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Gesundheit / Europa

Die Gesundheit der Bevölkerung im europäischen Vergleich

Miniaturfiguren stehen auf einer Landkarte mit einer Europa-Flagge.
Bild: © Eisenhans - fotolia.com

Wie gesund ist die Bevölkerung in Deutschland im europäischen Vergleich? Das Robert Koch-Institut hat im Journal of Health Monitoring 4/2019 Ergebnisse der aktuellen, zweiten Welle der Europäischen Gesundheitsbefragung EHIS veröffentlicht.

Europaweit vergleichbare Gesundheitsinformationen sind eine wichtige Grundlage für evidenzbasierte Maßnahmen, um Gesundheitsherausforderungen entgegenzutreten. Außerdem können sie helfen Best-Practice-Beispiele für Interventionsansätze zu identifizieren. „Mit den Daten wollen wir dazu beitragen, die Gesundheit der Menschen weiter zu verbessern“, betont Lothar H. Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts. Der Fokus der Europäischen Gesundheitsbefragung liegt auf nichtübertragbaren Krankheiten.

Für die Auswertungen im Journal of Health Monitoring haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Robert Koch-Instituts (RKI) vier Themengebiete analysiert:

  1. Einschränkungen im Alter bei Aktivitäten des täglichen Lebens wie Nahrungsaufnahme oder Körperpflege,
  2. die Auswirkungen der zentralen sozialen Rollen im mittleren Erwachsenenalter – Partnerschaft, Elternschaft und Erwerbstätigkeit – auf die selbst eingeschätzte Gesundheit,
  3. das Gesundheitsverhalten in Abhängigkeit von der Bildung und
  4. die Häufigkeit einer depressiven Symptomatik.

Bei EHIS 2 war es erstmals möglich, das Vorkommen einer depressiven Symptomatik über die gesamte Spanne des Erwachsenenalters miteinander zu vergleichen. Jüngere Menschen haben demnach in Deutschland häufiger eine depressive Symptomatik als der EU-Durchschnitt (11,5% versus 5,2%), bei Älteren ist die Verbreitung in Deutschland mit 6,7% geringer als im EU-Durchschnitt (9,1%).

Ergebnisse des European Health Interview Survey

Wie geht es der Bevölkerung Deutschlands im europäischen Vergleich? Diese Frage stellt Ausgabe 4/2019 des Journal of Health Monitoring.

Der erste Focus-Beitrag der Ausgabe beschäftigt sich mit den Auswirkungen der sozialen Rollen im mittleren Erwachsenenalter – Partnerschaft, Elternschaft und Erwerbstätigkeit – auf die selbsteingeschätzte Gesundheit. Der zweite Focus-Beitrag untersucht Bildungsunterschiede in der Prävalenz verhaltensbezogener Risikofaktoren in Deutschland und der EU. In zwei Fact sheets werden darüber hinaus Einschränkungen in Aktivitäten des täglichen Lebens im Alter sowie die Häufigkeit einer depressiven Symptomatik im europäischen Vergleich analysiert.

Die Gesamtausgabe sowie einzelne Focus-Beiträge und Fact sheets stehen auf den Internetseiten des RKI zum kostenfreien Download zur Verfügung.

Gesundheitsmonitoring beim Robert Koch-Institut

Die Europäische Gesundheitsbefragung ist seit der zweiten Welle für alle EU-Staaten verpflichtend und findet alle sechs Jahre statt. In Deutschland ist EHIS Teil des Gesundheitsmonitorings am RKI und wurde in die Studie „Gesundheit in Deutschland aktuell“ (GEDA 2014/2015-EHIS) integriert. In Deutschland wurden fast 25.000 Personen online oder schriftlich befragt.

Das RKI hat eine langjährige Expertise im nationalen Gesundheitsmonitoring, seine Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland „KiGGS“ war bei der Basiserhebung 2006 europaweit einmalig. Die Expertinnen und Experten des RKI-Monitorings waren maßgeblich beteiligt an der Entwicklung und Implementierung der grundlegenden europäischen Kennziffern (Kernindikatoren) sowie an Konzeption und Umsetzung von EHIS. Aktuell ist das RKI Partner in der europäischen „Joint Action on Health Information“. Ziel dieses Verbundes ist der Aufbau eines europäischen Gesundheitsinformationssystems mit dem Schwerpunkt auf nichtübertragbaren Erkrankungen. Auf EU-Ebene fehlt bislang eine nachhaltige Struktur oder Einrichtung für die nichtübertragbaren Krankheiten. Für Infektionskrankheiten gibt es das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten.

Risikofaktoren sind vermeidbar

Nichtübertragbare Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Diabetes mellitus und Atemwegserkrankungen sind die Haupttodesursache weltweit und auch in Deutschland. Risikofaktoren wie Rauchen, mangelnde körperliche Bewegung, schädlicher Alkoholkonsum und ungesunde Ernährung sind oftmals vermeidbar. „Präventionsansätze müssen den Einzelnen, seine Lebenswelt und die gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen in den Blick nehmen“, betont Wieler. Das RKI erweitert derzeit sein Gesundheitsmonitoring nichtübertragbarer Krankheiten. Der Aufbau einer nationalen Diabetes-Surveillance ist dabei Vorbild für weitere nichtübertragbare Krankheiten.

Quelle: Robert Koch-Institut vom 11.12.2019