Bewegung

Für einen Schulweg zu Fuß oder mit dem Rad

Die Anmeldephase für die bundesweiten Aktionstage „Zu Fuß zur Schule und zum Kindergarten“ im September ist gestartet. Der ökologische Verkehrsclub, das Deutsche Kinderhilfswerk und der Verband Bildung und Erziehung animieren dazu, den Weg zur Schule oder zum Kindergarten zu Fuß, mit Rad oder Roller zurückzulegen. Gerade in der Pandemie ist es wichtig, Bewegungsarmut zu begegnen. Studien zeigen aber, dass das nicht ausreichend gelingt.

19.05.2021

Kinder und Jugendliche in Deutschland bewegen sich zu wenig. Zu diesem Schluss kommen entsprechende Studien seit Jahren. Verstärkt wird dies durch die aktuellen Infektionsschutzmaßnahmen. Da Sportunterricht und Freizeittraining pandemiebedingt nur eingeschränkt oder gar nicht stattfinden können, leiden viele Kinder noch stärker unter Bewegungsmangel. Für ihre körperliche und kognitive Entwicklung kann das verheerende Folgen haben, wie auch eine Langzeitstudie des Karlsruher Instituts für Technologie zeigt. Demnach haben sich Kinder und Jugendliche im zweiten Lockdown seit Dezember 2020 deutlich weniger bewegt als noch im ersten, nämlich durchschnittlich nur 61 Minuten am Tag. Nur noch 16 Prozent der Kinder und Jugendlichen bewegen sich entsprechend der Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation ausreichend, vor der Pandemie lag der Anteil bei einem Viertel. Fast die Hälfte der Befragten gab an, ihre Fitness sei stark gesunken. Bei knapp 30 Prozent sei das Gewicht gestiegen.

Jetzt ist es umso wichtiger, dass Kinder viele Wege aktiv bewältigen: mit den eigenen Füßen, auf dem Rad oder mit dem Roller. Mit den Aktionstagen „Zu Fuß zur Schule und zum Kindergarten“ wollen drei Organisationen Kinder, Eltern und Beschäftigte im Bildungsbereich dazu ermuntern, Projekte mit Mobilitätsbezug umzusetzen. Der ökologische Verkehrsclub VCD, das Deutsche Kinderhilfswerk (DKHW) und der Verband Bildung und Erziehung (VBE) sehen mit Sorge, dass im Zuge des Wechselunterrichts sogar Anreize für Eltern gesetzt wurden, ihre Kinder mit dem Auto zu bringen. Dies sei der vollkommen falsche Ansatz, bemängeln die Kooperationspartner und verweisen dabei auch auf den Rahmenbeschluss der Kultusministerkonferenz für die Schulöffnungen. Dieser empfiehlt explizit „nach Möglichkeit verstärkt zu Fuß zu gehen oder mit dem Fahrrad zu fahren“.

Britta Ernst, Präsidentin der Kultusministerkonferenz und Schirmherrin der Aktionstage:

„Die Aktionstage ,Zu Fuß zur Schule und zum Kindergarten' lenken den Fokus darauf, den Schulweg sicherer zu gestalten und es damit attraktiv zu machen, den Weg zu Fuß, mit dem Rad oder Roller zu bestreiten. So gewinnen die Kinder das notwendige Selbstvertrauen im Straßenverkehr. Als Schirmherrin der Aktionstage würde ich mich deshalb sehr freuen, wenn möglichst viele Schulen, Lerngruppen und Kinder mitmachen und wünsche allen, die teilnehmen, eine bewegte Zeit.“

Auch in Anlehnung daran sind Grundschulen und Kindergärten in ganz Deutschland dazu aufgerufen, sich zu den Aktionstagen anzumelden. Los geht es dann im Herbst. Vom 20. September bis 1. Oktober können Kinder zwei Wochen lang ausprobieren, wie es ist, selbstständig mit Rad, Roller oder zu Fuß zur Schule oder in den Kindergarten zu kommen. Gemeinsam mit Lehrkräften und Erzieher(inne)n können eigene Projekte rund um das Thema Mobilität entwickelt werden.

Neben Tempo 30 auf allen als Schulweg genutzten Straßen fordern VCD, DKHW und VBE insbesondere, die Infrastruktur sicherer zu gestalten und dafür auch Kinder und Jugendliche bei Planungsprozessen einzubeziehen. Der Straßenverkehr rund um Schulen und Kindergärten müsse wirksam begrenzt werden. Eltern, die nicht auf das Elterntaxi verzichten können oder wollen, sollten Alternativparkplätze angeboten werden, damit durch Bringsituationen vor den Bildungseinrichtungen niemand gefährdet wird. So gelingt es, den Weg für alle Kinder so sicher zu gestalten, dass Eltern sie sorgenfrei in ihrer eigenständigen Mobilität unterstützen können.

Alle Materialien, kostenlose Aktionsposter, Infoflyer und Projektideen gibt es auf der Website der Initiative.

Das gemeinsame Forderungspapier "Kindern durch einen sicheren Schulweg eigenständige Mobilität ermöglichen" findet sich beim Verband Bildung und Erziehung.

Quelle: Deutsches Kinderhilfswerk vom 19.05.2021

Redaktion: Uwe Kamp

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