Dies wurde unterstützt durch eine integrierte Praxisaufgabe und die Anmeldung als Tandem. Die Durchführung der Fortbildung durch Fachkräfte aus den regionalen, spezialisierten Fachberatungsstellen ist ebenfalls eine Besonderheit des Konzepts.

Kompetenzgewinn und Kooperation stärken

Die beiden Ziele Kompetenzgewinn und Kooperation zwischen Institutionen wurden laut SoFFI F. in hohem Maße erreicht. Zum einen gibt es einen Kompetenzgewinn für den Umgang mit (Verdachts-)Fällen und einen Abbau hemmender Gefühle. Zum anderen wurde interinstitutionelle Kooperation deutlich verbessert.

Ein weiteres Ergebnis: Für die Teilnehmenden an der Fortbildung brachten die Fachkräfte aus den spezialisierten Fachberatungsstellen eine große Fülle an Erfahrungen ein, bedingt durch die bei ihnen vorhandene hohe Fallhäufigkeit und -dichte. Dadurch konnten sie eine klare Haltung vermitteln, was wiederum zu einer wertschätzenden und produktiven Arbeitsatmosphäre führte.

Bestnoten gab es von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern für die Kompetenz der Fachkräfte.

Der DGfPI e.V. wird dieses Erfolgsmodell weiter ausbauen und bundesweit anbieten.

Quelle: Evangelische Hochschule Freiburg vom 08.03.2021

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