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Inklusion

Keine soziale Teilhabe ohne digitale Teilhabe

Ein Mann tippt auf einer Brailletastatur. Dahinter liegt eine Standardtastatur.
Bild: Sigmund - unsplash.com

Die Corona-Pandemie zeigt, dass soziale und digitale Teilhabe zunehmend miteinander verschmelzen: Nur wer Zugang zu Technologie hat und damit auch umzugehen weiß, kann an gesellschaftlichen Prozessen teilnehmen. Für Menschen mit Behinderung kann das zu einer stärkeren Ausgrenzung führen. Digitalisierung birgt aber auch Potenziale für das Thema Inklusion. Die verschiedenen Aspekte beleuchtet eine jüngst erschienene Studie der Aktion Mensch.

Durch die zunehmende Relevanz (neuer) digitaler Formate und die beschleunigte Technologisierung in der Krise haben Menschen mit Behinderung grundsätzlich mehr Möglichkeiten zur Partizipation. Das gilt auf dem Arbeitsmarkt und im Bildungswesen ebenso wie in ihrer Freizeit. Digitale Lösungen ermöglichen, auch Menschen mit eingeschränkter Mobilität, flexibles und ortsungebundenes Arbeiten und Lernen. Unterstützend wirken assistive Technologien wie Sprachcomputer oder Screenreader.

Digitale Medien und Plattformen wie YouTube oder Instagram fördern Vernetzung und Engagement sowie Sichtbarkeit und Positionierung. Sie stärken so die Selbstvertretung von Menschen mit Behinderung in der Öffentlichkeit. Außerdem existierten zahlreiche technologiebasierte Assistenztools – etwa digitale Haushaltshilfen, Notfallsysteme oder Erinnerungs-Apps. Sie schaffen für viele Menschen mit Behinderung eine größere persönliche Unabhängigkeit.

Barrierefreiheit mitdenken

Neben den Chancen der Digitalisierung zeigt die Studie aber auch Risiken auf, die dazu führen können, dass Menschen mit Behinderung vom technologischen Fortschritt ausgeschlossen werden. Technik kann Barrierefreiheit gewährleisten, aber auch neue Barrieren entstehen lassen – etwa, wenn bei der Entwicklung von Tools oder Programmen die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung nicht berücksichtigt werden.

Derzeit fehlt es jedoch noch häufig an Wissen über digitale Barrierefreiheit. Auch die Faktoren Zugang und Kosten spielen eine große Rolle. So scheuen viele Unternehmen etwa eine Investition in die Einrichtung barrierefreier Arbeitsplätze und die entsprechende technische Ausstattung.

Viele Befragte äußern zudem eine Spaltung zwischen Menschen unterschiedlicher Behinderungen. Menschen mit einer Sinnes- oder Mobilitätseinschränkung wird eine größere Chance an digitaler Teilhabe zugeschrieben als Menschen mit einer Lernbehinderung. Von zentraler Bedeutung ist hier eine Qualifizierung im Umgang mit digitalen Anwendungen.

Brennglas Corona

„Die Corona-Pandemie hat auf die Digitalisierungsprozesse in der Gesellschaft wie ein Brennglas gewirkt: Die Chancen verstärken sich, aber auch die Risiken“, sagt Silke Borgstedt, Director Research & Consulting bei der SINUS Markt- und Sozialforschung.

Besonders in Zeiten wie diesen wird deutlich: Digitale Teilhabe ist die Basis einer modernen und zukunftsfähigen Gesellschaft. „Unsere Studie zeigt, dass eine chancengerechte Teilhabe aller nur dann möglich ist, wenn digitale Barrierefreiheit konsequent durchgesetzt wird“, so Christina Marx, Leiterin der Aufklärung bei der Aktion Mensch. „Das gilt für die Optimierung bestehender und die Entwicklung neuer Anwendungen ebenso wie hinsichtlich der Vermittlung von Wissen und Kompetenz.“

Als größte private Förderoganisation im sozialen Bereich in Deutschland setzt die Aktion Mensch genau hier an. Sie unterstützt gemeinnützige Organisationen bei der Anschaffung von Hardware sowie bei der Finanzierung von Bildungs- und Qualifzierungsmaßnahmen – und befähigt so eine gleichberechtigte Partizipation von Menschen mit Behinderung am digitalen Fortschritt.

Detaillierte Studienergebnisse

Die Trendstudie zu digitaler Teilhabe verbindet eine Analyse aktueller Digitaltrends mit den Einschätzungen von zwölf Expert(inn)en aus Wissenschaft und Politik sowie 43 Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen entlang der Lebensbereiche Arbeit, Bildung, Freizeit und Wohnen. Die Interviews führte die Aktion Mensch in Zusammenarbeit mit dem SINUS Institut im Herbst 2019. Ergebnis sind detaillierte Studienergebnisse, die auf der Website der Aktion Mensch frei zur Verfügung stehen.

Quelle: Aktion Mensch vom 24.11.2020

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