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Kinderschutz / Kinder- und Jugendschutz

Bremen kooperiert mit der Initiative „Trau dich!“ zur Prävention von sexueller Gewalt

Mädchen streckt Hand nach vorne
Bild: © nastia1983 - Fotolia.com

Als zehntes Bundesland hat sich Bremen der Initiative „Trau dich!“ angeschlossen. Die Landestour des gleichnamigen Theaterstücks für Kinder ist im Bremer Kulturzentrum Schlachthof gestartet. Ziel von „Trau dich!“ ist es, Mädchen und Jungen über ihre Rechte aufzuklären, ihr Selbstbewusstsein zu stärken und sie zu informieren, wo sie im Falle eines Übergriffs Hilfe finden.

Kinderrechte, körperliche Selbstbestimmung und sexueller Kindesmissbrauch sind die Themen des Theaterstücks „Trau dich!“, das am 20. Februar in Bremen vor rund 500 Kindern und ihren Lehrkräften aufgeführt wurde. Das Stück ist zentrales Element der bundesweiten Initiative „Trau dich!“ zur Prävention des sexuellen Kindesmissbrauchs des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Die Schirmherrschaft für Bremen haben Anja Stahmann, Senatorin für Soziales, Jugend, Frauen, Integration und Sport, und Dr. Claudia Bogedan, Senatorin für Kinder und Bildung, übernommen.

Starke Strukturen für Schutz, Prävention und Intervention

Bundesministerin Dr. Franziska Giffey betont dazu: „Mit der dauerhaften Einrichtung des Amtes einer oder eines Unabhängigen Beauftragten der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs Ende des vergangenen Jahres haben wir für starke Strukturen für Schutz, Prävention und Intervention auf Bundesebene gesorgt. Wir wollen, dass jedes Kind erkennen kann, wann Grenzen überschritten oder Regeln missachtet werden. Damit es weiß: Wenn mich jemand so anspricht oder so anfasst oder wenn ich ein komisches Gefühl habe – dann ist das nicht richtig. Es muss auch für alle Erwachsenen im Alltag selbstverständlich werden, hinzuschauen und präventiv zu handeln, damit jedes Kind frei von sexualisierter Gewalt aufwachsen kann. ‚Trau dich!‘ ist ein gutes Beispiel dafür, wie gute Präventionsarbeit gelingen kann.“

Theateraufführungen, Fortbildungen und Infoabende

Für 2019 sind drei weitere Theateraufführungen in Bremen und Bremerhaven geplant, mit denen die Initiative ca. 2.000 weitere Kinder aus den 6. Klassen direkt erreichen wird.

Um auch die Eltern und pädagogischen Fachkräfte anzusprechen, werden für etwa 200 Lehrkräfte der beteiligten Schulen vier Fortbildungsveranstaltungen angeboten sowie Informationsabende für Eltern durchgeführt.

Alarmsignale rechtzeitig bemerken

„Fast 12.000 Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern hat die polizeiliche Kriminalstatistik im Jahr 2017 erfasst, und die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen“, sagt Anja Stahmann, Senatorin für Soziales, Jugend, Frauen, Integration und Sport. „Wir sind gut beraten, unseren Kindern das Rüstzeug mitzugeben, damit sie Alarmsignale rechtzeitig bemerken – und sich frühzeitig bemerkbar machen. Einen wichtigen Beitrag dazu erhoffe ich mir von der Initiative ,Trau dich!‘ und dem gleichnamigen Theaterstück.“

Hilfsstrukturen müssen überall ansetzen

„Körperliche und seelische Gewalt gehören nicht in ein Kinderleben – in kein Leben. Doch leider ist sexuelle Gewalt traurige Realität. Sie findet in allen gesellschaftlichen Zusammenhängen statt. Das bedeutet: Prävention und wirksame Hilfsstrukturen müssen überall ansetzen – im Elternhaus, im Sportverein, im religiösen Bereich, in Kitas und Schulen. Verdachtsfälle dürfen nicht verschwiegen werden, Kinderschutz muss oberste Priorität haben. Die Initiative ‚Trau dich!‘ möchte Kinder über ihre Rechte und den Schutz, den sie vor sexueller Gewalt einfordern können, aufklären. Sie möchte ihnen Mut machen und ihr Selbstbewusstsein stärken. Lehrkräfte sind dabei wichtige Partner, die zu einer Kultur des Hinschauens beitragen und helfen können, das Thema zu enttabuisieren. ‚Trau dich!‘ erreicht Kinder und Jugendliche über das Theater und viele weitere Angebote auch für Lehrkräfte und Eltern. Ein Ansatz, der überzeugt“, so Dr. Claudia Bogedan, Senatorin für Kinder und Bildung.

Eltern und Fachkräfte aktiv einbinden

Dr. Heidrun Thaiss, Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), betont: „Unsere langjährigen Erfahrungen zeigen, dass wir mit der Initiative Kinder, Eltern und Schulen erreichen – und zwar nachhaltig. ‚Trau dich!‘ bestärkt Mädchen und Jungen darin, sich jemandem anzuvertrauen, wenn ihnen Dinge widerfahren, die sich nicht ‚richtig‘ anfühlen und Ängste hervorrufen. Da Kinder in solchen Situationen aber nicht alleine gelassen werden dürfen, binden wir Eltern und Lehrkräfte aktiv über Elternabende, Fortbildungen und Infomaterial ein. Denn sie tragen die Verantwortung, Kinder über sexualisierte Gewalt aufzuklären und sie davor zu schützen.“

Weitere Infos zur Initiative

Bremen ist nach Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein, Sachsen, Baden-Württemberg, Hessen, Hamburg, Bayern, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin das zehnte Bundesland, das mit der Bundesinitiative „Trau dich!“ kooperiert. Bundesweit wird die Initiative bis Ende 2022 fortgeführt. Dadurch können bei Bedarf weitere Aufführungen in Bremen umgesetzt und neue Bundesländer als Kooperationspartner hinzugewonnen werden. Die BZgA arbeitet bei der Umsetzung eng mit den zuständigen Ministerien der Bundesländer und mit weiteren Partnern zusammen.

Die ARD-Moderatorin Caren Miosga unterstützt die Initiative „Trau dich!“ als Botschafterin. Sie sagt: „Als Mutter weiß ich, wie schwierig es sein kann, für das Thema Missbrauch die richtigen Worte zu finden. Genau hier hilft die Initiative ‚Trau dich!‘. Eltern erfahren, wie sie mit ihren Kindern offen über Gefühle, Grenzüberschreitungen und sexuellen Missbrauch reden können. Das stärkt das Selbstbewusstsein unserer Kinder – und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich eher jemandem anvertrauen.“

Alle Eltern erhalten vor den Aufführungen Informationen über das Theaterstück und Hinweise für das Gespräch mit ihren Kindern. Für sie bietet die Initiative „Trau dich!“ einen Eltern-Ratgeber an.

Die Lehrkräfte und Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe bilden sich durch auf sexualisierte Gewalt spezialisierte Fachberatungsstellen vor Ort weiter. In einem eigens für sie entwickelten Methodenheft erhalten sie Anregungen zur Vor- und Nachbereitung des Theaterstücks. Eltern und pädagogische Fachkräfte finden alle Informationen auf der Webseite der Initiative: www.trau-dich.de/multiplikatoren.

Das Online-Portal www.trau-dich.de spricht Kinder mit altersgerechten Informationen direkt an. In einer Datenbank finden sie Beratungsstellen und Hilfsangebote in ihrer Nähe. Broschüren mit dem Titel „Du bist stark!“ für Mädchen und Jungen motivieren die Kinder, den eigenen Gefühlen zu vertrauen und sich an eine Vertrauensperson zu wenden. Für die niedrigschwellige Beratung und Hilfe kooperiert die BZgA mit der kostenfreien, bundesweiten „Nummer gegen Kummer“ (116111), einem Beratungstelefon für Kinder und Jugendliche.

Quelle: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung vom 20.02.2019

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