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Nachgefragt – jugendhilfeportal.de

Interview zum IMA-Bericht – Genau zugehört, Betroffene eingebunden und zwei ressortübergreifende Kinder-Corona-Gipfel

Leere Straße mit "Achtung Kinder" Markierung auf dem Asphalt
Bild: © Pit24 - Fotolia.com

Das Fachkräfteportal der Kinder- und Jugendhilfe widmet sich den Handlungsempfehlungen aus dem IMA-Bericht „Gesundheitliche Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche durch Corona“. Heute dazu im Gespräch: die Senatorin der Freien Hansestadt Bremen für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz Claudia Bernhard. Sie beschreibt den richtungsweisenden Bremer Weg in der Pandemie.

Für das Fachkräfteportal der Kinder- und Jugendhilfe kommentiert Christa Frenzel die Ergebnisse zum IMA-Bericht „Gesundheitliche Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche durch Corona“. Außerdem befragen wir Fachkräfte sowie Entscheidungsträgerinnen zu den Kernempfehlungen des IMA-Berichts, dieses Mal: Claudia Bernhard.

Claudia Bernhard ist die Bremer Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz. Sie berichtet über die erfolgreiche Bremer Impfstrategie, die ressortübergreifende Zusammenarbeit und Koordination innerhalb des Bremer Senats und gezielte, kleinräumige Maßnahmen zur Stärkung der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen.

Viele Bausteine ebnen den Weg zur einer hohen Impfquote: Direkte Ansprache und gute Organisation

Frau Senatorin, für die Fachkräfte und Verantwortlichen der Kinder- und Jugendhilfe, die ebenso wie der öffentliche Gesundheitsdienst und das Gesundheitssystem insgesamt von der Pandemie und den Folgen der Pandemie sehr stark betroffen sind, ist von großem Interesse, welche Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie präventiv gewirkt haben und sich daher besonders bewährt haben. Das Land Bremen gehört zu den Bundesländern, in denen die 7-Tage-Inzidenz deutlich unter dem Bundesdurchschnitt liegt. Die Impfquote ist sehr hoch. Welchen Weg hat Bremen beschritten? Welches sind die Gelingensfaktoren?

Es war auf jeden Fall nicht nur ein Weg, wir mussten viele Wege gleichzeitig beschreiten. Grundsätzlich steht hinter unserer Strategie aber die direkte Ansprache und Information der Bremerinnen und Bremer. Zu Beginn war es uns sehr wichtig, dass wir die Priorisierung der Impfreihenfolge eng einhalten, zuerst die am meisten gefährdeten Personen schnell impfen. Um das umsetzen zu können, haben wir von Anfang an die jeweils Impfberechtigten per Post zur Impfung eingeladen. Alle haben einen Brief nach Hause bekommen mit einem Termincode und konnten innerhalb weniger Tage geimpft werden. So sind wir Schritt für Schritt vorgegangen und konnten alle Bremerinnen und Bremer in unser Impfzentrum einladen.

Das war vor allem zu Beginn ein weiterer Baustein: ein großes, leistungsfähiges Impfzentrum. Wir haben in kurzer Zeit große Kapazitäten aufgebaut und sind niemals in die Situation gekommen, dass wir zu viel Impfstoff und zu geringe Kapazitäten im Impfzentrum hatten. 

Analyse der Inzidenzwerte bereits im Spätsommer 2020: höhere Inzidenzen in strukturell benachteiligten, ärmeren Stadtteilen  

Viel wichtiger war und ist bis heute, dass wir sehr schnell in die Stadtteile gegangen sind und niedrigschwellige Impfangebote gemacht haben. Wir haben in Bremen als erste Großstadt bereits im Spätsommer 2020 analysiert, in welchen Stadtteilen die Inzidenz höher ist, in welchen niedriger. Die Ergebnisse waren nicht überraschend: in. Bei weniger Wohnraum, einem höheren Anteil prekär Beschäftigter und schlechterer medizinischer Versorgung war das leider nicht überraschend. 

Die schlüssige Antwort: dezentrale Impfangebote und Impftrucks in verschiedenen Stadteilen

Für uns war aber klar, dass wir mit unseren Impfangeboten genau dorthin müssen. Wir haben also schon im Mai damit begonnen, dezentrale Impfangebote einzurichten. Wir haben kleine, temporäre Impfzentren in verschiedenen Stadtteilen eingerichtet, haben unsere Impftrucks in die Stadtteile geschickt und Impfungen in Schulen ermöglicht. Die Trucks sind bis heute unterwegs und werden weiterhin stark nachgefragt. Und auch nach der Schließung unseres großen Impfzentrums im Oktober haben wir unsere Bemühungen nicht gestoppt, sondern kleine Impfzentren in vier verschiedenen Stadtteilen eingerichtet. Hinzu kommt noch unser neues, großes Impfzentrum und das Kinderimpfzentrum.

Die Schlüssel zum Erfolg: Informationskampagne in sieben Sprachen und Gesundheitsfachkräfte zur Aufklärung in die Quartiere

Alle Angebote allein reichen aber bei weitem nicht aus. Was vermutlich der Schlüssel war und ist, ist eine gute Information und Aufklärung. Wir haben eine eigene Informationskampagne in sieben Sprachen aufgelegt, haben Gesundheitsfachkräfte zur Aufklärung in die Quartiere entsendet und eng mit Multiplikatorinnen und Multiplikatoren zusammengearbeitet. In vielen Fällen machen wir fast schon Individualansprachen, gehen in viele Diskussionen und Gespräche und können die Bremerinnen und Bremer von der Impfung überzeugen. Daraus entsteht dann aber natürlich auch ein positives Gefühl in der Stadt der Impfung gegenüber. 

„Unser Ziel: wir wollen alle Bremerinnen und Bremer erreichen“

Zusammenfassen kann man den Erfolg vermutlich mit umfangreichen und dezentralen Impfangeboten und einem hohen Grad an Information und Aufklärung. Wir haben die Maxime, dass wir wirklich alle Bremerinnen und Bremer erreichen wollen, nicht nur vor uns hergetragen, sondern tatsächlich so auch umgesetzt.

Genau zugehört und die Betroffenen eingebunden: Zwei ressortübergreifende Kinder-Corona-Gipfel zu den Folgen der Pandemie

Kinder und Jugendliche in prekären Lebenssituationen sind von der Pandemie besonders betroffen. Ihre soziale Situation kann sich weiter verschlechtern. Die Pandemie dauert an und die weitere Entwicklung kann nicht eingeschätzt werden. Die Beeinträchtigung der Bildungs- und Teilhabemöglichkeiten wirkt sich auch auf die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen aus. Welche Maßnahmen bringt das Land Bremen auf den Weg, um die gesundheitlichen Folgen der Pandemie abzufedern und weitere Beeinträchtigungen zu vermeiden?

Das Land Bremen hat sich auf zwei ressortübergreifenden Kinder-Corona-Gipfeln am 11. Juni und am 1. Oktober 2021 ausführlich mit den Folgen der Pandemie befasst. Hier wurde von Expert(inn)en und jungen Menschen eindrucksvoll beschrieben, dass die Folgen in Form von verschlechtertem Gesundheitsverhalten der Kinder mit stark erhöhtem Medienkonsum, weniger Bewegung und unausgewogener Ernährung, aber auch psychische und psychosomatische Auffälligkeiten auftreten. Zudem sind soziale Probleme oder Einschränkungen des Kontakts mit Gleichaltrigen zu beobachten.

Kinder und Familien brauchen kurzfristig schnelle Hilfen – die öffentliche Hand muss die kurzfristige Unterstützung mit einer langfristigen Strukturentwicklung verbinden und die Unterstützungssysteme anpassen und weiterentwickeln  

Kinder und ihre Familien in Bremen brauchen daher einerseits schnelle Hilfen, um die negativen Auswirkungen der Coronapandemie zu bekämpfen. Dazu werden das Corona-Aufholpaket des Bundes sowie weitere Unterstützungsmaßnahmen umgesetzt. Auch werden weitere Mittel zur „Stärkung der kleinräumigen Angebote in den Stadtteilen, im Bereich der Frühen Kindheit, der psychosozialen und gesundheitlichen Versorgung und Unterstützung von Kindern und ihren Familien“ umgesetzt. 

Die aktuelle Situation macht aber auch deutlich: neben den notwendigen kurzfristigen Hilfen braucht es jetzt eine vorausschauende Entwicklung, sodass das Unterstützungssystem von morgen integriert, passgenau und lebensweltnah werdende Eltern, Kinder und ihre Familien in Bremen unterstützen kann. Gelingt es nicht, die kurzfristige Unterstützung mit einer langfristigen Strukturentwicklung zu verbinden, werden sich die bevorstehenden Herausforderungen nicht bewältigen lassen, so stellt es auch der 9. Familienbericht der Bundesregierung fest. 
In Bremen besteht eine Vielzahl an Angeboten der Familienbildung, der frühkindlichen Bildung und Entwicklung und der Frühen Hilfen.

Des Weiteren besteht in Bremen ein dichtes Netz zivilgesellschaftlich engagierter Akteure, die sich für ein gesundes und entwicklungsförderliches Aufwachsen von Kindern einsetzen. Dabei gelingt es jedoch zu selten, diese Maßnahmen und Angebote dauerhaft aufeinander zu beziehen und langfristig ein gut abgestimmtes und wirksames Unterstützungssystem aufzubauen. Durch die Vielfalt an bestehenden Projekten, gepaart mit dem intensivierten Zusammenspiel von freien und öffentlichen Trägern, unterschiedlichen Ebenen im föderalen System sowie verschiedenen Ressorts besteht eine erhöhte Komplexität und somit die Notwendigkeit einer guten Vernetzung. Dies erfordert ein ressortübergreifendes Vorgehen, das innerhalb der bestehenden Strukturen eine gemeinsame Verantwortlichkeit und daraus abgeleitet ein gemeinsames Handeln schafft.

Der Bremer Weg: Von einer ‚Finanztopflogik‘ zu einer Organisations- und Handlungslogik – ein Gesamtsystem, das dauerhaft und nachhaltig wirkt. Das ist das Ziel.

Verschiedene Modellprojekte haben gezeigt, dass die Entwicklung gemeinsamer Visionen sowie klarer und geteilter Ziele essenziell ist, „um von einer ‚Finanztopflogik‘ zu einer Organisations- und Handlungslogik zu gelangen, die sich an den Bedürfnissen von Familien und Kindern und werdenden Eltern ausrichten“. Das Ziel des Landes Bremen ist, ein Gesamtsystem zu entwickeln, das dauerhaft und nachhaltig wirkt. 

Der Bremer Senat hat daher auf Vorschlag meiner beiden Kolleginnen, der Senatorin für Soziales, Jugend, Integration und Sport, der Senatorin für Kinder und Bildung und mir beschlossen, eine ressortübergreifende Gesamtkoordination und -strategie „Frühe Kindheit“ zu entwickeln und umzusetzen. 

Die Gesamtkoordination und -strategie zielt darauf, das Zusammenspiel in komplexen Strukturen durch eine verbindliche Vernetzung und Koordination mit zusätzlich bereitgestellten Ressourcen zu verbessern sowie existierende Ansätze und Förderlücken systematisch zu erfassen und im Sinne einer koordinierten Planung weiterzuentwickeln, um Synergieeffekte nutzen zu können. 

Die Merkmale und Phasen der ressortübergreifenden Gesamtkoordination und -strategie „Frühe Kindheit“ sind:

  • Sie ist kindzentriert ausgerichtet, das heißt immer vom Kind und der Familie ausgedacht.
  • Sie ist umfassend präventiv ausgerichtet.
  • Sie ist sozialräumlich und an Lebenslagen orientiert.
  • Sie umfasst alle Bereiche des Aufwachsens von jungen Kindern, von der Schwangerschaft bis zum erfolgreichen Übergang in die Schule.
  • Sie gestaltet die Übergänge zwischen Angeboten und Akteuren, insbesondere zwischen den entscheidenden Entwicklungsphasen.
  • Sie bezieht bestehende Programme, Konzepte und alle relevanten Akteure mit ein.
  • Sie hat eine ressortübergreifende Verbindlichkeit für alle Akteure.
  • Sie hat eine grundsätzliche Gültigkeit und gibt damit Ziele und Orientierung für die fachliche Arbeit vor.
  • Sie bindet in einem aktiven, dialogischen Prozess auch die Familien selbst in ihre Umsetzung mit ein.
  • Sie berücksichtigt die Möglichkeiten einer inklusiven Ausgestaltung der Angebote, die auch durch die Reform des SGB VIII derzeit bundesweit vorangetrieben wird.

Diese ressortübergreifende Strategie wird in gemeinsamer Verantwortung der beteiligten Ressorts in zwei Phasen umgesetzt. 

Zur Information: Prozessstrukturen der Gesamtkoordination und -strategie „Frühe Kindheit“ des Landes Bremen: 

1. Phase: Entwicklung einer integrierten Gesamtstrategie „Frühe Kindheit“
Während der Phase der Entwicklung sind vor allem folgende Aufgaben zu berücksichtigen:

  • Erarbeitung fachlicher Ziele,
  • strategische Planung der Umsetzung der Handlungsziele (insbesondere durch die Priorisierung von Kernthemen),
  • Berücksichtigung der bereits bestehenden Konzepte, Angebote, Regelstrukturen, Akteure und Programme,
  • Beteiligung von werdenden Eltern, Kindern und Familien durch einen breiten Beteiligungsprozess sowie einen Betroffenenbeirat,
  • begleitende Öffentlichkeitsarbeit,
  • Organisation der geplanten externen Evaluation des Projekts.

2. Phase: Integrierte Umsetzung der Gesamtkoordination und -strategie „Frühe Kindheit“
Die Phase der integrierten Umsetzung beginnt bereits mit der Phase der Entwicklung der Gesamtstrategie. Die Aufgaben und Ziele lassen sich unterteilen in:

  • Identifikation und zeitnahe Umsetzung von Teilaspekten der Gesamtstrategie, die als „Quick-Wins“ (schnelle Resultate) oder im Rahmen von Erprobungen bereits parallel zur Strategieentwicklung umgesetzt werden, 
  • Verzahnung der Planung von Angeboten sowohl auf strategischer als auch auf operativer Ebene der beteiligten Ressorts,
  • Weiterentwicklung der Jugendhilfe-, Bildungs- und Gesundheitsplanung zu einer integrierten Planung, die sich sozialräumlich und an Lebenslagen orientiert ausrichtet,
  • Beratung und Qualifizierung der Akteure und Fachkräfte,
  • Begleitung bei der sozialräumlichen Weiterentwicklung von Konzepten und Programmen im Sinne der Gesamtkoordination und -strategie,
  • Einbindung bestehender Gremien und Strukturen, sowohl im Sozialraum als auch gesamtstädtisch,
  • Begleitung und Überwachung von Anpassungs- und Organisationsentwicklungsprozessen,
  • Dokumentation.

In gemeinsamer Verantwortung von drei Ressorts – auch ein Schritt zur Verankerung der Public-Health-Strategie

Das Vorhaben wird in gemeinsamer Verantwortung der drei Ressorts durchgeführt. Eine ressortübergreifende Steuerungsstelle „Frühe Kindheit“ wird eingerichtet. Als Gesundheitssenatorin bin ich sehr stolz auf diese grundlegende Strukturentscheidung. Ich sehe darin einen großen Schritt zur Verankerung der Public-Health-Strategie, dem Ziel, „Gesundheit in allen Politikfeldern“ zu verankern. 

Das Programm „Stärkung der kleinräumigen Angebote in den Sozialräumen“ hat das Ziel, den physischen, psychischen und psychosozialen Auswirkungen der Pandemie wirksam zu begegnen.

Frau Senatorin, Sie haben bereits mit großem Erfolg im Rahmen der Maßnahme „Stadtteilbezogene Unterstützungsleistungen im Rahmen der Covid-19-Pandemie in Bremen“ Gesundheitsfachkräfte in Bremer Quartieren eingesetzt. Gibt es weitere Planungen für Maßnahmen direkt in den Quartieren?

Wie ich bereits erwähnte: Kinder und ihre Familien im Land Bremen benötigen schnelle, zielgruppenspezifische und niedrigschwellige Unterstützungsangebote, um die negativen Auswirkungen der pandemiebedingten Beschränkungen zu verhindern oder abzumildern.

Deswegen haben meine Kolleginnen Senatorinnen und ich ebenfalls ein ressortübergreifendes Programm auf den Weg gebracht. Das Programm „Stärkung der kleinräumigen Angebote in den Stadtteilen, im Bereich der Frühen Kindheit, der psychosozialen und gesundheitlichen Versorgung und Unterstützung von Kindern und ihren Familien“ bietet kleinräumige Angebote in den Sozialräumen der betroffenen Kinder, Jugendlichen und Familien mit dem Ziel, den physischen, psychischen und psychosozialen Auswirkungen der Pandemie wirksam entgegenzuwirken.

Drei Förderschwerpunkte: Durchbrechen der sozialen Isolation – Bewegungsangebote ausbauen – die seelische Gesundheit stärken

In drei Förderschwerpunkten sollen im Rahmen des Vorhabens Mittel für niedrigschwellige, präventive Angebote im Sozialraum bis Ende 2023 zur Linderung der Folgen der Coronapandemie bei Kindern bereitgestellt werden. Hierzu soll in Kooperationen mit Vereinen, Trägern und Initiativen geprüft werden, welche Angebote gestärkt werden können, um eine zielgruppenspezifische Förderung in den Sozialräumen umzusetzen.

Der erste Schwerpunkt lautet „Die soziale Isolation durchbrechen“. Durch die Stärkung offener und niedrigschwelliger Angebote sollen diese Kinder wieder an das gesellschaftliche Leben herangeführt werden. Kinder im Vorschulalter, die nicht eine Kindertagesstätte besuchen, sollen durch flexible ergänzende Betreuungsangebote gezielt an den sozialen Gruppenalltag herangeführt werden und durch kurzfristig zu realisierende, niedrigschwellige Angebote soziale Teilhabe erleben. Nicht zuletzt sollen dadurch auch Schutzräume für Kinder wiederbelebt und ausgeweitet werden.

Gruppenbezogene Angebote der Frühen Hilfen, der Eltern- und Familienbildung, der frühkindlichen Bildung und für Kinder im Grundschulalter sollen daher in den Jahren 2022 und 2023 gestärkt werden, um dem gestiegenen Unterstützungsbedarf gerecht zu werden. Hierbei sollen sowohl bestehende Angebotsstrukturen (zum Beispiel Häuser der Familie, Mütterzentren, Elternunterstützungsprogramme usw.) gestärkt als auch neue Projekte geprüft und ggf. umgesetzt werden.

Mit dem zweiten Schwerpunkt sollen Bewegungsangebote im Alltag und im organisierten Sport aktiviert werden. Beispiele hierfür sind Angebote der Spielförderung, die Programme „Kids in die Clubs“ und „Kids in die Bäder“, um den Zugang zu Bewegungsangeboten in Vereinen und den Bremer Bädern für mehr Kinder zu ermöglichen.

Im dritten Schwerpunkt „Die seelische Gesundheit stärken“ stehen schnelle Hilfen für psychisch belastete Kinder und Jugendliche in Form system- und ressortübergreifender, flexibler Angebote in den Systemen Bildung, Kinder- und Jugendhilfe/Soziales und Gesundheit im Fokus. 

An diesen Schnittstellen gibt es in Bremen bereits vielfältige Kooperationen in der Praxis. Diese sollen durch den flexiblen und quartiersorientierten Einsatz von Fachkräften aus dem Bereich der psychischen Gesundheit verstärkt werden. Wichtige Möglichkeiten hierbei sind etwa der Einsatz kinder- und jugendpsychiatrischer Schnittstellenkoordinator(inn)en im Quartier zur Beratung und Unterstützung von Fachkräften aus Schule, Kindertagesstätte, Jugendhilfe und Freizeitangeboten zu spezifischen Bedarfen sowie die Vernetzung verschiedener Akteure im Stadtteil.

Im Rahmen der quartiersbezogenen Gesundheitsangebote sollen „Community Mental Health Nurses“ oder psychiatrisch fachweitergebildete Gesundheitsfachfrauen und -männer zur niedrigschwelligen psychosozialen Beratung eingesetzt werden. Außerdem wird eine Ausweitung des bestehenden Familienhebammenangebots in den Quartieren angestrebt, um weiteren Gruppen sozial benachteiligter Mütter/Familien und deren Kindern frühzeitig Unterstützung anbieten zu können. 
Sie sehen, das Land Bremen ist mit seiner Politik nah bei den Menschen. Wir haben früh die Situation analysiert, Expert(inn)en befragt und die Betroffenen eingebunden.  

Frau Senatorin, ich danke Ihnen herzlich für das Gespräch und wünsche Ihnen viel Kraft für den weiteren Weg.

Das Gespräch führte Erste Stadträtin a. D. Christa Frenzel.

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