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Gender / Sozialpolitik

Wohlfahrtsverbände äußern sich zum Internationalen Frauentag 2018

Lachende Frau im Halbprofil
Bild: rawpixel.com

Die Diakonie beklagt anlässlich des Weltfrauentages 2018 die steigende Zahl wohnungsloser Frauen, während der Paritätische den mangelnden Schutz vor Gewalt und die vielfältige Benachteiligung von Frauen kritisiert. Die Arbeiterwohlfahrt betont, dass eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf die Grundlage von Geschlechtergerechtigkeit sei und weist auf das höhere Armutsrisiko von Frauen hin.

Verschiedene Wohlfahrtsverbände haben sich anlässlich des Internationalen Frauentages am 8. März zur Situation von Frauen und der Gleichstellung geäußert.

Steigende Zahl wohnungsloser Frauen

Die Diakonie beklagt die steigende Zahl wohnungsloser Frauen. „Wir gehen von mehr als 100.000 wohnungslosen Frauen aus. Sie leben zwar selten auf der Straße, haben aber keinen eigenen und dauerhaften Wohnsitz. Dadurch geraten sie schnell in sehr prekäre und oft krankmachende Verhältnisse, in einer Mischung aus Armut, Abhängigkeit und Unsicherheit“, sagt Maria Loheide, Vorstand Sozialpolitik der Diakonie Deutschland. Zudem sei die Dunkelziffer sehr hoch, denn Frauen versuchten lange Zeit, ihre Not zu vertuschen und lebten in „verdeckter Wohnungslosigkeit“.

„Die Zahl der Frauen, bei denen Einkommen und Sozialleistungen nicht im Mindesten ausreichen, um Armut und Wohnungslosigkeit zu verhindern, wird zunehmend größer. Besonders betroffen sind alleinerziehende Mütter mit ihren Kindern. Die Politik muss dringend die sozialen Leistungen auf ein existenzsicherndes Niveau heben und für mehr bezahlbaren Wohnraum sorgen – gerade in den Großstädten. Zugleich müssen frauengerechte Hilfeangebote und Präventionsmaßnahmen verlässlich ausgebaut werden, damit wohnungslose Frauen in Obdachlosenunterkünften oder auf der Straße nicht länger Opfer von Gewalt sind“, fordert Loheide. 

Die gesamte Meldung zum Weltfrauentag kann von der Webseite der Diakonie abgerufen werden.

Mangelnder Schutz vor Gewalt

Frauen und Mädchen sind nach wie vor in vielen Bereichen der Gesellschaft strukturellen Benachteiligungen ausgesetzt. Insbesondere im Bereich des Schutzes vor Gewalt gebe es nach wie vor Schutzlücken, kritisiert der Paritätische Wohlfahrtsverband anlässlich des Weltfrauentags und fordert die Bundesregierung auf, endlich Zugang zu Zuflucht und Hilfe für alle von Gewalt betroffenen Frauen und ihre Kinder in Deutschland zu garantieren.

Der Paritätische Gesamtverband appelliert an die Bundesregierung, zügig die im Februar in Kraft getretene Istanbul-Konvention umzusetzen, nach welcher Frauen und Mädchen vor allen Formen von Gewalt geschützt werden sollen. Die unterzeichnenden Staaten haben sich verpflichtet, Maßnahmen zum Gewaltschutz und Prävention zu ergreifen. Der Paritätische fordert die Einführung eines Rechtsanspruchs auf Schutz und Unterstützung für alle gewaltbetroffenen Frauen und deren Kinder und den Ausbau niedrigschwelliger und bedarfsgerechter Hilfs- und Unterstützungsangebote. Notwendig sei eine verlässliche und adäquate finanzielle Ausstattung von Frauenhäusern und Fachberatungsstellen.

Höheres Armutsrisiko von Frauen

Anlässlich des Internationalen Frauentages weist der Paritätische zudem auf das nach wie vor für Frauen deutlich höhere Risiko der Altersarmut hin. Nach jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes stieg die Zahl von Bezieherinnen einer Grundsicherung zwischen 2006 und 2016 von 371.000 auf 682.000 Menschen, davon sind 59 Prozent Frauen. Ein Hauptgrund sind die Unterbrechungen der Erwerbsbiografien nach der Geburt der Kinder. Marion von zur Gathen erklärt dazu: „Es kann nicht sein, dass eine Geburt für die Frau das Risiko erhöht, im Alter zu verarmen, weil sie nicht so viele Rentenpunkte wie ein Mann sammeln kann. Bisherige Maßnahmen aus der Politik wie das ElterngeldPlus und der Ausbau der Kinderbetreuung waren gut gemeint, aber nur selten gut oder vollständig umgesetzt. Wir erwarten von der kommenden Bundesregierung, dass sie allen Frauen die Gewissheit gibt, dass sie im Alter und auch sonst niemals Armut erleiden müssen.“

Die gesamte Meldung zum Weltfrauentag steht auf der Internetseite des Paritätischen zur Verfügung.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf für mehr Geschlechtergerechtigkeit

Als vor 100 Jahren die Frauen in Deutschland das Wahlrecht erhielten, gaben 82 Prozent von ihnen bei der Wahl zur Weimarer Nationalversammlung ihre Stimme ab. 37 weibliche Abgeordnete, unter ihnen die Gründerin der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Marie Juchacz, zogen in das Parlament ein.

Der AWO Bundesvorsitzende erklärte: „Marie Juchacz legte den Grundstein für die bis heute in alle gesellschaftlichen Felder reichende soziale Arbeit der AWO. Die Forderung nach einem selbstbestimmten, gewaltfreien und ökonomisch abgesicherten Leben für alle Frauen bleibt erschreckend aktuell.“ Das passive und aktive Wahlrecht trug wesentlich dazu bei, dass Frauen viel erreichen konnten. Doch obwohl Frauen heutzutage oft über eine bessere Ausbildung als Männer verfügen, tragen sie privat wie beruflich die Hauptlast im Bereich Pflege, Erziehung und Betreuung. Frauen sind gegenwärtig immer noch weniger als Männer in Erwerbsarbeit integriert und die Lohndifferenz zwischen den Geschlechtern ist in Deutschland höher als in den meisten anderen Ländern Europas. „Die Grundlage einer verbesserten Geschlechtergerechtigkeit ist eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf“, betont der AWO Bundesvorsitzende.

Auf der Webseite der AWO kann die gesamte Meldung zum Weltfrauentag eingesehen werden.

Quellen: Diakonie Deutschland - Evangelisches Werk für Diakonie und Entwicklung e.V. vom 07.03.2018, Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband - Gesamtverband e.V. vom 07.03.2018, AWO Bundesverband e.V. vom 07.03.2018