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Gesundheit / Kindheitsforschung

IDEFICS-Studie: Forschungsergebnisse zu vorbeugenden Maßnahmen gegen kindliches Übergewicht

Turnschuhe auf Waage
Bild: © PinkShot - Fotolia.com

Kindliches Übergewicht gilt weltweit als gesellschaftliche Herausforderung. Die europäische IDEFICS-Studie liefert nun umfassende Ergebnisse aus dem Präventionsprogramm dieser Studie gegen kindliches Übergewicht.

Bei Kindern und Jugendlichen wird durch vorbeugende Maßnahmen ein großes Potenzial gesehen, frühzeitig Übergewicht und somit gesundheitlichen Risiken wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes vorzubeugen. So nahm die IDEFICS-Studie nicht nur die Ursachen von ernährungs- und lebensstilbedingten Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen in den Blick, sondern erforschte auch, wie diese durch ein umfassendes Präventionsprogramm langfristig verhindert werden können.

Das Präventionsprogramm der IDEFICS-Studie fand in Belgien, Deutschland, Estland, Italien, Schweden, Spanien, Ungarn und Zypern von 2008 bis 2010 statt.

  • In jedem Land waren zwei Regionen beteiligt: In einer wurden die vorbeugenden Maßnahmen durchgeführt, in der anderen – der Kontrollregion – wurden die Kinder zunächst nur beobachtet.
  • Über 16.000 Kinder zwischen zwei und zehn Jahren waren beteiligt – damit zählt die IDEFICS-Studie auf diesem Gebiet zu einer der größten in Europa.
  • Die vorbeugenden Maßnahmen gegen Übergewicht konzentrierten sich auf die Bereiche Ernährung, körperliche Aktivität und Stress. So ging es bei der Ernährung um einen höheren täglichen Wasser- sowie Obst- und Gemüsekonsum, bei der körperlichen Aktivität um mehr tägliche Bewegungs- und weniger Fernsehzeit sowie beim Stress um mehr Familienzeit und ausreichend Schlaf.
  • Das Präventionsprogramm wurde in gemeinschaftlich geführten Einrichtungen wie Kindergärten und Schulen durchgeführt. Familien erhielten hierzu Infomaterial und wurden motiviert, vorbeugende Maßnahmen zu Hause mit den Kindern umzusetzen. Auch kommunale Akteurinnen und Akteure wie aus der Politik, der Kindermedizin und Sporteinrichtungen waren aktiv beteiligt. Eine der wesentlichen Fragen war hierbei, wie das räumliche Umfeld gestaltet sein muss, damit Kinder sich gerne und viel bewegen.

Studie zeigt Best-Practice-Beispiele

Die Präventionsmaßnahmen fanden auf mehreren Ebenen statt – Individuum, Familie, Kindergarten und Schule sowie Kommune. Hierdurch erreichte die IDEFICS-Studie nicht nur eine gute Akzeptanz bei Kindern und Eltern, sondern es bildeten sich auch neue kommunale Netzwerke, die bis heute andauern. Diese ermöglichten unter anderem nachhaltige Verbesserungen bei den räumlichen Angeboten für Kinder: Zu den Best-Practice-Beispielen zählen beispielsweise neu entwickelte "Healthy Walks" in Italien sowie die kreative und bewegungsfreundliche Gestaltung von Schulhöfen in Schweden gemeinsam von Schülerinnen und Schülern, Lehrerinnen und Lehrern, einem Architekturpädagogen und der Kommune. Um die entstandenen Initiativen gegen kindliches Übergewicht nachhaltig zu stärken, wurde eine IDEFICS-Charta von den politisch Zuständigen der beteiligten Regionen unterzeichnet. Weiterhin zeigten die Präventionsmaßnahmen bei bereits übergewichtigen Kindern einen positiven Effekt: Zwei Jahre nach Teilnahme stieg die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Gewicht der Kinder normalisiert hatte.

Weitere Forschung ist notwendig

Auch wenn die IDEFICS-Präventionsmaßnahmen in Teilbereichen Erfolge erzielten, konnte das ehrgeizige Ziel, den Anteil der übergewichtigen Kinder in den beteiligten Regionen deutlich zu verringern, nicht erreicht werden. Weitere Forschung ist nötig, um die Zusammenhänge zwischen verschiedenen Verhaltensweisen und Übergewicht sowie der Wirkungsweise relevanter vorbeugender Maßnahmen noch besser zu verstehen.

Prof. Dr. Iris Pigeot, Direktorin des BIPS und Gasteditorin der Sonderausgabe, erklärt: "Präventionsprogramme gelten als ein Schlüssel, um Übergewicht einzudämmen. Wir müssen jedoch verstehen, wie vorbeugende Maßnahmen gegen Übergewicht gestaltet sein müssen, damit sie erfolgreich sind und den Kindern helfen."

Die Untersuchungen der IDEFICS-Studie werden in der EU-finanzierten I.Family-Studie weitergeführt. Sie hat zum Ziel, die Einflussfaktoren auf das Ernährungs- und Bewegungsverhalten von Kindern und Jugendlichen sowie deren Auswirkungen auf die Gesundheit zu erforschen.

Weitere Informationen

Internetseite zur IDEFICS-Studie: www.ideficsstudy.eu
Internetseite zur I.Family-Studie: www.ifamilystudy.eu

Quelle: Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie - BIPS vom 25.01.2016

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