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Gesundheit / Sozialpolitik

AWO fordert: Keine Notaufnahmegebühr sondern mehr geöffnete Arztpraxen

Eine Medizinerin mit einem kleinen Jungen auf dem Arm
Bild: © DoraZett - Fotolia.com

Patienten könnten meistens nicht einschätzen, wie schwerwiegend die eigene Erkrankung oder die der Kinder ist. Genau aus diesem Grund suche man einen Arzt auf. Deshalb laufe eine Notaufnahmegebühr ins Leere, kritisiert die AWO einen entsprechenden Vorschlag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und fordert mehr Arztpraxen und verbesserte Öffnungszeiten.

Zur Forderung der Bundesvereinigung der Kassenärzte eine Gebühr von 50 Euro für Notaufnahme-Patienten einzuführen, um so den Andrang in Notaufnahmen zu stoppen, erklärt AWO Vorstandsmitglied Brigitte Döcker:

„Den Vorschlag eine Notfallgebühr einzuführen, lehnt die AWO entschieden ab. Die Höhe von 50 Euro würde nur dazu führen, dass sozial ohnehin schon benachteiligte Menschen sich einen Notaufnahmebesuch nicht leisten können. Auch die vorgeschlagene Möglichkeit, die 50 Euro im tatsächlichen Notfall nicht bezahlen zu müssen, läuft ins Leere, da man als Patient meistens gar nicht einschätzen kann, wie schwerwiegend die eigene Erkrankung oder die der Kinder ist. Genau aus diesem Grund sucht man einen Arzt auf.

Mehr Arztpraxen und verbesserte Öffnungszeiten 

Es ist richtig, dass die Ärzte in Krankenhäusern nicht mit Bagatellfällen beschäftigt sein sollten. Um dies zu verhindern, hilft keine Gebühr, sondern Arztpraxen mit verbesserten Öffnungszeiten, die es Patienten auch ermöglichen nachmittags und während der Ferienzeiten einen Arzt aufzusuchen. Niemand, der einen niedergelassenen Arzt findet, der ihn behandelt, geht ohne Not in die Notaufnahme. Aktuell bleibt aber Menschen, die Mittwoch- oder Freitagnachmittag erkranken, oft nur die Notaufnahme, da Arztpraxen dann meist geschlossen sind. 

Wir brauchen einen einfachen Zugang zur Gesundheitsversorgung für alle Menschen ohne zusätzliche Gebühren. Die Bundesvereinigung der Kassenärzte sollte sich in ihrem Verantwortungsbereich um einen verbesserten Zugang zu Arztpraxen sorgen, zum Beispiel durch verbesserte Öffnungszeiten, die normalen Geschäftszeiten zumindest ähneln.“

Hintergrund 

Die Arbeiterwohlfahrt gehört zu den sechs Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege und wird bundesweit von über 335.000 Mitgliedern, 66.000 ehrenamtlich engagierten Helferinnen und Helfern sowie 225.000 hauptamtlichen Mitarbeiter/-innen getragen. 

Quelle: AWO Bundesverband e.V. vom 16.07.2018