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Gesundheit / Kinder- und Jugendschutz

Tag der seelischen Gesundheit: Paritätischer fordert Ausbau präventiver und niederschwelliger Angebote für junge Menschen

Zwei Frauen unterhalten sich
Bild: Iakov Filimonov

Anlässlich des Internationalen Tages der seelischen Gesundheit am 10. Oktober macht der PARITÄTISCHE Baden-Württemberg auf die steigende Zahl psychisch kranker Menschen im Land aufmerksam und fordert eine bessere flächendeckende Prävention und Versorgung insbesondere für junge Menschen. Aus Sicht des Verbandes müssen Präventionsangebote an Schulen weiter ausgebaut und dabei verstärkt mit psychiatrischen Beratungsstellen kooperiert werden. Eine große Chance sieht der Verband in niederschwelligen Angeboten wie Online-Beratungen und „Peer-to-Peer“-Beratungen also durch Menschen mit eigener Psychiatrie-Erfahrung.

Junge Menschen sensibilisieren und ermutigen, sich Hilfe zu holen

„Die Ursachen für psychische Erkrankungen im Erwachsenenalter liegen meistens in Erlebnissen aus der Kindheit oder Jugend. Deshalb sind Präventionsangebote an Schulen besonders wichtig“, betont Ursel Wolfgramm, Vorstandsvorsitzende des PARITÄTISCHEN Baden-Württemberg. „Wir müssen junge Menschen sensibilisieren und ermutigen, sich Hilfe zu holen. Dazu müssen Schulen enger mit den Fachberatungsstellen vor Ort zusammenarbeiten und auch junge Menschen, die ähnliche Psychiatrieerfahrungen bereits gemacht haben, als Bezugsgruppe einbinden“, so Wolfgramm weiter. Um zu verhindern, dass Jugendliche durch das Hilferaster fallen, sollte verstärkt auch die Online-Beratung zum Hilfsangebot gehören.

Außerdem sei eine bessere Verzahnung der Hilfesysteme von Jugendhilfe und Eingliederungshilfe erforderlich.

Mehr als die Hälfte der psychisch belasteten Menschen sind Frauen

Frauen haben einen hohen und speziellen Hilfe- und Betreuungsbedarf. "Das Angebot muss niederschwellig und auf die aktuelle Lebenssituation hin angepasst sein. Diese Frauen haben in ihrem bisherigen Leben häufig Gewalt, Zurückweisung und Beziehungsabbrüche erfahren. Sie müssen erst lernen, Unterstützung anzunehmen und Perspektiven zu entwickeln“, erklärt Heidrun Hiller, Geschäftsführerin vom Frauenwohnprojekt der Arbeiterinnen- und Arbeiterselbsthilfe e.V. in Stuttgart. „Sie brauchen ein sicheres und verlässliches Umfeld, Unterstützung in lebenspraktischen Angelegenheiten wie Haushalt, dem Umgang mit Geld und Schulden, der beruflichen Orientierung, aber auch in der Gestaltung von Beziehungen und im Umgang mit ihren Emotionen“, so Hiller weiter. Für die Betreuerinnen bedeute das eine hohe Präsenzzeit in der Einrichtung und eine intensive Kontaktpflege zu jeder einzelnen Klientin.

Laut Arztreport 2018 haben sich über 275.000 junge Menschen im Alter zwischen 18 und 25 Jahren im Jahr 2016 in Baden-Württemberg aufgrund einer psychischen Störung behandeln lassen. Davon litten 86.227 Betroffene an Depressionen, 81.435 an psychosomatischen Störungen mit wechselnden körperlichen Symptomen und 62.959 an psychosozialen Belastungen aufgrund eines einschneidenden Lebensereignisses.

Der PARITÄTISCHE fordert:

  • den Ausbau und die flächendeckende Finanzierung von gemeindenahen und aufsuchenden Angeboten und Versorgungsstrukturen auch für Kinder und Jugendliche,
  • die Einbindung von kinder- und jugendpsychiatrischen Angeboten in die Gemeindepsychiatrischen Verbünde
  • sowie die Ausweitung der Beteiligung von Betroffenen und Angehörigen.

Quelle: DER PARITÄTISCHE Baden-Württemberg vom 09.10.2018

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