Junge Flüchtlinge / Kinder- und Jugendpolitik

Deutscher Bundesjugendring: Geordnete-Rückkehr-Gesetz eines demokratischen Rechtsstaates unwürdig

Die Hände von einem jungen Mann halten an einem hohen Drahtzaun fest.
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Eine deutliche Verschärfung im Umgang mit Geflüchteten und Migrant/-innen hatte der Deutsche Bundestag am 7. Juni 2019 beschlossen. Der Deutsche Bundesjugendring (DBJR) kritisiert das Gesetzespaket scharf. Die Auflagen für unbegleitete minderjährige Geflüchtete werden strenger, u.a. wird das Mindestalter für die Abnahme von Fingerabdrücken gesenkt und für die Aufnahme einer Ausbildung werden zusätzliche Hürden eingeführt.

Der Bundestag hat den Umgang mit Geflüchteten und Migrant/-innen deutlich verschärft. Einige Gesetze wurden zu einem „Migrationspaket" geschnürt und beschlossen. „Die Große Koalition rückt mit diesen Gesetzen ab von einer humanitären und solidarischen Politik für Geflüchtete - insbesondere für junge unbegleitete minderjährige Geflüchtete“, sagt DBJR-Vorstandsmitglied Daniela Broda.

Strengere Auflagen für unbegleitete minderjährige Geflüchtete

Der Bundestag verschärft die Ausreisepflicht und forciert Abschiebungen. Die Voraussetzungen für eine Abschiebehaft werden gesenkt. Neu eingeführt wurde eine „Mitwirkungshaft“; sie bestraft Menschen, wenn sie bestimmten Anordnungen zur Mitwirkung bei der Identitätsklärung keine Folge leisten. Das Gesetz regelt auch, dass der Termin einer geplanten Abschiebung nicht mehr angekündigt werden darf. Das Mindestalter für die Abnahme von Fingerabdrücken – derzeit erst ab Vollendung des 14. Lebensjahres zulässig – wird auf den Zeitpunkt der Vollendung des sechsten Lebensjahres herabgesetzt. Die Auflagen für unbegleitete minderjährige Geflüchtete werden strenger. „Das Gesetzespaket zeichnet insgesamt das Bild krimineller Ausländer/-innen und vergiftet das Klima unserer offenen Gesellschaft“, sagt Daniela Broda.

Kriminalisierung der Zivilgesellschaft durch die Hintertür

Das sogenannte „Geordnete-Rückkehr-Gesetz“ beinhaltet außerdem Leistungskürzungen. Vor der Aufnahme einer Ausbildung durch junge Geflüchtete werden zusätzliche Hürden eingeführt. Scharf kritisieren wir: Durch die Hintertür wird die Zivilgesellschaft kriminalisiert, die in der Geflüchtetenhilfe aktiv ist und Geflüchtete beim Kampf gegen ihre Abschiebung unterstützt. „Nicht nur Geflüchtete leben künftig in permanenter Angst vor Abschiebung, erleben täglich Repression und werden gehindert, Perspektiven aufzubauen“, sagt Daniela Broda, „auch Unterstützer/-innen aus Deutschland trifft das“.

Ausgerechnet im Jubiläumsjahr des Grundgesetzes, das erst vor wenigen Tagen zum 70. Geburtstag bejubelt wurde, ein solches Gesetzespaket zu verabschieden, ist ein Skandal. „Das ist eines demokratischen Rechtsstaat unwürdig“, sagt Daniela Broda.

Weitere Informationen zum Gesetzespaket finden sich in der Berichterstattung auf dem Fachkräfteportal der Kinder- und Jugendhilfe.

Quelle: Deutscher Bundesjugendring

Die Meldung „Geordnete-Rückkehr-Gesetz ist eines demokratischen Rechtsstaates unwürdig“ wurde beim Deutschen Bundesjugendring erstveröffentlicht und steht auch dort zur Verfügung. Wir danken für die freundliche Genehmigung der Übernahme.

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