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Inklusion / Bildungsforschung

Inklusion: Gute Pädagogik braucht gute Architektur

Ein Schulgebäude mit einer Außenfläche
Bild: Herbstrose pixabay.com   Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter

Multiprofessionelle Teams aus Lehrenden und Lernbegleitern, Sonderflächen wie Flure und Mensen, die zu Lernorten werden: So kann Inklusion an Schulen gelingen. Das fanden Forschende in dem vom Bundesforschungsministerium geförderten Projekt „Raum und Inklusion“ heraus.

Schülerinnen und Schüler unterscheiden sich in ihrer ethnischen, sozialen oder kulturellen Herkunft. Sie haben verschiedene Interessen und Lernvoraussetzungen: Manche sind hochbegabt, andere haben einen sonderpädagogischen Förderbedarf oder gar eine körperliche oder geistige Behinderung. Diese Vielfalt ist eine Herausforderung für Schulen – denn eine moderne Schule muss allen Lernenden gerecht werden. Die Kooperation von Lehrkräften und (sozial-)pädagogischen Fachkräften in multiprofessionellen Teams sowie bedarfsgerechte Lehr- und Lernmethoden sind dafür nötig. Und auch der Schulbau und die Gestaltung der Lernflächen – vom Klassenraum bis zu den Schulfluren – sind entscheidend, damit Inklusion gelingen kann. Das ist das Ergebnis des Forschungsprojektes „Raum und Inklusion“, das vom Bundesforschungsministerium sowie der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft gefördert wurde.

Alle Flächen können Lebens- und Lernort der Schülerinnen und Schüler sein

Eine moderne inklusive Schule braucht erweiterte Raum-, Lehr- und Lernkonzepte. Ob Klassenraum, Flur, Sporthalle oder Mensa: Alle Flächen in der Schule müssen unterschiedliche Nutzungsanforderungen erfüllen und können Lebens- und Lernort der Schülerinnen und Schüler sein. Das ist ein zentrales Ergebnis des Forschungsprojektes.

Doch wie genau muss so ein Lebens- und Lernort aussehen, damit Inklusion gelingen kann? Um das herauszufinden, haben sich Erziehungs- und Sozialwissenschaftler der Universität Köln mit Architektinnen und Architekten zusammengetan. Gemeinsam haben sie zwölf Schulen im In- und Ausland sowie drei räumliche Organisationsmodelle untersucht: Klassenraum plus, Lerncluster und Lernlandschaft.

  • Klassenraum Plus
    Der Klassenraum wird vergrößert durch einen angrenzenden Gruppenraum und/oder Erschließungsflächen erweitert.

  • Lerncluster
    Lern- und Unterrichtsräume, Differenzierungs- und Rückzugsräume sowie Teamräume, Sanitärbereiche und Lagerräume von drei bis sechs Klassen werden zu einer eindeutig identifizierbaren Einheit zusammengefasst. Die Erschließungsflächen werden zu einer „gemeinsamen Mitte“ ausgeweitet.

  • Lernlandschaft
    Klassenübergreifend werden multifunktionale offene Lernzonen gebildet, die ein differenziertes Lernen in (Klein-)gruppen ermöglichen. Im offenen Raum können mit maximaler Flexibilität unterschiedliche Lernsituationen Platz finden. Erschließungs- und Aufenthaltsbereiche werden unmittelbar als Kommunikationszonen in die Lernlandschaft integriert.

Eines jedoch haben alle Modelle gemeinsam: Die Lernumgebungen müssen ganz unterschiedliche Nutzungsanforderungen und Bedürfnisse erfüllen. die Klassenräume werden geöffnet, das Lernen wird transparenter. Die Schülerinnen und Schüler gehen gemeinsam ihren Interessen nach: sie spielen Theater, forschen, basteln, malen, toben, musizieren und vieles mehr. Darüber hinaus gibt es Ruhezonen für Still- und Einzelarbeiten. Die Lernenden entscheiden in der freien Lernzeit selbst, wo, wie, was und mit wem sie lernen. Dabei werden sie begleitet von Lehrerinnen und Lehrern, Sozialpädagoginnen und Pädagogen, Therapeutinnen und Therapeuten – aber auch von Ehrenamtlichen. Die Schule öffnet sich dem Quartier oder Stadtteil: Sie wird zum Lebensmittelpunkt der Lernenden, die von einem multiprofessionellen Team unterstützt werden.

Raum und Inklusion lassen sich nicht allein durch Experten von außen entwickeln

Die Ergebnisse des Projekts stimmen zuversichtlich. Wie an den untersuchten Schulen deutlich wurde, kann inklusiver Unterricht auch mit den vorhandenen Flächen gelingen, wenn ergänzende Flächen nicht als „Sonderflächen“ betrachtet, sondern in die „Regelmodelle“ integriert werden. Dennoch sollten Schulträger die Chancen nutzen, bei Neu- und Umbauten auch die Lehr- und Lernkonzepte weiterzuentwickeln – und dasgemeinsam mit Pädagogen, Architekten, Eltern und Lernenden. Denn die Ergebnisse des Projekts zeigen, wie wichtig das Wechselspiel zwischen Architektur und Pädagogik ist. Raum und Inklusion lassen sich nicht allein durch Experten von außen entwickeln. Pädagogen, Architekten, Schulverwaltungen und Schulträger, Eltern und Lernenden müssen den Prozess aktiv in die Hand nehmen – denn Inklusion beginnt in den Köpfen.

Projekt „Raum und Inklusion“

Das Forschungsvorhaben wurde initiiert und bearbeitet von den Architekten Jochem Schneider und Lea Schanz (bueroschneidermeyer, Köln/Stuttgart) sowie Kölner Erziehungs- und Sozialwissenschaftlern um Kersten Reich und Meike Kricke. Gefördert wurde das Projekt vom Bundesforschungsministerium und der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft (Bonn). Die Ergebnisse des Forschungsvorhabens werden seit April 2018 in dem Buch „Raum und Inklusion – Neue Konzepte im Schulbau“ vorgestellt.

Quelle: Bundesministerium für Bildung und Forschung vom 09.05.2018

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