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Inklusion

Auf dem langen Weg zur Inklusion

„Unterschied macht stark – Gemeinsamkeit macht schlau“ – unter diesem Motto diskutierten rund 200 Teilnehmende auf einer Kooperationsveranstaltung des Niedersächsischen Instituts für frühkindliche Bildung und Entwicklung (nifbe) am 28. Oktober 2010 in der Hochschule Emden-Leer neue Wege zu inklusiven Lebenswelten für Kinder unter drei Jahren.

Rollstuhl-Schild
Quelle: sxc/Thoursie


Die Inklusion als das Recht auf uneingeschränkte soziale Teilhabe aller Menschen mit und ohne Handicaps ist den Mitgliedsstaaten der UNO mit einer Konvention von 2006 in das Pflichtenheft geschrieben worden. Prof. Dr. Simone Seitz von der Universität Bremen führte den TagungsteilnehmerInnen aus der elementarpädagogischen Praxis, Aus- und Fortbildung sowie Wissenschaft die weitreichenden Herausforderungen dieser UN-Konvention vor Augen. Es gehe um nicht weniger als ein „von der Krippe an inklusives Erziehungs- und Bildungssystem“ zu schaffen. Mit dem derzeitigen Krippenausbau biete sich hierfür „eine übergreifende Innovationschance“, die nicht verpasst werden dürfe.

Aus der wissenschaftlichen Begleitung eines Modellvorhabens im Landschaftsverband Westfalen-Lippe konnte Simone Seitz den „präventiven und kompensatorischen Effekt“ einer frühen Aufnahme von Kindern mit Behinderungen in integrative Krippengruppen unter Beweis stellen. Die Herausforderung für Erzieherinnen und Erzieher sei hier die gezielte Unterstützung der individuellen Bildungs- und Entwicklungsprozesse durch Planung, Beobachtung und Dokumentation. Als „zentrale Gelingensbedingungen“ stellte sie neben verbesserten Rahmenbedingungen die soziale Eingebundenheit und die soziale Interaktion der Kinder heraus: „Die wichtigste Motivation für Kinder sind andere Kinder“ pointierte Seitz. 

„Aber wo“, so fragten die Tagungs-Moderatorinnen Prof. Dr. Andrea Caby und Maria Thünemann-Albers, „steht angesichts der Herausforderungen der UN-Konvention das Land Niedersachsen zurzeit und welche Positionen vertritt es auf dem Weg zur Inklusion?“ Eugen Gehlenborg vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur unterstrich, dass das Land die UN-Konvention „sehr ernst nimmt“. Es sei aber ein langer Weg zu einer inklusiven Gesellschaft, der „nur gemeinsam, mit Überzeugung und Geduld“ zu bewältigen sei. Er plädierte dafür, „so früh wie möglich“ mit der Inklusion zu beginnen. 

Als „einen ersten Schritt zu inklusiven Lebenswelten“ stellte Christiane Reckmann vom Niedersächsischen Kultusministerium so auch ein Modellvorhaben des Landes zur gemeinsamen Erziehung von Kindern mit und ohne Behinderung in der Krippe vor.

Im Zuge dieses Modellvorhabens stehen für Krippen und kleine Kindertagesstätten 185 Plätze für Kinder mit Behinderungen zur Verfügung. Für ihre heilpädagogische Förderung stellt das Sozialministerium jeweils 1.400 Euro bereit. In dem Projekt soll erprobt werden, welche Rahmenbedingungen erforderlich sind, um für Kinder dieser Altersgruppe eine kindgemäße und dem individuellen Förderbedarf angemessene Erziehung, Bildung, 
Betreuung und Förderung zu gewährleisten. Das Modellvorhaben läuft bis Mitte 2012 und wird von Dr. Heinz-Lothar Fichtner wissenschaftlich begleitet. Nach dem Abschluss, so Christiane Reckmann, gelte es die Ergebnisse des Modellvorhabens flächendeckend umzusetzen und die pädagogischen Fachkräfte entsprechend weiter zu qualifizieren. „Nicht müde werden auf dem langen Weg zum Ziel inklusiver Lebenswelten“ empfahl sie ihren ZuhörerInnen vorsorglich. 

In zwei interaktiven Workshoprunden konnten sich die Tagungsteilnehmerinnen und -teilnehmer mit verschiedenen Perspektiven und Pilotmodellen der Inklusion vertraut machen und über die Umsetzung im Alltag diskutieren. Neben der Integration von Kindern mit Behinderungen ging es dabei auch um die Bedeutung der jeweiligen Kultur für die Bildung und Entwicklung der Kinder in der Krippe oder auch um Armuts- und Geschlechter-Aspekte. Einen zentralen Fokus bildete aber auch die weitere Professionalisierung der pädagogischen Fachkräfte und die hierfür notwendigen Rahmenbedingungen. Aus Sicht der Praxis berichtete so beispielsweise Tanja Könitz, Leiterin der am niedersächsischen Modellvorhaben teilnehmenden Kinderkrippe „Lüttje Filapper“ in Aurich. In einer integrativen Krippengruppe werden hier 10 Kinder, darunter drei mit Behinderungen, durch zwei ErzieherInnen und eine heilpädagogische Fachkraft betreut. Tanja Könitz, die sich als ausgebildete Erzieherin zur Fachkraft für integrative Bildung und Erziehung fortgebildet und schließlich noch ein Bachelor-Studium der Integrativen Frühpädagogik an der Hochschule Emden-Leer draufgesattelt hat, legt höchsten Wert auf eine stetige Weiterbildung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dazu kommen Fachberatung und Supervision für das Team sowie eine konsequente Kooperation mit Frühförderstellen. 

Als zentrale Kompetenzen für eine integrative Krippen-Fachkraft stellte sie ein „gutes entwicklungspsychologisches Grundlagenwissen“, die „Kenntnisse von Eingewöhnungsmodellen“ und „konstruktive Ansätze zur Elternarbeit“ heraus. Ganz entscheidend aber, so Könitz, „geht es um meine Haltung, um mein Bild vom Kind als selbstbestimmten Lerner“. 

Doch wie können diese Kompetenzen und eine solche Haltung vermittelt und entwickelt werden? Dorothee Schnepper-Leuck, Vorsitzende der LAG Fachschulen für Sozialpädagogik in Niedersachsen, sah das Thema der Integration und Inklusion in den niedersächsischen Fachschul-Curricula „im Gegensatz zu anderen Bundesländern schon gut verankert“. Sie wertete die derzeitige generalistische ErzieherInnen-Ausbildung als „gute Ausgangsbasis für die weitere Spezialisierung und Weiterbildung.“ In Bezug auf die Weiterbildung forderten die Diskutierenden von den Trägern mehr finanzielle Unterstützung und Freistellungen. So berichtete eine Teilnehmerin von einem Jahresbudget in ihrer Einrichtung von lediglich 26,50 Euro pro Erzieherin bzw. Erzieher – alles darüber hinaus Gehende müsse aus eigener Tasche finanziert werden. 
Neben solchen zu verbessernden Rahmenbedingungen wurde im Tenor der Workshop-Diskussionen die „verstärkte Zusammenarbeit und Kooperation von Ausbildung, Weiterbildung und Hochschule“ als Grundlage für die weitere Professionalisierung markiert. Im gesamten System müsste so die Anschlussfähigkeit und Durchlässigkeit erhöht und eine „Anerkennungskultur“ für Weiterbildungen entwickelt werden. Als personale Kernkompetenzen für eine inklusive Pädagogik wurden „Haltung und Feinfühligkeit“ sowie ein „Kind orientierter Blick“ herausgestellt.
 
Einene Ausführltiche Dokumentation der Tagung wird derzeit erstellt.

Das nifbe wird durch das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) von 2008 - 2012 mit insgesamt 5,5 Millionen Euro jährlich gefördert. nifbe e.V. ist als An-Institut an der Universität Osnabrück verankert. 

Quelle: Niedersächsisches Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung (nifbe)

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