Junge Flüchtlinge / Sozialforschung

Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten: Sprache und Qualifizierung sind die größten Hürden

Junger Mann steht neben einer Wand und lächelt
Bild: rawpixel.com

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung hat rund 1.000 Beschäftigte in Arbeitsagenturen und Jobcentern zu Hemmnissen der Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten befragt. Außerdem ging es um geeignete Maßnahmen, die die Einstellungsbereitschaft von Betrieben gegenüber Geflüchteten erhöhen. Bei weiblichen Geflüchteten sahen die Befragten besondere Herausforderungen.

Geringe Sprachkenntnisse, fehlende oder nicht verwertbare Qualifikationen, Betreuungspflichten gegenüber Kindern und Angehörigen sowie die Unkenntnis von Rollenvorstellungen, Sitten und Gebräuchen in der deutschen Arbeitswelt sind die größten Hemmnisse für die Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten. Das zeigen die Einschätzungen von rund 1.000 Beschäftigten in Arbeitsagenturen und Jobcentern, die das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) online befragt hat.

Sprachkenntnisse als Voraussetzung

Eine wichtige Aufgabe der Agenturen und Jobcenter bestehe darin, die Geflüchteten beim allgemeinen und berufsfachlichen Spracherwerb zu unterstützen, erklären die Autoren der IAB-Studie. Der Spracherwerb sei erstens eine Voraussetzung für gesellschaftliche Integration, zweitens aber auch notwendige Bedingung für erfolgreiche Qualifizierungsbemühungen. Ohne hinreichende Sprachkenntnisse seien der Erwerb von Ausbildungsabschlüssen und innerbetriebliche Aufstiege kaum möglich.

Wie kann die Einstellungsbereitschaft gegenüber Geflüchteten erhöht werden?

Die Beschäftigten der Arbeitsagenturen und Jobcenter wurden auch gefragt, welche Maßnahmen sie für geeignet halten, um die Einstellungsbereitschaft von Betrieben gegenüber Geflüchteten zu erhöhen. Neben Sprachförderung und Eingliederungszuschüssen wurde am häufigsten die betriebliche Erprobung von Geflüchteten beim Arbeitgeber genannt.

Gesamtwirtschaftlich zahlen sich aus der Sicht der Mehrheit der Befragten die Investitionen in Bildung und Ausbildung von Geflüchteten langfristig aus. Aufgrund der spezifischen Vermittlungshemmnisse gehen die Vermittlungsfachkräfte mehrheitlich zudem davon aus, dass die Geflüchteten eher in direkte Konkurrenz zu anderen Migrantengruppen als zu einheimischen Arbeitskräften treten.

Besondere Herausforderungen bei weiblichen Geflüchteten

Besondere Herausforderungen werden bei der Arbeitsmarktintegration von weiblichen Geflüchteten gesehen. Bereits bei früheren Befragungen von Vermittlungsfachkräften zeigte sich, dass nach deren Einschätzung die Aufgabenverteilung bei den Geflüchteten noch sehr stark traditionellen Geschlechterrollen folgt. „Hier gilt es zu beobachten, inwiefern die vorhandenen arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen für Frauen genutzt werden und welche Wirksamkeit sie entfalten. Ausgehend von diesen Analysen wären dann gegebenenfalls neue Ansätze der Beratung und Vermittlung speziell für geflüchtete Frauen zu entwickeln“, schreiben die Arbeitsmarktforscher im Fazit der Studie.

Die Studie (PDF, 288 KB) ist auf der Webseite des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung abrufbar.

Quelle: Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung vom 13.11.2018

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