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Gesundheit / Europa

Globaler Impfgipfel: Immunisierung als Recht für alle

Kind beim Arzt
Bild: © mbt_studio - Fotolia.com

Die Europäische Kommission und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben am 12. September 2019 in Brüssel den weltweit ersten Globalen Impfgipfel ausgerichtet. Sie wollen gemeinsam globale Maßnahmen gegen die Ausbreitung von vermeidbaren Krankheiten vorantreiben und die Verbreitung von Desinformation über Impfstoffe bekämpfen.

„Es kann nicht angehen, dass in einer so hoch entwickelten Welt wie der unseren noch immer Kinder an Krankheiten sterben, die schon seit Langem hätten ausgerottet sein sollen. Schlimmer noch: Wir halten die Lösung dafür in unseren Händen, aber wir nutzen sie nicht in vollem Umfang! Dank Impfungen werden bereits jährlich zwei bis drei Millionen Menschenleben gerettet, weitere 1,5 Millionen Todesfälle könnten durch eine höhere globale Durchimpfungsrate verhindert werden“, erklärte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker.

Alle müssen von wirksamen Impfmaßnahmen profitieren können

Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus, der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation, fügte hinzu: „Nach vielen Jahren rückläufiger Erkrankungszahlen befinden wir uns nun an einem entscheidenden Wendepunkt. Die Zahl der Masernerkrankungen steigt wieder, und eines von zehn Kindern erhält nach wie vor nicht die so wichtigen Impfungen im Kindesalter. Diesen Kurs können und müssen wir korrigieren. Gelingen kann uns dies nur, wenn wir dafür sorgen, dass alle von den wirksamen Impfmaßnahmen profitieren können – und wenn die Regierungen und ihre Partner in die Immunisierung als ein Recht für alle und als soziales Gut investieren. Es ist an der Zeit, Impfungen als zentralen Bestandteil der Gesundheitsfürsorge für alle zu unterstützen.“

Vier europäische Staaten verloren Status der Masern-Elimination

In den vergangenen drei Jahren verloren sieben Länder ihren Status der Masern-Elimination, darunter vier in Europa: Albanien, Tschechien, Griechenland und das Vereinigte Königreich. Neue Ausbrüche sind unmittelbar auf Impflücken zurückzuführen, auch bei Jugendlichen und Erwachsenen, die keinen vollständigen Impfschutz erhalten haben. Um diese Impflücken wirksam zu schließen, werden auf dem Gipfeltreffen zahlreiche Hindernisse für die Impfung angesprochen. Dazu gehören Vorschriften und Zugänglichkeit, Verfügbarkeit, Qualität und Zweckmäßigkeit von Impfdiensten, soziale und kulturelle Normen, Werte und Unterstützung, individuelle Motivation, Einstellungen, Kenntnisse und Fähigkeiten.

Die Europäische Kommission und die Weltgesundheitsorganisation riefen ferner dazu auf, die Globale Impfallianz GAVI massiv zu unterstützen, die seit dem Jahr 2000 den öffentlichen und den privaten Sektor zusammenbringt, um den Zugang zu Impfstoffen für Kinder in den ärmsten Ländern der Welt sicherzustellen.

Auf der Tagesordnung des Globalen Impfgipfels standen auch neue Modelle und Möglichkeiten im Hinblick darauf, die Entwicklung von Impfstoffen voranzutreiben, sowie die Frage, wie die Immunisierung als Priorität im Bereich der öffentlichen Gesundheit und als universelles Recht verankert werden kann.

Impfskepsis als Bedrohungen für die globale Gesundheit

Die WHO hat die Impfskepsis 2019 als eine der zehn größten Bedrohungen für die globale Gesundheit benannt. Impfstoffe sind sicher und wirksam und stellen die Grundlage jeder soliden primären Gesundheitsversorgung dar.

Der Studie Wellcome Global Monitor über die Einstellungen von Menschen auf der ganzen Welt zu Wissenschaft und großen gesundheitlichen Herausforderungen zufolge halten weltweit 79 Prozent der Menschen Impfstoffe für sicher, und 84 Prozent meinen, dass sie wirksam sind. Der Bericht zum Thema Vertrauen in Impfstoffe in der EU zeigt jedoch, dass die Impfverweigerung in vielen EU-Mitgliedstaaten zunimmt, was weltweit mit mangelndem Vertrauen in die Sicherheit und Wirksamkeit von Impfstoffen einhergeht. Dieses mangelnde Vertrauen trägt erheblich zu den rückläufigen Durchimpfungsraten bei, die die Sicherung der Herdenimmunität gefährden und zu einem Anstieg der Krankheitsausbrüche führen.

In einer Eurobarometer-Umfrage vom April dieses Jahres gaben knapp die Hälfte (48 Prozent) der Europäerinnen und Europäer an, dass Impfstoffe ihrer Meinung nach häufig schwere Nebenwirkungen verursachen können, 38 Prozent glaubten, dass sie die Krankheiten auslösen können, vor denen sie schützen sollen, und 31 Prozent waren davon überzeugt, dass sie das Immunsystem schwächen können. Diese Zahlen spiegeln auch die verstärkte Verbreitung von Desinformation über Nutzen und Risiken von Impfungen in den digitalen und sozialen Medien wider.

Anstieg der Masernerkrankungen

Im Jahr 2019 wurden bislang weltweit die meisten Masernfälle seit 2006 gemeldet. Der 2018 verzeichnete Anstieg der Masernerkrankungen hat sich 2019 fortgesetzt; so wurden in der ersten Jahreshälfte allein in der Europäischen Region der WHO rund 90.000 Fälle gemeldet und weltweit mehr als 365.000 Fälle. Diese Halbjahreszahlen liegen über sämtlichen Ganzjahreswerten, die seit 2006 verzeichnet wurden.

Maßnahmen um Impflücken zu schließen

Die Erzielung von Fortschritten auf dem Weg zu einer flächendeckenden Gesundheitsversorgung und letztendlich zur Umsetzung von Ziel 3 der Ziele für nachhaltige Entwicklung – ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern – stellt eine Priorität für Europa und die gesamte Welt dar. Die WHO, die WHO-Mitgliedsländer und die EU haben energische Schritte zur Schließung der Immunisierungslücken eingeleitet, die durch Impfung vermeidbaren Krankheiten Tür und Tor öffnen. Die Maßnahmen, die mit dem Europäischen Impfaktionsplan der WHO, der Empfehlung des Rates zur verstärkten Zusammenarbeit bei der Bekämpfung von durch Impfung vermeidbaren Krankheiten sowie der Gemeinsamen Maßnahme der Europäischen Union zur Impfung angestoßen wurden, werden die Gesundheitssysteme und die Bevölkerung in hohem Maße beeinflussen.

Weitere Informationen finden sich in der Pressemitteilung der Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland.

Quelle: Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland vom 12.9.2019

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