Junge Flüchtlinge / Migration

Die Mehrzahl von Geflüchteten ist erfolgreich bei Integrationskursen

Junge Männer unterschiedlicher Herkunft sitzen mit blonder Lehrerin im Sprachkurs.
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Die ersten Ergebnisse der Evaluation der Integrationskurse belegen deren Wirksamkeit, auch bei der Gruppe der Geflüchteten. Das Forschungsprojekt ist von 2018 bis 2022 angelegt und untersucht die Wirkung der Integrationskurse, auch in Abhängigkeit von der Zusammensetzung der Teilnehmenden, die sich in den letzten Jahren hin zu einem höheren Anteil an Geflüchteten verändert hat.

Der erste Zwischenbericht des Forschungsprojekts „Evaluation der Integrationskurse“ (EvIk) zeigt: Aus der Gruppe der Geflüchteten schätzen nach Abschluss eines Kurses 61 Prozent ihre Deutschkenntnisse als gut oder sehr gut ein. Ohne Kursteilnahme sind es lediglich 17 Prozent. Gleichzeitig zeigen sich vielschichtige Herausforderungen in Alphabetisierungskursen. Das sind erste Erkenntnisse des Forschungsprojekts EvIk des Forschungszentrums des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) im Auftrag des Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI).

Geflüchtete haben es deutlich schwerer als andere Zugewanderte

Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat, Horst Seehofer: „Eine gelungene Integration ist ohne Sprachkenntnisse unmöglich. Die Integrationskurse stellen deshalb eines der wichtigsten Förderangebote des Bundes für zugewanderte Menschen dar. Der Zwischenbericht der Evaluation zeigt nun: Die Integrationskurse tragen wesentlich dazu bei, die Deutschkenntnisse der Teilnehmenden zu verbessern und erfüllen damit ihren zentralen Zweck.“

Geflüchtete haben es deutlich schwerer als andere Teilnehmende, etwa Zugewanderte aus der Europäischen Union, da sie oft schlechtere Voraussetzungen bei Bildungsniveau und Alphabetisierungsgrad mitbringen. Hinzu kommen häufig fluchtspezifische Probleme wie etwa posttraumatische Belastungsstörungen. In den Alphabetisierungskursen können auf diese Weise bei den Teilnehmenden gleich mehrere Problemlagen auftreten. Der Bund hat hierauf bereits mit der Pilotierung von sozialer Begleitung im Integrationskurs, mit Lehrkräftefortbildungen im Bereich Trauma und mit Anreizen für die Durchführung von Alphabetisierungskursen reagiert.

Deutliche Geschlechterunterschiede

„Bei Teilnehmenden des Alphabetisierungskurses kommen häufig mehrere ungünstige Faktoren zusammen“, erklärt BAMF-Forscherin Dr. Anna Tissot. „Obwohl wir schon wussten, dass geflüchtete Frauen über nachteilige Voraussetzungen verfügen, war das Ausmaß der Geschlechterunterschiede erstaunlich.“ So bringen geflüchtete Frauen im Durchschnitt ein niedrigeres schulisches und berufliches Bildungsniveau mit. Sie haben zudem ein höheres Risiko, an einer posttraumatischen Belastungsstörung zu erkranken. Darüber hinaus nehmen Frauen seltener an Kursen teil, wenn sie Kleinkinder betreuen müssen. Dieses Ergebnis bestätigt die Bedeutung der ergänzenden Förderung einer Kinderbeaufsichtigung, die das BAMF wiedereingeführt hat. Beim Deutscherwerb wirken bei Geflüchteten die gleichen Mechanismen wie bei anderen Teilnehmenden. Je jünger und gebildeter die Teilnehmenden sind, desto schneller lernen sie die deutsche Sprache. Die Deutschkenntnisse werden auch mit zunehmender Aufenthaltsdauer und zunehmenden Kontakten zu Deutschen besser.

Lehrkräfte spielen eine zentrale Rolle

Eine zentrale Rolle beim Spracherwerb spielen zudem die Lehrkräfte. Diese sehen sich vor allem in den Alphabetisierungskursen diversen Herausforderungen gegenüber: Ein geringerer Lernfortschritt aufgrund der Kurszusammensetzung, die bereits erwähnten vielschichtigen Problemlagen der Teilnehmenden und ein hoher Beratungsbedarf der Teilnehmenden. „Vor diesem Hintergrund ist das Erreichen des Sprachniveaus A2 im Alphabetisierungskurs bereits ein großer Erfolg“, betont Dr. Tissot. „Die Lehrkräfte sind nach unseren Erkenntnissen hoch motiviert, sollten aber angesichts dieser Herausforderungen noch stärkere Unterstützung erhalten, z.B. auch Fortbildungen.“

Zum Integrationskurs

Der Integrationskurs ist ein staatliches Grundangebot der sprachlichen und politischen Bildung für Zugewanderte und steht am Beginn des gesamten Integrationsprozesses. Er dient dazu, die Zugewanderten dazu zu befähigen, ohne die Hilfe oder Vermittlung Dritter in allen Angelegenheiten des täglichen Lebens selbstständig zu handeln. Der Bund bietet insgesamt acht Integrationskursarten an und stellt damit ein ausdifferenziertes Kurssystem zur Verfügung. Das BAMF passt im Auftrag der Heimatabteilung des BMI das Integrationskurs-Angebot kontinuierlich an die veränderten Bedarfe der Teilnehmenden an. Mit der veränderten Teilnehmendenstruktur hat sich insbesondere der Anteil an Alphabetisierungskursen seit 2015 erheblich erhöht. Im Jahr 2018 haben mehr als 200.000 Menschen erstmalig einen der rund 14.500 neu gestarteten Integrationskurse besucht – der Großteil davon einen Allgemeinen Integrationskurs (68,3 Prozent). Bereits auf Platz 2 gemessen an der Teilnehmerzahl folgt der Alphabetisierungskurs (22,2 Prozent).

Quelle: Bundesministerium des Innern vom 17.09.2019

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