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Inklusion / Freiwilliges Engagement

Nicht für sondern mit Behinderten – Inklusionstage 2013

Gitta Lampersbach vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales begrüßt in Vertretung der erkrankten Staatssekretärin Dr. Annette Niederfranke die Teilnehmenden der Inklusionstage 2013 in Berlin.
Bild: Anneli Starzinger   Lizenz: INT 3.0 – Namensnennung – nicht kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen CC BY-NC-SA 3.0 Gitta Lampersbach vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales begrüßt in Vertretung der erkrankten Staatssekretärin Dr. Annette Niederfranke die Teilnehmenden der Inklusionstage 2013 in Berlin.

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hatte an einen besonders schönen Ort eingeladen, um mit Verantwortlichen aus Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft über Inklusion zu diskutieren.

Im sogenannten Berliner Wohnzimmer, am Pariser Platz, in vom Frank Gehry entworfenen Veranstaltungsraum der DZ Bank, der den liebevollen Spitznamen „Walfisch“ trägt, wurden die Netze ausgeworfen, um zu sammeln, wo Deutschland  eigentlich steht bei der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention. 

Am ersten Tag, dem 28. Mai, sollten eigentlich die Ergebnisse des 400 Seiten umfassenden Teilhabeberichts  vorgestellt werden, den die Bundesregierung in Auftrag gegeben hatte. Da dieser aber noch nicht vom Kabinett verabschiedet wurde, wollte Gitta Lampersbach aus dem BMAS in ihrer Begrüßung die Veranstaltung eher als Beginn einer Gesprächsreihe zum Teilhabebericht verstanden wissen.  Prof. Dr. Elisabeth Wacker von der TU München, Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirats, erläuterte Hürden und Schwierigkeiten bei der Entstehung des Berichts, der auf einem Lebenslagenkonzept basiert und die Teilhabe von Behinderten unabhängig von einer behördlichen Anerkennung der Behinderung untersucht.  Insgesamt sei die Qualität der verfügbaren Daten, auf denen der Bericht aufbaue, eher bescheiden. Das zeige auch die dringende Notwendigkeit, mehr und umfassendere Daten über die Lebenslagen von Behinderten zu erheben. In den sich anschließenden Referaten und Diskussionsrunden mit Verantwortlichen aus dem wissenschaftlichen Fachbeirat ging es schwerpunktmäßig um Konzeption, Umsetzung, wesentliche Leitfragen und Herausforderungen der Teilhabeforschung.

Dabei wurden immer wieder terminologische Unschärfen deutlich. Was verstehen wir eigentlich unter Inklusion und was unterscheidet sie von Integration. Worin differiert Teilhabe von Partizipation? Besonders die Vertreterin der noch jungen Wissenschaft disability studies , Prof. Dr. Anne Waldschmidt von der Universität Köln, bestand immer wieder auf ihrer radikal sozialen und kultur-historischen Definition von Behinderung: Behindert ist man nicht, sondern behindert wurde und wird man durch die Gesellschaft gemacht. Einig waren sich aber alle Beteiligte darin, dass sich die Teilhabeforschung in Bezug auf Behinderte entfernen müsse von einer Defizitorientierung. Prof. Dr. Claudia Hornberg von der Universität Bielefeld forderte die Etablierung eines eigenen Surveys zur Abbildung von Lebenslagen von Menschen mit Behinderung. Außerdem bräuchte es interdisziplinäre Forschungsnetzwerke und ein Rahmenkonzept für Teilhabeforschung. Das Teilhabe-Paradigma müsse in Politik, Gesellschaft, Lehre und Ausbildung verankert werden.

Alle Diskutanten stimmten darin überein, dass es noch eine gewaltige Diskrepanz gebe zwischen moralischen Ansprüchen und gesellschaftlichen Realitäten in Bezug auf Teilhabe von Behinderten. Jedoch Prof. Wacker machte in Anlehnung an ein Zitat von Walt Disney Mut „If you can dream it, you can do it!“

Der zweite Tag war dem Thema “Beteiligung von Menschen mit Behinderung“ gewidmet. Leider war hierzu separat eingeladen worden, so dass es im Publikum nur wenige Übereinstimmungen zum vorherigen Tag gab. Ein Netzwerken der unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereiche war dadurch nur eingeschränkt möglich.  Am 29.Mai kamen vor allem die Praktiker zu Wort, diejenigen, die Menschen mit Behinderung freiwilliges Engagement ermöglichen. Sie berichteten von Mut machenden Erfolgen, aber auch von Schwierigkeiten und bürokratischen Hürden. Gesellschaftlich stoße die Beteiligung von Behinderten immer noch auf Irritation. Anerkannt sei, dass es freiwilliges Engagement für behinderte Menschen geben müsse, aber dass sich Behinderte selber engagieren, sei häufig schwer vorstellbar. Protagonisten aus unterschiedlichen Good-Practice-Beispielen, die zum Interview auf die Bühne kamen oder in Filmen zu sehen waren, bewiesen das Gegenteil.

 Auch hier wurde immer wieder auf den Menschenrechtsaspekt der UN-Behindertenrechtskonvention verwiesen, der jedem Menschen unabhängig von seiner physischen, geistigen und psychischen Ausstattung gesellschaftliche Teilhabe zubillige.

In vier Workshops gab es dann auch am Nachmittag nach vielen spannenden Inputs endlich für die Tagungsteilnehmenden Gelegenheit zur  aktiven Teilhabe. Unter unterschiedlichen Aspekten  wurden hemmende und fördernde Faktoren für die Teilhabe von Behinderten diskutiert und fest gehalten. Dabei kam als Hemmnis natürlich immer wieder der Faktor mangelnde Finanzierung zur Sprache. Aber auch fehlende Anerkennung und Wissen wurden thematisiert. Am Ende stand allerdings immer wieder die Überzeugung, die auch als Motto über der Veranstaltung stand: Einfach machen.

In einer abschließenden Diskussion mit Gitta Lampersbach, BMAS, Prof. Dr. Theresia Degener, Ev. Fachhochschule Bochum, und Christina Marx von der Aktion Mensch wurde noch mal ein Ausblick gewagt. Christina Marx mahnte dabei zu Geduld. Wir stünden noch ganz am Anfang, was ein neues Begreifen und ein anderer Umgang mit Behinderung angehe. Und Veränderungen, das habe beispielsweise auch die Etablierung von Prinzipien der Nachhaltigkeit in unserer Lebens- und Arbeitswelt gezeigt, bräuchten einen langen Atem.

Atemberaubend waren dann die tänzerischen Darbietungen, die Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung  zum Abschluss  auf die Bühne brachten. Mit Hiphop und Break Dance bewiesen die jungen Menschen vor allem eines: Inklusion macht Spaß!

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