Junge Flüchtlinge / Europa

EU ermöglicht 230.000 Flüchtlingskindern in der Türkei den Schulbesuch

Junge hinter einem Zaun
Bild: © Lucian Coman

Die Europäische Kommission hat in der vergangenen Woche ihr bislang größtes humanitäres Programm für Bildung in Notsituationen gestartet. Damit können rund 230 000 Flüchtlingskinder in der Türkei eine Schule besuchen. In der Türkei halten sich derzeit mehr als drei Millionen Flüchtlinge auf, nahezu die Hälfte von ihnen sind Kinder.

Das mit 34 Mio. EUR ausgestattete Projekt sieht an bestimmte Bedingungen geknüpfte Geldzuweisungen für Bildungsleistungen (Conditional Cash Transfer for Education – CCTE) vor. In diesem Rahmen sollen ab Mai 2017 bedürftige Flüchtlingsfamilien, deren Kinder regelmäßig die Schule besuchen, alle zwei Monate einen Geldbetrag erhalten. Das Projekt wird in Partnerschaft mit UNICEF und seinem Partner vor Ort, dem Türkischen Roten Halbmond, zur Unterstützung der Anstrengungen der türkischen Regierung durchgeführt.

Engagement für Flüchtlingskinder

"Die EU engagiert sich nachdrücklich für Flüchtlingskinder, in der Türkei und anderswo. Bildung in Notsituationen ist eine der Hauptprioritäten der EU. Es ist unsere moralische Pflicht, diese Generation von Flüchtlingskindern zu retten und in ihre Zukunft zu investieren. Damit dieses Programm ein echter Erfolg wird, arbeiten wir mit erfahrenen humanitären Organisationen zusammen", erklärte der EU-Kommissar für humanitäre Hilfe und Krisenmanagement, Christos Stylianides.

Das neue Bildungsprojekt baut auf dem Programm "Soziales Sicherheitsnetz für Notsituationen" (Emergency Social Safety Net – ESSN) auf, das im September 2016 von der Europäischen Kommission eingeleitet wurde. Bei diesem Programm erhalten die bedürftigsten Flüchtlinge eine Debitkarte, mit der sie zur Deckung ihres Grundbedarfs z.B. Nahrungsmittel und Unterkunftskosten bezahlen können.

Bildung in Notsituationen 

"Kinder brauchen nicht sogar, sondern gerade in Notsituationen Bildung. Nur dann können sie sich irgendwann wieder ein neues Leben aufbauen – in ihren Heimatländern", erklärte Anthony Lake, Exekutivdirektor von UNICEF. "Dank der Großzügigkeit der EU und der führenden Rolle der Türkei können UNICEF und seine Partner bereits Tausende von Kindern beim Schulbesuch und beim Lernen unterstützen. Mit CCTE können wir 230 000 Kinder erreichen – das ist ein wichtiger Schritt, um zu verhindern, dass eine verlorene Generation heranwächst.“

"Ich bin überaus froh, dass die vom Türkischen Roten Halbmond vergebene sogenannte "Kizilai"-Karte das Leben syrischer Kinder, die unsere Gäste sind, positiv verändern wird." Der Präsident des Türkischen Roten Halbmondes, Kerem Kinik, erklärte seinerseits: "Ich danke der Europäischen Union und UNICEF für ihre gemeinsamen Anstrengungen zugunsten syrischer Schulkinder in der Türkei. Wenn wir verhindern wollen, dass in unserer Region eine verlorene Generation heranwächst, dann muss die ganze Welt alles in ihrer Macht Stehende unternehmen. Hierzu leistet dieses Projekt meiner Auffassung nach einen sehr wichtigen Beitrag."

Der Vertrag mit UNICEF kommt zu dem Betrag von 517 Mio. EUR hinzu, der bereits für humanitäre Hilfe vertraglich gebundenen ist. Damit wurden im Rahmen der Fazilität für Flüchtlinge in der Türkei mittlerweile für humanitäre und nicht humanitäre Maßnahmen Verträge im Wert von insgesamt 1.5 Mrd. EUR geschlossen. Von diesem Betrag wurden 777 Mio. EUR bereits ausgezahlt.

Hintergrund:

In der Türkei halten sich derzeit mehr als drei Millionen Flüchtlinge auf, nahezu die Hälfte von ihnen sind Kinder. Der Zugang zur Bildung für Kinder im Schulalter gehört mit zu den wichtigsten Aufgaben. Landesweit sind 500 000 Flüchtlingskinder offiziell eingeschult (in türkischen Schulen und in provisorische Bildungseinrichtungen), während schätzungsweise 370 000 nach wie vor keine Schule besuchen.

Das Programm „Conditional Cash Transfer for Education“ - CCTE (an bestimmte Bedingungen geknüpfte Geldzuweisungen für Bildungsleistungen)

Um bedürftigen Kindern besseren Zugang zu staatlichen türkischen Schulen und zu provisorischen Bildungseinrichtungen zu verschaffen, wird über das CCTE-Programm die Integration von Flüchtlingskindern in das bestehende nationale Programm gefördert, das Ausländern in der Türkei formal seit 1986 zugänglich ist.

Das CCTE-Programm nutzt das Fachwissen des türkischen Ministeriums für Familien- und Sozialpolitik und des Bildungsministeriums, die von der Generaldirektion für Migrationssteuerung unterstützt werden, während die türkische Katastrophenschutzbehörde die Koordinierung übernimmt. Das Bildungsprojekt wird über das integrierte Sozialhilfeinformationssystem der Türkei mit den staatlichen Systemen verknüpft. Das CCTE-Projekt beruht auf den humanitären Grundsätzen Menschlichkeit, Neutralität, Unparteilichkeit und Unabhängigkeit und wird in tragfähige landesweite staatliche Systeme eingebunden.

Das Projekt umfasst auch eine Kinderschutzkomponente, die gewährleisten soll, dass an dem Programm teilnehmende Kinder dauerhaft die Schule besuchen, indem potenzielle Schulabbrecher besonders betreut und gegebenenfalls an spezialisierte Dienste verwiesen werden.

Das CCTE-Projekt wird aus der mit 3 Mrd. EUR ausgestatteten "EU-Fazilität für Flüchtlinge in der Türkei" (2016-2017) finanziert, über die Flüchtlinge und ihre Aufnahmegemeinschaften in der Türkei unterstützt werden. Das Projekt soll die Einschulungsquoten und den regelmäßigen Schulbesuch fördern und ergänzt das soziale Sicherheitsnetz für Notsituationen (Emergency Social Safety Net – ESSN), das im September 2016 von der Europäischen Kommission ins Leben gerufen wurde.

Weitere Informationen stehen auf der Webseite der Vertretung der EU-Kommission in Deutschland zur Verfügung. 

Quelle: Europäische Kommission vom 16. März 2017

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