Junge Flüchtlinge / Freiwilliges Engagement

Wie geflüchtete Kinder erfolgreich integriert werden können

Junge Menschen unterschiedlicher Herunft sitzen an Tischreihen in einer Lernsituation
Bild: PH Schwäbisch Gmund Das Trainingskonzept wird in allen vier Projektländern angeboten und je nach Land angepasst.

Zahraa ist selbst von Syrien nach Deutschland geflüchtet. Nun arbeitet sie in Berlin bei Back on Track e.V. und hilft ehrenamtlich geflüchteten Kindern beim Lernen. Was Flucht und das Ankommen in einem neuen Land bedeuten, weiß sie. Wie sie mit Kindern, die ähnliches erlebt haben, umgehen und zu einer Wegbegleiterin einer gelungenen Integration werden kann, lernen sie und elf weitere geflüchtete Tutoren aus Syrien mithilfe des Trainingskonzepts ENABLE.

Das Trainingskonzept ist ein europaweites Erasmus+-Projekt der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd in Kooperation mit der Universität Gävle in Schweden, der Universität Mugla in der Türkei, der Universität von Kalabrien in Italien und dem Back on Track e.V. aus Berlin.

Das Konzept zeigt eine ebenso einfache wie einleuchtende Lösung für die Herausforderung der Integration auf: Arabische Muttersprachler/-innen, die selbst geflüchtet sind, unterstützen geflüchtete Kinder. Das Konzept wird dabei je nach Land angepasst. Denn jedes Land hat seine eigenen Baustellen. Gibt es z.B. in Schweden schon muttersprachlichen Unterricht in der Schule, ist das in Deutschland oder Italien eher die Ausnahme.

Hilfe zur Selbsthilfe

In den dreitägigen psychologischen und pädagogischen Schulungen, die die Projektkoordinatoren Juniorprofessor Dr. Gernot Aich, Juniorprofessorin Dr. Miriam Stock und Karsten Richert von der Gmünder PH in den vier Projektländern anbieten, lernen die geflüchteten Lehrer/-innen und ehrenamtlichen Helfer/-innen, wie sie mit traumatisierten Kindern umgehen, wie sie Konflikte lösen und welche Strategien das Lernverhalten verbessern können. Das sind drei der sechs Module, die das Konzept umfasst.

Der Tenor ist durchgehend positiv. „Ich habe den Eindruck, dass meine Arbeit mit den Kindern durch das Training professioneller wird. Das Wissen über Lernprozesse und Psychologie hilft mir dabei sehr. Ich wünschte, es hätte zu meiner Zeit auch schon ein solches Konzept gegeben“, sagt ein Teilnehmer aus Berlin. Ähnliche Rückmeldungen erhielten die Koordinatoren aus Kalabrien, wo sie im Juni einen Workshop veranstalteten. Die 18 „cultural mediators“ und Studierenden aus Ägypten, Libyen, Marokko, Tunesien und Syrien arbeiten in Kalabrien in verstreuten Aufnahmezentren mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen zusammen. „Die Teilnehmerinnen stehen bei ihrer Arbeit vor vielen ungelösten Fragen, zum Beispiel was Konflikte in der Schule angeht. Darum ist es wichtig, dass ihnen dafür das geeignete pädagogische Werkzeug zur Verfügung gestellt wird“, erklärt Aich die Bedeutung, Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. Im September bieten die Projektkoordinatoren den Workshop in Schweden an, auf dessen Ergebnisse sie bereits jetzt gespannt sind.

Quelle: Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd vom 02.07.2018

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