Junge Flüchtlinge / Freiwilliges Engagement

Brandenburg: Ehrenamtlich Engagierte in der Flüchtlingshilfe sind unverzichtbar

Puzzleteile liegen auf einem Tisch, ein schwarzes und ein weißes stehen senkrecht nebeneinander.
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Sozialministerin Diana Golze präsentierte am 9. Juni die Studie "Ehrenamt in der Flüchtlingshilfe - was nun?", die zwischen Mitte Februar und Ende Mai im Auftrag der Integrationsbeauftragten des Landes Brandenburg durch den Urania Landesverband Brandenburg e.V. erstellt worden ist. An der Online-Befragung und den Einzelinterviews haben sich 512 ehrenamtlich Engagierte beteiligt.

"Das Ehrenamt in der Flüchtlingshilfe ist im Land Bandenburg nach wie vor sehr aktiv und spielt eine große Rolle bei der Integration der Geflüchteten. Ohne die zahlreichen Ehrenamtlerinnen und Ehenamtler hätte die Aufnahme der Geflüchteten in Brandenburg nicht so gut gelingen können. Sie lassen sich auch von Schwierigkeiten nicht von ihrem Engagement abbringen."

Das sagte Sozialministerin Diana Golze am 9. Juni in Potsdam bei der Präsentation der Studie "Ehrenamt in der Flüchtlingshilfe - was nun?" Diese Studie ist zwischen Mitte Februar und Ende Mai im Auftrag der Integrationsbeauftragten des Landes Brandenburg, Frau Dr. Doris Lemmermeier, durch den Urania Landesverband Brandenburg e.V. erstellt worden.

Ehrenamtliche als Experten in Sachen Integration

Diana Golze: "Das hohe Engagement und die tief verwurzelte humanitäre Motivation der Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtler haben mich sehr berührt. Diese Menschen setzen sich selbstlos und unermüdlich für die Geflüchteten ein und investieren ihre Zeit und Kraft. Sie lassen sich nicht abhalten von bürokratischen und anderen Barrieren. Sie sind Expertinnen und Experten in Sachen Integration geworden. Dabei haben auch die vom Land angebotenen und finanzierten Schulungen für Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe beigetragen. Wenn Integration in Arbeit, in Bildung und in den Alltag gelingen soll und wenn wir weiterhin gemeinsam gegen Rechtspopulismus, Rassismus und Ausländerfeindlichkeit erfolgreich sein wollen, dann benötigen wir das Engagement der Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtler auch in der Zukunft. Die Landesregierung wird alles dafür tun, sie auch weiterhin zu unterstützen."

Behördliche Schranken und politische Grenzen

Die ehrenamtlich Tätigen haben in der Befragung ausführlich von ihren Schwierigkeiten berichtet, von den Herausforderungen, vor denen sie stehen. Dabei gibt es vor allem zwei Barrieren: Die behördlichen Schranken und die politischen Grenzen. Die Ehrenamtlichen beschreiben sehr deutlich ihren Kampf mit Vorschriften, mit den langsam mahlenden Mühlen, mit unverständlichen Formularen und auch manch unsinnig scheinender Vorschrift. Eine ganz besondere Schwierigkeit sind die Abschiebungen. Die Befragten verstehen nicht, dass die Menschen, die ihre Freunde und Nachbarn geworden sind, plötzlich das Land verlassen sollen – trotz guter Deutschkenntnisse und erfolgreich vermittelter Arbeit.

Unverständnis gegenüber Abschiebungen bei guter Integration

Die Integrationsbeauftragte Dr. Doris Lemmermeier: "Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtler sind für den Prozess der Integration vor Ort unverzichtbar. 97 Prozent der Befragten würden sich aus heutiger Sicht noch einmal engagieren. Das ist ein unglaublich hoher Wert und zeigt die innere Überzeugung von der Notwendigkeit dieses Engagements. 65 Prozent der Ehrenamtlichen, die an der Befragung teilgenommen haben, sind berufstätig. Sie setzen also einen Großteil ihrer Freizeit für diese Arbeit ein. All diese Menschen sind ganz dicht an den Geflüchteten. Das in der Befragung geäußerte Unverständnis gegenüber Abschiebungen bei guter Integration kann ich sehr gut nachvollziehen. Hier ist in erster Linie die Bundespolitik gefragt. Wir dürfen keine Politikverdrossenheit bei denen erzeugen, die sich für das Miteinander in diesem Land einsetzen."

Das Ehrenamt im Flüchtlingsbereich zeigt sich in Form von Patenschaften, Deutschkursen, Begleitung zu Behörden und vielem mehr. Bei den ehrenamtlich engagierten Brandenburgerinnen und Brandenburgern ist ein starker Wille spürbar, sich weiterhin zu engagieren und für die Integration der Geflüchteten einzusetzen. Es besteht eine hohe Überzeugung von der Notwendigkeit und der Sinnhaftigkeit des Engagements, auch von der Wirkung. Die Stimmung ist gut, trotz aller Schwierigkeiten, denen das Ehrenamt begegnet und mit denen es zu kämpfen hat. Die Familie unterstützt am meisten, am skeptischsten sind die Nachbarn - so Ergebnisse der online-Befragung.

Vernetzug und Zusammenarbeit der Akteure vor Ort

Ehrenamtler Sebastian Liedtke (Buntes Lübbenau): "Der Schlüssel für eine gelungene Integration in unserer Kommune ist die gute Zusammenarbeit von Stadtverwaltung, engagierten Einwohnern in der Bürgerinitiative, der AWO als Wohnstättenbetreiber, ortsansässigen Sportvereinen, Wohnungsbaugesellschaften, Kulturschaffenden und Firmen. Alle begegnen sich unvoreingenommen auf Augenhöhe und unterstützen sich gegenseitig. So konnte die Integration in Lübbenau gelingen."

Über die Studie

Projektleiter der Studie "Ehrenamt in der Flüchtlingshilfe - was nun?" war Dr. Manfred Gartz vom Urania Landesverband Brandenburg e.V., mitgearbeitet haben Katja Schroether und Heidi Mauersberger. Wichtige Fragen waren: Welche Veränderungen haben sich 2016 ergeben? Welche Tendenzen und Perspektiven zeichnen sich ab? Welche Auswirkungen hat der Rückgang der Zugangszahlen auf das Ehrenamt? Wie ist die aktuelle Stimmungslage?

Download

Studie: Zur aktuellen Situation des Ehrenamtes in der Flüchtlingshilfe (PDF, 502 KB)

In Brandenburg sind über 100 Willkommensinitiativen aktiv, die von der Landesregierung finanziell und durch Fortbildungen unterstützt werden. So konnten im Jahr 2016 115 Anträge von Willkommensinitiativen in einem Gesamtvolumen von 121.000 Euro gefördert werden.

Quelle: Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie Brandenburg vom 09.06.2017

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