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Gesundheit

Deutschland belegt internationale Spitzenplätze beim gesundheitsschädlichen Konsum legaler Drogen

Ein Jugendlicher mit Bierflaschen
Bild: © Markus Bormann - Fotolia.com

Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen stellt in ihrem Jahrbuch Sucht 2014 fest: Es braucht dringend eine Angebotsreduzierung, Preiserhöhung und Werbeeinschränkung der legalen Drogen, wenn Deutschland die internationalen Spitzenplätze im gesundheitsschädlichen Konsum legaler Drogen verlassen will.

Denn in Deutschland ist man derzeit gut bedient, wenn man seiner Gesundheit schaden will. Alle 7 Minuten stirbt in Deutschland durch Alkoholkonsum oder durch den kontinuierlichen Konsum von Alkohol und Tabak. Das sind 74.000 Menschen pro Jahr, die problemlos das Berliner Olympia-Stadion füllen könnten.

Allein an den Folgen des Rauchens sterben jährlich bis zu 120.000 Menschen. Eine mittelgroße Stadt wie Jena, Koblenz oder Köln löst sich damit sprichwörtlich in Rauch auf. Mit dem speziellen Blick auf junge Menschen untersuchte die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung den Alkoholkonsum und die Wirkung entsprechender Präventionsmaßnahmen. Diese Ergebnisse wurden ebenfalls im April veröffentlicht. Bei Studien lassen die Schlussfolgerungen zu, die großen Gewinner sind die Hersteller und die Werbmittelindustrie. Die großen Verlierer sind die Abhängigen mit gravierenden gesundheitlichen Schäden und die Gesamtgesellschaft, die die sozialen Folgekosten zu tragen hat.

Glücksspielen sowie Konsum von Alkohol und Tabak haben viel gemeinsam. Sie sind in Deutschland legal, können schnell süchtig machen und versprechen den Herstellern und Anbietern Höchstgewinne. Die hohe Nachfrage liegt dabei in der Natur der Sache: Angebote mit Suchtpotenzial schaffen bei denen, die einmal angefangen haben, sie zu konsumieren, eine immer stärkere und anhaltende Nachfrage.

  • In Deutschland sind ca. 1,8 Mio. Menschen alkoholabhängig, ca. 10 Mio. trinken riskant Alkohol. Volkswirtschaftlichen Folgekosten von 26,7 Mrd. Euro stehen 3,28 Mrd. Euro Einnahmen aus Alkoholsteuern gegenüber.
  •  In Deutschland rauchen ca. 15,2 Mio. Menschen zwischen 18 und 64 Jahren. 100.000 bis 120.000 tabakbedingte Todesfälle gibt es in jedem Jahr. 33,6 Mrd. Euro volkswirtschaftlichen Folgekosten des Tabakkonsums stehen 14,1 Mrd. Euro Einnahmen aus Tabaksteuern gegenüber.
  •  In Deutschland sind ca. 265.000 bis 275.000 Menschen pathologische Glücksspieler/-innen. Weitere 3,02 Mio. Menschen haben ein riskantes Spielverhalten. Im Vergleich zu anderen Suchtdiagnosen weisen pathologische Glücksspieler die höchsten Schulden auf und den niedrigsten Anteil an denjenigen, die schuldenfrei sind. Die direkten und indirekten sozialen Folgekosten zu Lasten der Solidargemeinschaft liegen mit mindestens 40 Mrd. Euro pro Jahr noch über denen, die durch gesundheitsschädigenden Tabak- und Alkoholkonsum verursacht werden. Die Einnahmen des Staates aus dem Glücksspiel beliefen sich 2012 dagegen nur auf 2,85 Mrd. Euro.
  •  In Deutschland sind schätzungsweise 1,4-1,5 Mio. abhängig von Medikamenten mit Suchtpotenzial, 1,1-1,2 Mio. Menschen von Benzodiazepin-Derivaten und weitere 300.000-400.0000 Menschen von anderen Arzneimitteln. Andere Schätzungen als die Hauptstelle für Suchtfragen sprechen sogar von 1,9 Mio. Abhängigen.
  •  In Deutschland sind auch Essstörungen weit verbreitet. Essstörungen sind lebensbedrohliche psychosomatische Erkrankungen mit Suchtcharakter. Unterschieden werden die Anorexia nervosa (Magersucht), die Bulimia nervosa (Ess-Brech-Sucht) und die Binge-Eating-Störung. Der repräsentative Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS) des Robert-Koch-Institutes findet bei mehr als einem Fünftel der befragten Jugendlichen (gesamt: 21,9%; 11-13 Jahre: 20,6%; 14-17 Jahre: 22,7%) Hinweise auf gestörtes Essverhalten. Für Anorexia nervosa wird für Frauen in der Regel eine Lebenszeitprävalenz zwischen 0,5% und 1% berichtet, für Bulimia nervosa zwischen 1% und 1,5%. Männer sind deutlich seltener betroffen.

Bei Jugendlichen wird vor allem der Alkoholkonsum kritisch gesehen. Das Alter, in dem junge Menschen zum ersten Mal Alkohol trinken, steigt kontinuierlich an. Ansich ein erfreulicher Trend. Doch nahezu unverändert ist seit 2010 der Anteil Jugendlicher, die Alkoholmengen trinken, die selbst für Erwachsene riskant sind. Bei den 18-25-Jährigen waren es 2010 15,6 Prozent, in 2012 16,0 Prozent. Bei den 12-17-Jährigen tranken 5,5 Prozent in 2010 Alkoholmengen in riskantem Umfang. Im Jahr 2012 waren es 5,1 Prozent. Für den Alkoholkonsum junger Menschen hat das soziale Umfeld, der Familienzusammenhang oder das Erleben von erwachsenen Vorbildern, prägende Faktoren.

Wie hat sich der Alkoholkonsum Jugendlicher und junger Erwachsener in Deutschland entwickelt und welche Trends zeichnen sich ab? Darauf gibt die Erhebung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Antworten.

Auszüge aus Alkoholkonsum im Jahr 2012 bei Jugendlichen

"... Siebzig Prozent der 12- bis 17-jährigen Jugendlichen haben schon einmal Alkohol getrunken (69,3%). Bezogen auf die letzten zwölf Monate sind es sechzig Prozent (60,4%) und mit Blick auf die letzten 30 Tage gut vierzig Prozent (41,1%). Regelmäßig – also mindestens einmal in der Woche – trinken 13,6% dieser Altersgruppe. Bei etwa jedem sechsten Jugendlichen (17,4%) gibt es in den letzten 30 Tagen ... mindestens einen Tag mit Rauschtrinken, also dem Konsum großer Mengen Alkohol bei einer Gelegenheit. Von den jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 25 Jahren haben 95,7% schon einmal im Leben Alkohol getrunken, in den letzten zwölf Monaten neunzig (90,4%) und in den letzten 30 Tagen fast achtzig Prozent (78,0%). Vierzig Prozent (38,4%) trinken regelmäßig Alkohol und 44,1% haben in den letzten 30 Tagen ... Rauschtrinken praktiziert. Männliche und weibliche Jugendliche im Alter von zwölf bis 15 Jahren unterscheiden sich im Alkoholkonsum noch nicht. Ab dem Alter von 16 und 17 Jahren gibt es Geschlechtsunterschiede, die sich ins Erwachsenenalter fortsetzen. Männliche 16- und 17-Jährige und junge Männer im Alter von 18 bis 25 Jahren trinken häufiger, mehr und praktizieren eher Rauschtrinken als junge Frauen. In der Gruppe mit türkischem und asiatischem Migrationshintergrund ist die Alkoholerfahrung am geringsten und die Abstinenz am höchsten. Im Alkoholkonsum zeigen sich keine sozialen Unterschiede bezogen auf Schulform, Ausbildung, Studium, Erwerbstätigkeit oder Arbeitslosigkeit.

Trends des Alkoholkonsums bei 12-25-Jährigen

Bei den 12- bis 15-jährigen Jugendlichen verläuft die Entwicklung in den letzten acht bis elf Jahren im Sinne der Präventionsempfehlungen. Immer mehr 12- bis 15-Jährige verzichten auf Alkohol. Bei den 16- und 17-Jährigen ist die Entwicklung weniger klar. Sie verläuft nicht als stabiler Trend. Seit 2008 gibt es kaum noch Veränderungen. Bei den jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 25 Jahren zeichnen sich keine einschneidenden Veränderungen ab.

Alkoholkonsum und das soziale Umfeld

Das soziale Umfeld, in dem man lebt, und der eigene Konsum können in Beziehung stehen. Man kann sich an anderen orientieren oder sich ein Umfeld suchen, dass die eigene Haltung oder das eigene Verhalten bestätigt. Die Ansprache Einzelner kann mit sozialen Einflüssen in Konkurrenz stehen oder sich mit ihnen ergänzen und wechselseitig verstärken. ...

Alkoholkonsum im Freundes- und Bekanntenkreis

Alkoholkonsum bei jungen Menschen in Deutschland ist verbreitet und steigt im Alter von zwölf bis 17 Jahren deutlich an. Das spiegelt sich auch darin wieder, wie die Verbreitung des Konsums im Freundes- und Bekanntenkreis wahrgenommen wird. Sechs von zehn Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren (58,1%) sagen, dass die Hälfte oder mehr ihres Freundes- und Bekanntenkreises Alkohol trinkt. In der Altersgruppe der 18- bis 25-Jährigen trifft das auf neun von zehn zu (92,2%). Am stärksten ist der Unterschied zwischen 12- bis 15- sowie 16- und 17-Jährigen. Das gilt in beiden Geschlechtergruppen. Geschlechtsunterschiede zeigen sich nur bei jungen Erwachsenen. Von den jungen Frauen im Alter von 22 bis 25 Jahren sagen 88,7% und von den jungen Männern dieses Alters 95,9%, dass mindestens die Hälfte ihres Freundes- und Bekanntenkreises Alkohol trinkt.

Im Vergleich der Jahre 2010 und 2012 lassen sich bei 12- bis 17-Jährigen Jugendlichen statistisch signifikante Änderungen feststellen. Der Anteil der 12- bis 17-Jährigen, die einschätzen, dass die Hälfte oder mehr des Freundes- und Bekanntenkreises Alkohol konsumiert, ist von 62,1 % (2010) auf 58,1 % (2012) zurückgegangen. Hier ist zukünftig zu beobachten, ob dieser Rückgang sich weiter fortsetzt und parallel zur Veränderung des von den Jugendlichen selbst berichteten eigenen Alkoholkonsums verläuft. Bei jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 25 Jahren ändert sich nichts.

Einstellung des Freundes- und Bekanntenkreis gegenüber dem Alkoholkonsum der Jugendlichen und jungen Erwachsenen

... Von den 12- bis 17-Jährigen meinen 51,4 %, dass es mindestens die Hälfte ihres Freundes- und Bekanntenkreises in Ordnung findet, wenn sie selbst Alkohol trinken. Von den 18- bis 25-Jährigen sagen das 86,0 %. Bei den 12- bis 15-Jährigen gibt es Geschlechtsunterschiede. Zwei von fünf (39,5 %) der männlichen gegenüber einem Drittel (33.0 %) der weiblichen Jugendlichen dieses Alters schätzen ihr Umfeld so ein. Insgesamt zeigt sich, dass der Alkoholkonsum bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine hohe soziale Akzeptanz besitzt. Die wahrgenommen Akzeptanz des eigenen Alkoholkonsums im Freundes- und Bekanntenkreis hat sich im Zeitraum von 2010 bis 2012 in keiner Altersgruppe verändert. ...

Fazit

Die alkoholbezogene Prävention steht bei 16- und 17-jährigen Jugendlichen und 18- bis 25-jährigen Erwachsenen vor besonderen Herausforderungen. Aufgrund ihres Alters ist der Alkoholkonsum in diesen Gruppen schon weit verbreitet. Sie werden von Prävention erreicht, aber ihr Konsumverhalten ändert sich nur langsam. Eine der zukünftigen Aufgaben von Prävention wird es deshalb sein, weiter eine verantwortungsvolle Haltung gegenüber Alkoholkonsum und die kritische Kommunikation in diesen Altersgruppen zu fördern, um Verhaltensänderungen hin zu einem geringeren Konsum zu unterstützen. "

Die Erhebung der BZgA in vollem Textumfang

Das Jahrbuch Sucht 2014 ist zu beziehen über Pabst sciens Publischer pabst@DontReadMepabst-publisher.com, www.pabst-publishers.com zum Preis von 20,- Euro.


Quelle: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung; Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen; zitiert nach news@jugendsozialarbeit.de

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