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Gesundheit / Ganztagsbildung

Präventionsprojekt „Paula kommt in die Schule“: Grundschulen starten in die Praxisphase

Grundschulkinder stehen um einen Tisch mit Obstkörben. Ein Mann hält eine Marionette über das Obst.
Bild: © Knappschaft Bahn See

In Bochum werden im Dezember die ersten Grundschulen deutschlandweit in ein neues Präventionsprojekt starten: „Paula kommt in die Schule“ – und Paula kam tatsächlich. Die Marionette der Augsburger Puppenkiste machte Mitte November einen Workshop mit Kindern der Grundschule Auf dem Alten Kamp und befragte anschließend Experten zur Prävention in Grundschulen.

Barbara Steffens, ehemalige Gesundheitsministerin und Schirmherrin des Projekts, brachte es auf den Punkt: „Prävention soll den Kindern und auch den Lehrerinnen und Lehrern Spaß machen. Und wenn gleichzeitig wissenschaftlich fundierte Arbeit dahintersteht, dann werden die Lehrkräfte mit ihrem Engagement auch tatsächlich etwas bewirken.“

Sozial-emotionale Kompetenzen von Kindern früh fördern

Alle Lehrkräfte, die das Projekt in ihren Klassen umsetzen, absolvieren zum Einstieg eine viertägige Fortbildung. Sie erlernen praktische Maßnahmen und Theorie zum entwicklungsorientierten Präventionsansatz. „Kern dieses Ansatzes ist“, so Projektleiterin Dr. Charlotte Peter, „dass wir Kinder sehr früh in ihrer Entwicklung fördern, insbesondere beim Erwerb sozial-emotionaler Kompetenzen. Das schützt sie gegen Risiken, die im Jugendalter zu Sucht und Gewalt führen können.“ Die Psychologin ist wissenschaftliche Leiterin bei Papilio, einem Augsburger Sozialunternehmen, das Präventionsprogramme entwickelt und verbreitet. Sie wird unterstützt von einem wissenschaftlichen Team rund um Prof. Dr. Herbert Scheithauer an der Freien Universität Berlin.

Persönliche Entwicklung wichtig für schulisches Lernen

Die Notwendigkeit früher Prävention bestätigte Rektorin Brigitte Fritzsche: „Die Gesellschaft verändert sich und das merken wir ganz stark an den Kindern: Wir müssen sie in ihrer sozial-emotionalen Entwicklung unterstützen, damit sie den Übergang von der Kita in die Schule bewältigen. Wenn sich Kinder zum Beispiel nicht in eine Gruppe integrieren können, sich auffällig verhalten oder nicht gut genug konzentrieren können, dann wird die Vermittlung von Lernstoff schwierig.“ Rektorin Fritzsche hatte sich schon vor Monaten vom Konzept des Präventionsprojekts überzeugen lassen und hat mehrere weitere Bochumer Grundschulen für die Modellphase gewonnen. Mit seinen acht teilnehmenden Schulen ist Bochum Vorreiter in dem bundesweiten Modellprojekt. Insgesamt werden rund 25 Schulen in NRW, Brandenburg und Bayern teilnehmen.

Umgang mit neuen Gefühlen erlernen

Die Fortbildungen beginnen im Dezember, danach setzen die Lehrerinnen und Lehrer die Papilio-Maßnahmen in ihren Klassen um und beziehen auch die Eltern mit ein. Paula ist selbst Teil einer Maßnahme. Zusammen mit ihren Freunden, den Kistenkobolden Heulibold, Zornibold, Bibberbold und Freudibold, hilft sie den Kindern insbesondere beim Umgang mit neuen Gefühlen wie Neid, Schuld, Scham und Stolz. „Der Vorteil ist, dass sich die Maßnahmen leicht in den Schulalltag einfügen“, schildert Ruth Siemes-Frömmer, pädagogische Leiterin bei Papilio. „Die Förderung der psychosozialen Gesundheit der Kinder kommt unterm Strich auch den Lehrkräften und den Eltern zugute.“ Sind die Maßnahmen erst einmal eingeführt, können sie in den ersten beiden Grundschuljahren ständig mitlaufen und entfalten so mit der Zeit ihre Wirkung. Regionale Papilio-Trainer führen die Fortbildungen durch und begleiten die Lehrkräfte bei Fragen.

Hintergrund des Modellprojekts

Ermöglicht hat das Modellprojekt die Krankenkasse KNAPPSCHAFT mit Sitz in Bochum. Geschäftsführerin Bettina am Orde erklärte der neugierigen Paula den Hintergrund: „Als Krankenkasse gehört es zu unseren Aufgaben, uns um die Gesundheit zu kümmern und frühzeitig vorzusorgen, damit Kinder gesund aufwachsen. Indem wir die Entwicklung und wissenschaftliche Begleitung von ‚Paula kommt in die Schule‘ fördern, sorgen wir auch dafür, dass Mädchen und Jungen ab dem Schulanfang begleitet werden.“

Alle Grundschulen, die sich für das Präventionsprogramm interessieren, können sich bei Papilio melden: per Mail unter grundschule@DontReadMepapilio.de oder telefonisch unter 0821 4480 5670.

Nähere Informationen zum Modellprojekt finden sich auf der Internetseite von Papillio.

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