TRAILS

Neues Projekt zur Förderung traumabelasteter Schüler/-innen mit Fluchterfahrung

Jugendlicher afrikanischer Herkunft sitzt mit dem Kopf auf die Knie gestützt an einer Mauer auf der Strasse.
Bild: © Daniel Ernst - fotolia.com

Kinder und Jugendliche, die Krieg und Flucht ausgesetzt sind, zeigen ein erhöhtes Traumatisierungsrisiko und bedürfen einer besonders sensiblen und fachkompetenten pädagogischen Zuwendung und Unterstützung. Wie diese aussehen kann und wie traumabelastete Schüler/-innen optimal gefördert werden können, wird nun im neuen Projekt „TRAILS“ des Instituts für Bildungsforschung der Bergischen Universität Wuppertal untersucht.

Die Wissenschaftler Prof. Dr. Friedrich Linderkamp und Prof. Dr. Gino Casale erhalten dafür eine Förderung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der Förderlinie „Förderbezogene Diagnostik in der inklusiven Bildung“ in Höhe von rund 545.000 Euro.

Nicht zuletzt durch die menschenrechtsverletzende politische Situation in vielen Staaten der Erde (z. B. in Afghanistan oder Syrien) flüchten viele junge Menschen aus ihren Heimatländern. In Deutschland wurden 2019 knapp 166.000 Asylanträge gestellt, davon 50,5 Prozent von Kindern und Jugendlichen bis zu 18 Jahren aus Krisen- und Kriegsgebieten, die von Menschenhandel, krimineller oder sexueller Ausbeutung und kriegerischer Zwangsrekrutierung betroffen sind.

Bestandsaufnahme der Erfahrungen und Bedarfe

Diese Kinder und Jugendlichen stellen eine große Herausforderung im inklusiven Schulsystem dar. Allerdings fehle es im deutschsprachigen Raum zum einen an einer Bestandsaufnahme der Erfahrungen und Bedarfe von Lehrkräften, Schüler/-innen und Eltern in Bezug auf den Umgang mit Traumata in der Inklusion. Zum anderen existierten keine evidenzbasierten Konzepte zur Diagnostik und Förderung bei traumatisierten Schüler/innen“, erklärt Prof. Dr. Gino Casale.

In TRAILS ( Traumasensitive Diagnostik und Förderung in inklusiven Schulen) prüfen die Forschenden durch qualitative Interviews sowie eine quasi-experimentelle Kontrollgruppenstudie, welche Erfahrungen und Bedarfe Lehrkräfte, Schüler/-innen und Eltern in Bezug auf traumasensible Diagnostik und Förderung in inklusiven Schulen haben, inwiefern sich ein partizipativ entwickeltes integriertes System aus Methoden zur traumasensiblen Diagnostik und Förderung in inklusiven Schulen implementieren lässt und welche Effekte sich in Bezug auf die Emotionsregulation und die psychosoziale Gesundheit der Schüler/-innen sowie auf das kultursensible Klima in der Klasse zeigen.

Methoden werden kostenfrei zur Verfügung gestellt

„Primäre Zielgruppe dieses Projektes sind Schüler/-innen an inklusiven Haupt-, Real- und Gesamtschulen, die aufgrund von traumatischen Fluchterfahrungen ein erhöhtes Risiko für psychische Störungen aufweisen sowie deren Lehrkräfte und Eltern“, so Prof. Dr. Linderkamp.

Die im Projekt entwickelten Methoden sollen Lehrkräften und Schüler/-innen als Open Educational Resource (OER) am Ende der Studie kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Kooperationspartner in diesem Projekt sind das Schulamt der Stadt Wuppertal, das Institut Trauma und Pädagogik in Mechernich-Firmenich unter Leitung von Hedi Gies sowie die University of Massachusetts, Amherst (USA).

Quelle: Bergische Universität Wuppertal vom 27.10.2021

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