Junge Flüchtlinge / Bildungspolitik

HonigHelden: Kunsttherapie mit Flüchtlingskindern in Hamburg

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Bild: weinstock / pixabay.com

Stefanie Graf, Vorsitzende der Stiftung "Children for tomorrow", und Schulsenator Ties Rabe haben in einer Hamburger Schule das gemeinsame Pilotprojekt "HonigHelden – Kinder für morgen stark machen" gestartet. Ziel dieses bundesweit einmaligen Projektes ist es, traumatisierten Kindern mit Fluchterfahrung Therapie-Angebote zu machen. Aus den Erfahrungen soll innerhalb von drei Jahren ein Konzept entwickelt werden, das eine Übertragung von sinnvollen Maßnahmen auf andere Grundschulen ermöglicht.

HonigHelden – Kinder für morgen stark machen

Schülerinnen und Schüler mit Fluchterfahrung kommen mit vielfältigen Problemen an Hamburgs Schulen. Einige haben traumatisierende Erlebnisse im Heimatland oder auf der Flucht hinter sich, darüber hinaus müssen sich alle Kinder in eine komplett neue sprachliche oder kulturelle Umgebung einfinden. Gerade bei Kindern können diese Belastungen soziale und psychische Folgen haben.

Schulsenator Ties Rabe: "Mit diesem gemeinsamen Projekt wird Pionierarbeit geleistet, die die Kompetenzen von Schule, ReBBZ und ‚Children for tomorrow‘ sinnvoll zusammen bringt. Davon werden viele Schülerinnen und Schüler mit Fluchtgeschichte profitieren."
Stefanie Graf, Vorsitzende der Stiftung "Children for tomorrow": "Wichtig ist, dass hier Hilfe vor Ort im gewohnten Umfeld der Schülerinnen und Schüler geleistet wird und die niederschwelligen Therapieangebote in den Schulalltag integriert werden. Auch die Eltern werden in nachfolgende  Einzeltherapien einbezogen. Das ist essentiell für den Erfolg unseres Projekts ‚Honighelden‘."

Schule als sicherer Ort

Für das gemeinsam von Schulbehörde und Stiftung getragene Pilotprojekt wurde als Standort die Grundschule Osterbrook im Stadtteil Hamm ausgewählt, die auch das Regionale Bildungs- und Beratungszentrum ReBBZ Hamburg-Mitte beheimaten wird. So sind Beratungs- und Therapiekompetenz bereits vor Ort.  Das Projekt "HonigHelden" soll geflüchtete Kinder im Grundschulalter erreichen. Es soll den Kindern stabilisierende Hilfe in Gruppenangeboten bieten, damit sie psychisch gestärkt werden. In therapeutischen Einzelbehandlungen im vertrauten Umfeld können psychisch Erkrankte darüber hinaus geheilt werden und chronische Erkrankungen vermieden werden.

Für alle Kinder, unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus, besteht in Hamburg Schulpflicht und sie haben daher ein Anrecht auf einen Schulplatz. Schule wird als sicherer Ort und Konstante im Leben mit einschätzbaren Strukturen und Regeln sowie vertrauensvollen Bezugspersonen erlebt. Sie bietet eine kindgerechtere Umgebung als in den Folgeunterkünften. In der Schule sind alle Kinder uneingeschränkt erreichbar, eine Therapie kann in sicherem und vertrautem Umfeld stattfinden und das ganze Netzwerk aus Therapeuten, Eltern und Lehrern kann in den therapeutischen Prozess eingebunden werden.

Aktuell 1.513 Grundschüler mit Fluchthintergrund in BK / IVK

In Hamburg ist die Anzahl der Lerngruppen und Vorbereitungsklassen für zugereiste Kinder im Grundschulalter auf aktuell  28 Basisklassen mit 275 Schülern und 99 Internationalen Vorbereitungsklassen mit 1.238 Schülern (nur Grundschulen) angestiegen. In Basisklassen werden Kinder beschult, die noch nicht alphabetisiert sind. Internationale Basisklassen (IVK) werden in der Regel für ein Jahr besucht, um die deutsche Sprache und das Leben in Deutschland kennenzulernen. Danach erfolgt der Wechsel in eine Regelklasse.

Kunst- und Musikgruppen, Einzeltherapie, Sprechstunden, Supervision, Fortbildungen
Angebote des Projekts "HonigHelden" sind: Kunst- und Musikgruppen, Einzeltherapie und Sprechstunden. Darüber hinaus findet Supervision statt und es werden systematisch Fortbildungen durchgeführt. Um das schulische Personal in seiner Arbeit mit den geflüchteten Kindern optimal zu unterstützen, erhalten alle 39 Mitarbeiter der Schule die Möglichkeit, an einem zweijährigen Fortbildungsmodul teilzunehmen. Dieses wurde individuell für die Schule und ihre Schülerschaft erarbeitet.

Kunsttherapie

Die Kunsttherapie bietet Flüchtlingskindern und -jugendlichen die Möglichkeit, ihre nonverbale Ausdrucksfähigkeit zu entfalten, indem die therapeutische Wirkung künstlerischer Mittel genutzt wird. Das therapeutische Kunstangebot trägt dazu bei, das Selbstwertgefühl zu heben, die Identitätsbildung im Exil zu stärken und traumatisierende Erlebnisse zu verarbeiten. In einer Atmosphäre von Ruhe und therapeutischer Schweigepflicht erhalten die Kinder die Möglichkeit, ihren Gedanken und Empfindungen Ausdruck zu verleihen, Vertrauen zu schöpfen, sich zu stärken und zu stabilisieren. Zum Einsatz kommen klassische Medien der bildnerischen Kunst, wie Malen und Zeichnen, bis hin zur Collage-Arbeit und dem Plastizieren mit Ton. Das Medium Fotografie als kreatives "Orientierungsinstrument" ermöglicht Jugendlichen die visuelle Erkundung der eigenen Identität. Die Außenwelt wird reflektiert und in einen künstlerischen Selbstausdruck transformiert.

Stiftung "Children for tomorrow" (Hamburg)

"Children for Tomorrow" ist eine gemeinnützige Stiftung mit dem Ziel, Kinder und Familien, die Opfer von Krieg, Verfolgung und organisierter Gewalt geworden sind, zu unterstützen. Sie wurde 1998 von Stefanie Graf ins Leben gerufen und bietet Kindern, die unterschiedlichste Gewalterfahrungen gemacht haben, Hilfe beim "seelischen Wiederaufbau”.

In Zusammenarbeit mit Krankenhäusern und Kindergärten werden Mittel zur Finanzierung von Kinderpsychologen und Fachkräften vor Ort sowie zur Anschaffung von notwendigem Material in Betreuungseinrichtungen verwendet. Über die Finanzierung von Projekten in Uganda, Eritrea und im Kosovo hinaus stellt "Children for Tomorrow" Mittel für die Arbeit der "Flüchtlingsambulanz für Kinder und Jugendliche" im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf bereit. Alle Projekte sind darauf ausgerichtet, langfristig und nachhaltig zu arbeiten.

Seit April 2011 hat Children for Tomorrow ein eigenes Stiftungsgebäude auf dem Gelände des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Der neue Stiftungssitz beherbergt neben der Flüchtlingsambulanz die Abteilung Psychosoziale Programme, das Research Center und die Verwaltung.

Weitere Informationen: www.children-for-tomorrow.de

Quelle: Pressestelle der Hamburger Behörde für Schule und Berufsbildung vom 23.06.2017

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