Junge Flüchtlinge / Migration

Transnationale Familien, Familienzusammenführung und Integration im Kontext von Flucht

Holzfiguren stehen auf zwei Seiten einer Barriere aus einer Holzlatte.
Bild: © Андрей Яланский - fotolia.com

Neue Perspektiven auf Integrationsprozesse und Familienzusammenführung durch den Fokus auf die transnationale Eingebundenheit von Familien und Individuen standen im Mittelpunkt eines Workshops am 13. März 2019 in Bonn. Das BICC lud dazu in Kooperation mit der Evangelischen Migrations- und Flüchtlingsarbeit Bonn/Integrationsagentur (EMFA) Vertreterinnen und Vertreter aus Praxis und Wissenschaft zum Erfahrungsaustausch ein.

An dem transdisziplinären Workshop in Bonn nahmen rund 30 Personen, darunter Aktive aus sozialer Arbeit, verschiedenen Beratungsstellen und Integrationsagenturen, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Unterkünften teil.

Trennung erschwert die Integration

Die Diskussion hob die wichtige Rolle der Familienzusammenführung für die Integration hervor. Fälle aus der Praxis belegen, dass Integration erschwert wird, wenn das Getrenntsein eine große psychische Belastung darstellt, etwa wenn ein Elternteil und einige Geschwister hier, die anderen aber in Flüchtlingscamps weit entfernt von Deutschland leben. Die Notwendigkeit, solche Familienmitglieder finanziell zu unterstützen, kann dazu führen, dass Geflüchtete hier keine Aus- oder Weiterbildung, sondern Stellen im Niedriglohnsektor aufnehmen, um Geld zu verdienen. Häufig ändern sich Familienbeziehungen durch die Trennung und es kann zur Entfremdung zwischen den Familienmitgliedern kommen.

Transnationalität: Alltag für Geflüchtete

Mit all ihren Herausforderungen ist Transnationalität, also die Eingebundenheit der Menschen über nationalstaatliche Grenzen hinweg, normaler Alltag für Geflüchtete. Allerdings beobachteten die Workshop-Teilnehmenden Unterschiede zwischen Eltern und Kindern, was ihre transnationale Eingebundenheit und Integration angeht. So kann sich für die Eltern das Ankommen schwieriger gestalten und sie sind eher bemüht, transnationale Kontakte aufrecht zu halten. Kinder hingegen finden sich schneller zurecht. Sie engagieren sich im neuen sozialen Umfeld und wollen bleiben. Dies führe dazu, dass sie oft Rollen einnehmen müssen, die sie auch überfordern können – etwas als ständiger Dolmetscher für die Eltern.

Integration bedeutet Teilhabe und Interaktion

Die Teilnehmenden aus Wissenschaft und Praxis stimmten darüber überein, dass das Verständnis für gegenseitige Beeinflussung von Transnationalismus und Integration verbessert werden muss. So muss Integration als Interaktion und Teilhabe verstanden werden, nicht als stufenweiser Prozess mit dem Ziel der Assimilation. Wichtig für dieses Umdenken ist auch der kontinuierliche Austausch von Wissenschaft und Praxis. Die Workshop-Teilnehmenden äußerten den Wunsch nach intensiverem Austausch bei spezifischen Themen sowie dialogische, interaktive Formate, die Austausch auf Augenhöhe ermöglichen.

Zum Hintergrund

Der Workshop war Bestandteil des BICC-Forschungsprojekts „Zwischen Bürgerkrieg und Integration - Die Aufnahme von Flüchtlingen als Herausforderung und Chance für den gesellschaftlichen Wandel in NRW“, das vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW gefördert wird.

Quelle: Bonn International Center for Conversion (BICC) vom 18.03.2019

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